Schwere Rocker-Schlägerei - Opfer bleibt lebenslang ein Pflegefall

rnLandgericht

In Herne kam es auf offener Straße zu einer brutalen Prügelei – einer der Beteiligten ist danach ein Pflegefall. Mittendrin: ein Bandidos-Rocker aus der Dortmunder Nordstadt.

Dortmund

, 09.09.2019, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer folgenschweren Schlägerei mit einem heute schwerbehinderten Opfer müssen sich fünf Bandidos-Rocker aus Dortmund, Essen und Herne vor dem Bochumer Landgericht verantworten.

Das Quintett war am 11. August 2018 auf offener Straße in Herne über drei Motorradrocker des Wuppertaler Clubs „The Living Dead“ hergefallen, um dem Trio die Kutten abzunehmen. Eines der Opfer erlitt laut Anklage bei der Auseinandersetzung so schwere Schädel-Hirnverletzungen, dass es zeitlebens ein Pflegefall bleiben wird.

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„Der Mann kann atmen, aber kann sonst fast nichts mehr“, sagte Richterin Susanne Schön-Winkler zum Prozessauftakt. Vier von fünf Bandidos-Rockern gaben am Montag ihre Beteiligung an dem Prügel-Angriff zu und entschuldigten sich.

Einzig der Hauptangeklagte, der Präsident des erst kurz vor dem Vorfall neu gegründeten Chapters „Bandidos MC Bochum City/Ruhrpott“ wollte sich vorerst noch nicht zu den Vorwürfen äußern.

Dortmunder Rocker brach als erster Angeklagter sein Schweigen

Als erster Angeklagter gab der zuletzt als Verpacker tätige Bandidos-Rocker aus der Dortmunder Nordstadt seine Verstrickung in das Prügel-Drama zu. „Mein Mandant gesteht ein, dass er sich an der Auseinandersetzung beteiligt hat“, erklärte sein Verteidiger Reinhard Peters.

Es sei auch richtig, dass der Dortmunder Rocker auf einen der bereits am Boden liegenden Männer eingetreten habe, um ihm die Kutte abnehmen zu können. Das sei aber wohl nicht das am schwersten verletzte Opfer gewesen. „Die schweren Beeinträchtigungen dieses Mannes belasten ihn sehr“, erklärte sein Anwalt.

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Fast deckungsgleich äußerten sich anschließend auch drei weitere Angeklagte. Aber: Den so schwer mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagenen, heute 55 Jahre alten Rocker will keiner von den Vieren attackiert haben.

Bandidos sahen ihre "Gebietshoheit" verletzt

Die fünf Bandidos waren damals in einem schwarzen Audi A3 unterwegs gewesen, als sie unweit vom Herner Kulturzentrum an einer Ampel zufällig die drei mit Clubwesten bekleideten Rocker aus Wuppertal entdeckt hatten.

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Die Bandidos sahen offenbar ihre „Gebietshoheit“ beschmutzt und wollten die gebietsfremden Motoradrocker, die sich offenbar einfach nur verfahren hatten, durch das Abnehmen der Kutten demütigen. Der Audi bremste die Motorräder aus, dann fielen die Rocker übereinander her. Die Bandidos nahmen zwei Männern die Westen ab und flüchteten.

Nach aufwendigen Ermittlungen kam es am 15. März 2019 zeitgleich zu einem SEK-Einsatz in Dortmund, Herne und Essen. Seitdem sitzen alle fünf Bandidos in U-Haft.

Die Anklage lautet auf schweren Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung. Es drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

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