Schwere Pannen bei Ermittlungen gegen Sexualstraftäter

Mädchen missbraucht

Der Sexualstraftäter K., der aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden war und im Januar ein Mädchen missbraucht hat, hätte deutlich früher festgenommen werden können. Nach Informationen unserer Redaktion ist es zu Ermittlungspannen der Polizei gekommen.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 10.09.2011, 05:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

 Daniella und Alex Kruck, die Eltern des siebenjährigen missbrauchten Mädchens, waren im Februar über das Ende des Ermittlungsverfahrens informiert worden. Bereits zuvor hatten sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Nur deshalb wurde eine DNA-Probe zur Untersuchung nach Düsseldorf geschickt. Diese DNA-Probe ergab – knapp sieben Monate nach der Tat – im Juli einen Treffer in der Datenbank. Herr K. wurde sofort festgenommen und steht mittlerweile im Verdacht, sich in der Zeit vor seiner Festnahme weiteren Kindern genähert zu haben.Die Dienstaufsichtsbeschwerde richtete sich gegen die Polizistin, die das Kind der Familie Kruck vernommen hat. Die Beamtin hatte die zunächst unterschiedlichen Schilderungen des Kindes als unglaubwürdig eingestuft. Aufgrund ihrer Einschätzung war das Verfahren gegen Unbekannt im Februar durch die Staatsanwaltschaft eingestellt worden, obwohl die bei dem Mädchen genommene DNA-Probe mit möglichen Spuren des Täters nicht zur Überprüfung ins Landeskriminalamt nach Düsseldorf gesandt worden war.

 Diese Überprüfung wurde erst mehr als einen Monat nach der Tat und nur durch Druck in die Wege geleitet. Das belegen Akten, die unserer Redaktion vorliegen. Offenbar hatte sich kurz zuvor der Vorgesetzte der Polizistin mit den Eltern des Mädchens getroffen, um die Dienstaufsichtsbeschwerde aus der Welt zu räumen. Nach Angaben der Familie Kruck kam es damals zu einer Art Geschäft: Wenn die Eltern die Beschwerde fallen ließen, würde im Gegenzug die DNA-Probe nach Düsseldorf gesandt, habe der Beamte vorgeschlagen. Darauf einigte man sich.

 Dieses Treffen in der Wohnung der Familie geschah am 28. Februar. Am 2. März ging die Probe an das Landeskriminalamt. Hier wurde am 14. Juli festgestellt, dass es sich bei dem Täter um den aus der Sicherungsverwahrung freigekommenen Sexualstraftäter K. handelte.  Herr K. war Mitte September 2010 direkt aus der Haft nach Dortmund gekommen und zunächst 24 Stunden am Tag überwacht worden. Gut drei Monate später wurde die personalintensive Observierung eingestellt. Damals hatte der Mann ein Handy bei sich zu führen, dessen Bewegungsdaten aufgezeichnet wurden. Dieses Handy trug er auch am Tag der Tat im Januar bei sich.

 Nach der Festnahme des Mannes, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte, ergaben Überprüfungen der Handy-Daten, dass K. im dringenden Verdacht steht, sich zwei weiteren Kindern in Dortmund genähert zu haben.Nach Angaben der Polizei wird der Vorgang derzeit genau überprüft. In diesem Verfahren gebe es eine Berichts-pflicht an das nordrhein-westfälische Innenministerium. Diesem Bericht wolle man im Moment nicht vorgreifen.

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