Dortmunder Lehrer und Eltern in Sorge: Steigt jetzt das Infektionsrisiko?

rnKeine Masken im Unterricht

Die Mundschutzpflicht im Klassenzimmer wird ab nächster Woche abgeschafft. Erleichterung bei den Schulen und Eltern in Dortmund? Die Meinungen gehen auseinander.

Dortmund

, 29.08.2020, 08:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach den Sommerferien wurde die Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände und auch in den Klassenzimmern während des Unterrichts eingeführt. Als Vorsichtmaßnahme zum Schulstart. Das ist jedoch wieder vorbei.

Am Donnerstagabend (27.8.) verkündete Armin Laschet, dass die Maskenpflicht im Unterricht ab dem 1. September wieder beendet wird. Die Entwicklung des Infektionsgeschehens in Nordrhein-Westfalen und die bisherigen Erfahrungen an den Schulen im Land würden dies ermöglichen. Auf dem Schulhof und in den Gängen muss weiterhin ein Mundschutz getragen werden.

Schulleiter in Dortmund überrascht von Entscheidung

Klaus-Peter Jungmann, Schulleiter des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums (KKG) in Dortmund, fühlt sich von dieser Entscheidung des Landes überrollt. Am Donnerstag hat es eine Lehrerkonferenz am KKG gegeben, an der auch die Schülervertretung teilgenommen hat. „Die Schüler und Kollegen waren zufrieden, wie es bisher mit der Maske im Unterricht läuft“, sagt Jungmann. Danach kam die Meldung vom Aussetzen der Maskenpflicht.

Jetzt lesen

Die Meinungen der Lehrerschaft am KKG seien gespalten. „Auf der einen Seite freuen sie sich, den Schülern wieder ins Gesicht schauen zu können“, sagt Jungmann. „Auf der anderen Seite steigt die Angst, dass sich das Virus wieder schneller verbreitet.“ Eine interne Maskenpflicht für den Unterricht werde am Gymnasium nicht eingeführt. „Ich denke, es werden trotzdem noch weiter Schüler und Lehrer freiwillig die Maske tragen“, sagt Jungmann.

Erleichterung und Besorgnis bei den Schülern

Schülersprecher Tobias Bläser vom Robert-Bosch-Berufskolleg hat am Freitagmittag gemischte Meinungen zur am Vorabend verkündeten Meldung mitbekommen. „Viele Schüler sind erleichtert, die Maske nicht mehr im Unterricht tragen zu müssen, weil durch die Maske die Konzentrationsfähigkeit ziemlich eingeschränkt wird“, sagt Bläser.

Jetzt lesen

Trotzdem steigt dadurch auch die Besorgnis, dass das Infektionsrisiko im Klassenverband ohne eine Maskenpflicht im Unterricht höher werden könnte. Der Schülersprecher spricht einen weiteren Punkt an: „Für manche Schüler ist es unverständlich, warum die Maskenpflicht jetzt ausgesetzt wird, obwohl die Temperaturen in einem vertretbaren Rahmen sind.“

Unterfinanzierung großes Problem an Schulen im Land

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Nordrhein-Westfalen sieht das Aussetzen der Maskenpflicht im Unterricht mit gemischten Gefühlen. „Sicherlich wird die Kommunikation im Unterricht ohne Maske deutlich erleichtert, da jedoch das Abstandhalten in den Klassenräumen nicht möglich ist, geht ein wichtiger Schutz verloren“, sagt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW.

Ein großes Problem sei die jahrelange Unterfinanzierung der Schulen im Land. „Personalmangel, Platzmangel und verspätete Digitalisierung sind unübersehbar“, sagt Behlau. Gerade größere Räume und kleinere Klassen würden einen sicheren Unterricht ohne Maske bedeuten.

Unsicherheit bei den Eltern in Dortmund

„Spielen wir jetzt Roulette?“, fragt Anke Staar, Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern. Die Eltern in Dortmund beklagen Angst, Sorge und Unsicherheit. „Die größte Angst der Eltern ist, dass ihre Kinder die Krankheit aus der Schule mit nach Hause bringen,“ sagt Staar.

Ein Problem dabei sei auch die Intransparenz der Stadt. Jede Woche gebe es Änderungen, über die nicht ausreichend kommuniziert werde. „Als Elternteil weiß man gar nicht, was eigentlich bei einem Krankheitsfall passiert“, sagt sie.

Jetzt lesen

Trotzdem gehe es laut Anke Staar schon lange nicht mehr um das Masketragen selbst. „Es geht um Vertrauen und transparente Strategien. Sachen müssen zu Ende gedacht werden“, sagt Staar. „Wir Eltern hätten gerne über Konzepte und Strategien gesprochen, die Sicherheit versprechen. Nur gemeinschaftlich schaffen wir den Weg aus der Krise.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt