Schulzeit startet im Container, aber: „Der ist viel besser als gedacht“

rnUnterricht im Container

Schulcontainer lösen bei vielen Menschen negative Bilder im Kopf aus. Wir durften den Container einer Grundschule besichtigen - und waren positiv überrascht. Allerdings gibt es ein dickes Manko.

Oestrich

, 13.08.2020, 16:25 Uhr

So viele Anmeldungen von Erstklässlern gab es an der Schragmüller-Grundschule noch nie. Vor fünf Jahren begann hier gerade einmal für 27 Kinder der sprichwörtliche „Ernst des Lebens“. Am Donnerstag (13.8.) erlebten 75 Kinder an der Schule in Oestrich ihren ersten Schultag.

Weil die Schule für so viele neue Kinder in ihrem Gebäude an der Castroper Straße nicht genügend Platz hat, wird die Klasse 1a, die Froschklasse, in einem Schulcontainer unterrichtet. „So mussten wir Gott sei Dank kein Kind ablehnen“, sagt Rektor Jens Emanuelsson erleichtert. In der letzten Ferienwoche schwebte die mobile Einheit per Kran ein und wurde auf dem vorderen Schulhof platziert, im Schatten ehrwürdiger Bäume.

Großartig anders als ein normales Klassenzimmer sieht der Container gar nicht aus. Großer Pluspunkt: Fenster gibt es an zwei gegenüberliegenden Wänden - ideal zum „Querlüften“.

Großartig anders als ein normales Klassenzimmer sieht der Container gar nicht aus. Großer Pluspunkt: Fenster gibt es an zwei gegenüberliegenden Wänden - ideal zum „Querlüften“. © Beate Dönnewald

Von einem Container spricht man an der Schragmüller-Grundschule allerdings nicht. „Das klingt zu negativ, wir sagen ‚Häuschen‘ dazu“, sagt die Konrektorin Britta Hördemann. Sie ist Klassenlehrerin der Froschklasse und hat ihr Häuschen innerhalb von 48 Stunden mit viel Liebe und Unterstützung von Hausmeister Arian Hadifar eingerichtet. „Am wichtigsten ist für die Kinder eine Struktur, an der sie sich orientieren können, das gibt ihnen Sicherheit.“

Modernes Mobiliar mit blauen Stühlen

Noch vor dem Einzug der Erstklässler am Donnerstagmorgen (13.8.) durfte unsere Redaktion den Schulcontainer besichtigen. Und war positiv überrascht. „Ja, der ist viel besser als gedacht“, findet auch Jens Emanuelsson. Denn großartig anders als ein Klassenraum im Schulgebäude sieht es drinnen nicht aus.

Konrektorin Britta Hördemann (l., hier mit Sozialpädagogin Kira Sulcek) wird die Klasse 1a in dem Schulcontainer unterrichten. Sie hat ihn mit viel Liebe zum Detail und mit Struktur eingerichtet.

Konrektorin Britta Hördemann (l., hier mit Sozialpädagogin Kira Sulcek) wird die Klasse 1a in dem Schulcontainer unterrichten. Sie hat ihn mit viel Liebe zum Detail und mit Struktur eingerichtet. © Beate Dönnewald

Eigentlich ist das mobile Klassenzimmer sogar noch schöner. Wie in einem Neubau ist hier alles schick, hell, freundlich und makellos. Die Wände sind weiß, das Mobiliar ist modern und mit blauen Stühlen auch besonders.

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So sieht es im neuen Schulcontainer der Schragmüller-Grundschule aus

Fenster gibt es an zwei gegenüberliegenden Wänden, das hat hier kein anderes Klassenzimmer. „Wir haben hier also viel Licht und können super quer lüften“, so Britta Hördemann. Ausreichend Platz für einen kleinen Sitzkreis gibt es auch noch. „Und dank der Bäume, die viel Schatten spenden, wird es hier auch nicht zu heiß“, sagt Sozialpädagogin Kira Sulcek.

Großes Manko des Schulcontainers ist das fehlende Waschbecken. Für die Hygiene steht ein Desinfektionsmittelspender zur Verfügung.

Großes Manko des Schulcontainers ist das fehlende Waschbecken. Für die Hygiene steht ein Desinfektionsmittelspender zur Verfügung. © Beate Dönnewald

Weiterer Vorteil: Die Lehrerin kann den Schulhof für ihren Unterricht nutzen. Dadurch könne man an die Kita-Zeit anknüpfen und den Kindern das Ankommen erleichtern. Britta Hördemann hat sogar Sitz-Höckerchen für alle Kinder angeschafft. „Im Sitzen können sich die Kinder fokussieren, das ist besser als Stehen.“

Manko in der Corona-Krise: Kein Waschbecken für Kinder und Lehrer

Aber, betont die Konrektorin, der Schulcontainer habe durchaus auch Nachteile. Das größte Manko, gerade in der Corona-Krise: „Wir haben hier keinen Wasseranschluss und deshalb auch kein Waschbecken.“ Den 25 Jungen und Mädchen sowie den Lehrkräften steht ausschließlich ein Desinfektionsmittel-Spender im Eingangsbereich zur Verfügung.

Großer Vorteil des Schulcontainers: Der Schulhof kann für Bewegungs- oder Singspiele genutzt werden.

Großer Vorteil des Schulcontainers: Der Schulhof kann für Bewegungs- oder Singspiele genutzt werden. © Beate Dönnewald

Auch die „Insellage“ des Containers sei nicht optimal, man sei nicht wie die anderen Lehrer und Schüler mittendrin im Geschehen, so Britta Hördemann. „Wenn ich krank oder verhindert bin, ist die Konrektorin im Container. Das ist natürlich nicht ideal“, bestätigt Jens Emanuelsson. Andererseits sei seine Vertreterin die erfahrenste Kollegin und habe sich sofort bereit erklärt, die Erstklässler im Container zu unterrichten.

Willkommen bei uns: Mit kleinen Geschenken wurde jeder Erstklässler im Schulcontainer an seinem Platz begrüßt.

Willkommen bei uns: Mit kleinen Geschenken wurde jeder Erstklässler im Schulcontainer an seinem Platz begrüßt. © Beate Dönnewald

Nach und nach soll die Einrichtung des ‚Häuschens‘ noch optimiert werden. „Vor allem hoffen wir, dass schnell das fehlende Smart-Board geliefert wird“, sagt Britta Hördemann.

Ob das ‚Häuschen‘ für vier Jahre die Heimat der Frosch-Klasse bleibt, steht übrigens noch nicht fest. „Darauf möchten wir uns jetzt noch nicht festlegen“, sagt Jens Emanuelsson.

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