Seecontainer wie Legosteine: Wie die Firma Bloedorn durch die Krise kommt

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Dass Container längst nicht nur für Übersee-Transporte taugen, weiß man bei der Firma Bloedorn schon lange. Sie lassen sich gut zweckentfremden - vor allem in der Corona-Krise

Dortmund

, 21.08.2020, 05:20 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zu Lärmschutzwänden zusammengestapelt kommen Seecontainer an Großbaustellen - zum Beispiel beim Emscherumbau - zum Einsatz. Auch bei Bombenentschärfungen sieht man sie inzwischen regelmäßig. Mit Wasser gefüllt sollen sie im Fall der Fälle die Wucht der Explosion ableiten und auch als Splitterschutz dienen.

Die Hochseecontainer gehören der Dortmunder Bloedorn Container GmbH, die diese riesigen Stahlkisten, die sich wie Legosteine stapeln lassen, kauft, verkauft und vermietet.

Die 40 Beschäftigten des Wickeder Unternehmens sind Spezialisten für die Zweckentfremdung von Seecontainern. Oft gehen diese nur einmal mit großer Fracht auf Weltreise und landen dann in Rotterdam oder Hamburg in den Armen der Bloedorn Container GmbH.

Seecontainer dienen vor allem als Lagerfläche

„In unserem Hauptgeschäft werden die von uns dann vermieteten oder verkauften Container deutschlandweit zu 70 Prozent als Lagerfläche und zu 30 Prozent als Büro-Raum genutzt“, sagt Firmenchef Mathias Weber, der die GmbH 1996 mit Rainer Bloedorn in Dortmund gründete. 2002 zog die Firma auf ihr jetziges Gelände an der Giselherstraße in der Nähe des Flughafens Dortmund um.

Und seither tun sich immer mehr „Nebengeschäfte“ auf - gerade auch jetzt in der Corona-Krise. Ob als Kassenhäuschen bei Musikfestivals, als Ausschankstation beim Bierfestival am U, als Bibelraum während des evangelischen Kirchentages oder auch als Arbeitsplatz für die Intendanz während des Umbaus am Theater Dortmund kamen die Bloedorn-Container bereits zum Einsatz.

Autokino auf Phoenix West in Dortmund

Bei der Renaissance des Autokinos in Dortmund war die Bloedorn Container GmbH auf Phoenix West als Möglichmacher mit drei Containern dabei. © Stephan Schütze (Archiv)

„Mit der Corona-Pandemie taten sich noch ganz neue Einsatzbereiche auf“, sagt Mathias Weber. „Wir haben unsere Container zum Beispiel für Corona-Testzentren bereitgestellt. Das Knappschaftskrankenhaus und die Klinik Dortmund-Mitte haben Bürocontainer für die Testung genutzt. Zudem haben wir eine Schule beliefert, die Container als Lager für Spielgeräte nutzt, um in der Pause ohne Umstände dran zu kommen.“ Auch ein Unternehmen für Medizintechnik habe mehr Platz gebraucht und gerne die Container eingesetzt.

Und: die Besucher des Autokinos, das in diesem Sommer auf Phoenix-West in Dortmund eine Renaissance feierte, werden es kaum bemerkt haben - aber die Technik versteckte sich auch in einem der Seecontainer.

Sommer am U in Dortmund

Auf der Bühne beim Sommer am U gehören nach vorne geöffnete Container dazu. © Daniel Sadrowski

Zu einem großen Gewinner der Corona-Krise ist die Bloedorn Container GmbH damit allerdings nicht geworden. „Im ersten Quartal dieses Jahres haben wir noch ein Umsatzplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Im zweiten Quartal sind wir da auf drei Prozent gefallen. Wir haben also eine deutliche Delle gemerkt“, sagt Björn Henkel, der Prokurist der Firma.

Bloedorn Container ist für das zweite Halbjahr optimistisch

Die Gründe für den Einbruch liefert er gleich nach: „Wir sind seit über zehn Jahren im Messebereich tätig und beliefern die Messen Düsseldorf, Köln und Essen regelmäßig mit mehreren 100 Containern.“ In diesem Bereich wurden allerdings alle Aufträge komplett storniert, da man in dieser Branche gar nicht wusste, was noch passiert. „Auch große Events wie das Juicy Beats Festival“, so Björn Henkel, „mussten abgesagt werden - und auch dafür hätten wir etliche Container geliefert.“

Björn Henkel von der Bloedorn Container GmbH in Dortmund

Björn Henkel ist Prokurist der Firma Bloedorn Container. Das Wickeder Unternehmen kommt ohne Kurzarbeit durch die Corona-Krise. © Peter Wulle

Weil der Kundenstamm breit gestreut ist und die Situation im Handel und Baugewerbe stabil blieb, konnten die Stornierungen aus dem Messe- und Eventbereich abgefedert werden. Zur Lagerung von Waren sowie als Büroanlage und zum Lärmschutz wurden und werden die Container durchgehend benötigt.

