Sehr seltene Fledermäuse werden auf dem Hauptfriedhof besonders geschützt

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Dracula-Lesern ist klar, dass Fledermäuse auch auf dem Hauptfriedhof umherschwirren. Jetzt sind sie dort wissenschaftlich festgestellt worden und kommen in den Genuss eines Hilfsprogramms.

Wambel

, 31.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei seltene Fledermausarten hat Heinz Heitland von der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz (Agard) auf dem Hauptfriedhof entdeckt.

Sehr seltene Fledermäuse werden auf dem Hauptfriedhof besonders geschützt

Mit Hilfe eines Detektors lassen sich die Rufe einer Fledermaus in für uns Menschen hörbare Laute verwandeln. Jede Fledermausart nutzt bestimmte Frequenzen. © Uwe Brodersen

Ausfindig machen konnte er sie dank eines Detektors. Das Gerät verwandelt die hochfrequenten Rufe der Fledermäuse, die der Mensch nicht wahrnehmen kann, in hörbare Laute. „Dabei benutzt jede Fledermausart einen bestimmten Frequenzbereich“, erläutert Heinz Heitland. Auf dem Hauptfriedhof handelt es sich um die Zwerg- und die Fransenfledermaus. Unterstützung bei der Bestimmung dieser Arten habe er von Volker Heimel vom Bund für Umwelt und Naturschutz bekommen. „Die nachtaktiven Fledermäuse nutzen elektromagnetische Wellen, um Fluginsekten, ihre Nahrung, zu orten“, schildert Heinz Heitland. Die Zwergfledermaus ist, wie der Name schon sagt, einer der kleinsten Vertreter dieser Säugetiere mit einer Flügelspannweite von bis zu 25 Zentimetern. Die Fransenfledermaus hat feste, wie Fransen wirkende Härchen an der Schwanzflughaut.

Die Lieferzeit für die künstlichen Höhlen beträgt mindestens sechs Monate

Die beiden Arten sind - wie Fledermäuse generell - in ihrem Bestand bedroht und brauchen deshalb jede Menge Unterstützung, um zu überleben. Diese Hilfe wird ihnen jetzt in Form zweier künstlicher Höhlen zuteil, die in Bäume auf dem Hauptfriedhof gehängt werden. Die 450 Euro dafür wurden von der Bezirksvertretung (BV) Brackel bereitgestellt. Heinz Heitland dankt dem Stadtteilparlament für die Finanzspritze und der Friedhofsverwaltung für die gute Kooperation. Die schweren Behälter mit Einbauten aus Faserbeton, an denen sich die fliegenden Säugetiere festkrallen können, sind gar nicht leicht zu bekommen. „Die Lieferzeit beträgt mindestens sechs Monate“, berichtet Uli Heinen, Technikleiter der Friedhöfe Dortmund. Fledermäuse und ihr Schutz seien ein wichtiges Thema in ganz Deutschland, und viele Städte wollten Fledermaushöhlen haben.

Sehr seltene Fledermäuse werden auf dem Hauptfriedhof besonders geschützt

Im Bereich des Teiches im Hauptfriedhofs-Areal sind die meisten der Fluginsekten unterwegs, die den Fledermäusen als Nahrung dienen. © Uwe Brodersen

Was ist der Hintergrund? Was macht den Fledermäusen zu schaffen? „Die alten Gehöfte, in die sie früher hineinfliegen konnten, sind weggefallen“, erklärt Uli Heynen. Heutzutage werde - auch im Zuge der Wärmedämmung - jede Öffnung an Häusern geschlossen. Deshalb seien jetzt diese künstlichen Domizile für die Fledermäuse notwendig. Aufgehängt werden sollen sie in der Nähe des neu eingerichteten Teiches.

Der Hauptfriedhof ist das Einfallstor vieler Tiere in die Großstadt

Wie hoch die Population von Zwerg- und Fransenfledermäusen sei, könne er nicht sagen, so Heinz Heitland. „Denn wir wissen nicht, wo ihre Unterkünfte sind.“ Rückschlüsse auf die Größe des Bestandes würden er und seine Mitstreiter erst ziehen können, wenn sie nach einer gewissen Zeit in die künstlichen Höhlen schauen, um zu sehen, wieviel Nachwuchs die nächtlichen Jäger haben.

Fledermäuse gibt es im Nordosten nach Angaben von Heitland ebenfalls am Lanstroper See sowie in den Naturschutzgebieten „Alte Körne“ und „Buschei“.

Die ehrenamtlichen Naturschützer der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz (Agard) unterhalten auf dem Hauptfriedhof sowie dem jüdischen und Ausländerfriedhof bereits insgesamt 200 Nisthöhlen für Singvögel.

Auch die Friedhofsverwaltung tut etwas für die Umwelt. So bleiben laut Uli Heynen unter anderem derzeit nicht belegte Wiesen ungemäht und werden in Bienenwiesen umgewandelt. Auch Igelhaufen und Insektenhotels würden angelegt. Überhaupt sei der Hauptfriedhof, der zweieinhalb mal so groß wie der Westfalenpark sei, ein Lebensraum für viele Tiere, und er sei auch der Pfad, über den viele von ihnen in die Stadt hineindrängten. So gebe es auf dem Hauptfriedhof auch Füchse und Rehe. Und eben auch Fledermäuse.

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