Schwerte will "Eintrittsgeld" für Dortmunder Schüler

Streit um Gymnasien

Seit gut 40 Jahren pendeln Schüler aus dem Dortmunder Süden unbürokratisch über die Stadtgrenze, um in Schwerte aufs Gymnasium zu gehen. Doch da es an den Schulen nicht genug Platz gibt, will Schwerte nun finanzielle Entschädigung von der Stadt Dortmund. Oberbürgermeister Ullrich Sierau hält das für eine Frechheit. Und holt zum Konter aus.

DORTMUND

, 23.08.2017, 16:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schwerte will "Eintrittsgeld" für Dortmunder Schüler

Der Schulstreit zwischen Dortmund und Schwerte spitzt sich zu.

Weil die Nachbarstadt ihre Schullandschaft umorganisiert hat und die Gymnasialplätze knapp geworden sind, musste für das kommende Schuljahr erstmals zäh um eine Einmal-Lösung für die rund 30 Fünftklässler aus Dortmund gerungen werden. Für die Zukunft sieht das eher düster aus.

Schwerte fordert auf der Basis einer Beschulungsvereinbarung Geld für den Mehraufwand. Dortmunds OB Ullrich Sierau (SPD) ist auf dem Baum.  „Jetzt haben sie die Katze aus dem Sack gelassen. Sie wollen Geld haben“, sagte Sierau mit Verweis auf Paragraf 4 des Entwurfs einer Beschulungsvereinbarung, die Schwerte jetzt an Dortmund geschickt hat.

Sierau: "Dann erheben wir eine Kulturmaut"

Darin heißt es, Dortmund erstatte Schwerte die jährlichen Aufwendungen. Verrechnet mit der Schulpauschale und der Schlüsselzuweisung, die alle vom Land bekommen, sind das im ersten Jahr rund 43.000 Euro und bei bis zu neun auflaufenden Jahrgängen am Ende fast eine halbe Million.

„Das schlägt dem Fass den Boden aus“, poltert der Dortmunder OB – und macht mit Verweis auf die Schwerter Theater-, Ballett- und Konzerthausbesucher eine Gegenrechnung auf: „Wenn ich das ernst nehme, erheben wir eine Kulturmaut.“

Schwerte schlage die Tür zu

Seit Jahren gingen Dortmunder Schüler über die Stadtgrenze zur Schule, sagt Schuldezernentin Daniela Schneckenburger. Jetzt schlage Schwerte die Tür zu. „Dortmunder Schüler sind in Schwerte nicht mehr gewollt. Für Eltern ist das ein richtiger Affront.“

Aus Sicht der Stadt Dortmund gebe es keine Grundlage mehr für eine Beschulungsvereinbarung. Sierau: „Das ist auch eine prinzipielle Frage“. Er sei nicht bereit, auf dieser Ebene die Beziehungen zur Stadt Schwerte zu pflegen. Der Schwerter Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU) verteidigte sein Vorgehen auf Anfrage: „Ich habe einen Ratsauftrag zu erledigen.“

"Da gilt für uns: Schwerte zuerst"

Es gehe nicht um die Frage, Dienstleistungen gegenseitig zu verrechnen. Mit einer Beschulungsvereinbarung würden die Dortmunder Kinder den Schwerter Kindern rechtlich gleichgestellt. Würden dann mehr Kinder an den beiden Schwerter Gymnasien angemeldet als es Plätze gibt, müsste gelost und Schwerter Kinder müssten gegebenenfalls abgewiesen werden. „Da gilt für uns: Schwerte zuerst“, sagt Böckelühr.

Um sicherzustellen, dass mit einer Beschulungsvereinbarung alle Kinder einen Platz bekommen, brauche Schwerte mehr Klassen und mehr Räume. „Wir müssen anbauen“. Doch als bilanziell überschuldete Kommune, die unter finanzieller Aufsicht der Bezirksregierung stehe, sei Schwerte verpflichtet, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen: „Wir drehen jeden Euro hier fünf Mal um“.

"Das ist eine politische Entscheidung"

Zudem sei das Problem kein Schwerter Problem. Böckelühr: „Das Problem haben die Dortmunder Eltern, die ihre Kinder gern in Schwerte zur Schule schicken wollen. Und es ist das Problem der Stadt Dortmund, ob sie diese Eltern unterstützen will. Das ist eine politische Entscheidung.“

Sierau äußerte sich am Dienstag zuversichtlich, dass der Rat seiner ablehnenden Position folgen werde. „Diese Position brauchen wir auch offiziell“, stellte am Mittwoch sein Schwerter Amtskollege fest, „damit mein Rat sich abschließend damit beschäftigen kann.“

Ohne Beschulungsvereinbarung gilt für die Dortmunder Eltern das Prinzip Hoffnung. Ihr Kind kommt dann nur an einem Schwerter Gymnasium unter, wenn es dort freie Plätze gibt. Die Verbalattacke Sieraus, er erhebe im Gegenzug eine Kulturmaut, kontert Böckelühr: „Vielleicht bringt er auch Schlagbäume an, dann machen wir wieder Mittelalter. Auch Schwerter lassen beim Theaterbesuch oder Einkaufsbummel ihr Geld im Oberzentrum Dortmund.“

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