„Im Moment merken wir“, sagt Björn Henkel, „dass vorsichtige Versuche im Eventbereich wieder gestartet werden. In Dortmund beispielsweise durften wir für die Juicy Beats Park Sessions die Backstage-Container bereitstellen. Für das Ruhrhochdeutsch-Festival im Schalthaus auf Phoenix-West haben wir eine Lärmschutzwand in die Halle gebaut. Und auch für den Sommer am U haben wir wieder Bar- und Bühnencontainer gestellt. Es ist schön zu sehen, dass in den Kreativbereich langsam wieder ein wenig Bewegung kommt.“

Die Juicy Beats Park Sessions im Westfalenpark in Dortmund

Acht Container – darunter Wohn- und Seecontainer – schaffen Raum im Backstagebereich der neuen Juicy Beats Park Sessions.„Auch wenn wir wieder gerne das ‚große‘ Juicy Beats Festival beliefert und besucht hätten, freuen wir uns, dass jetzt doch etwas geht in Dortmund“, sagt Stefan Mlynek, verantwortlich für das Projekt bei Bloedorn Container. © Juicy Beats

Wenn das so bleibt, blickt man bei der Bloedorn Container GmbH ganz optimistisch auf die zweite Jahreshälfte. „Wir knüpfen derzeit an unser altes Wachstum zu Anfang des Jahres an“, sagt Björn Henkel. Die Firma käme dann dank der vielen Einsatzmöglichkeiten ihrer Container gut durch die Krise. „Das war in der Finanzkrise 2009 ganz anderes“, erinnert sich Mathias Weber. „Damals war auch die Bau- und Handwerkerbranche betroffen. Das haben wir deutlich gemerkt.“

Ohne Kurzarbeit durch die Corona-Krise

Diesmal mussten weder Kurzarbeit noch die vom Finanzamt angebotene Möglichkeit der Steuerstundung genutzt werden. Im Gegenteil: „Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihnen im April eine steuer- und sozialversicherungsfreie Corona-Prämie auszuzahlen“, sagt Björn Henkel.

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Damit wurde von der Firmenleitung die Flexibilität und Bereitschaft honoriert, sich in kürzester Zeit auf einen Zwei-Schicht-Betrieb, Arbeitszeitkonten und Homeoffice einzustellen.

Dass das Wickeder Unternehmen Container für so viele Einsatzgebiete bereitstellen kann, ist nur möglich, weil man auch eine eigene Umbauhalle an der Giselherstraße betreibt. Darin werden die Container den Kundenwünschen angepasst. Beispielsweise werden in Büro-Container Fenster und Türen sowie auch die Elektrik eingebaut.

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In ganz Deutschland stehen zurzeit gut 3500 Container der Bloedorn Container GmbH. „Die meisten sehen wir hier gar nicht, die werden aus den Lagerstöcken in Rotterdam und Hamburg direkt weiter gehandelt und verkauft“, sagt Mathias Weber. In Dortmund habe man immer 300 bis 400 Container auf Lager, die etwa bei Bombenentschärfungen auch in wenigen Stunden verfügbar seien.

An zwei Dingen, das betonen Mathias Weber und Björn Henkel, werde auch die Corona-Pandemie wohl nichts ändern: an dem sozialen Engagement der Firma und an dem Silvester-Geschäft.

Bloedorn Container baut Hilfe für die Dortmunder Tafel aus

„Auch in Corona-Zeiten“, sagt Mathias Weber, „haben wir unsere Kooperation mit der Dortmunder Tafel nochmal stark ausgebaut.“ Das Unternehmen hilft als Experte für Containerlogistik jetzt dabei, mehr Lagerraum für Lebensmittel zu schaffen und übernimmt auch größere Frachten. Der Effekt ist immens: Es können viel mehr Lebensmittel an Bedürftige verteilt und vor der Vernichtung gerettet werden.

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Zu guter Letzt verweist Björn Henkel auf ein gutes und auch naheliegendes Geschäft, dass der Bloedorn Container GmbH regelmäßig zum Jahreswechsel winkt. „Zu Silvester“, sagt er, „vermieten wir bundesweit rund 1100 Container an Supermärkte, damit die ihr Silvester-Feuerwerk explosionssicher lagern können.“ Die Märkte sind auf die Container angewiesen, da in einem Gebäude nicht mehr als eine Tonne Sprengstoff gelagert werden darf.

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