Seit 40 Jahren tanzt Peter Hühner in derselben Dortmunder Tanzschule

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Vom Tanzschüler zum Tanzlehrer - und alles in derselben Tanzschule. Für Peter Hühner ist sein Beruf auch seine Leidenschaft. Anfangs sah das allerdings ganz anders aus...

Saarlandstraßenviertel

, 21.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Billy Idol singt 1981 seinen Hit „Dancing With Myself“ und beginnt damit seine erfolgreiche Musikkarriere.

Während Billy Idol noch alleine tanzen muss, gibt es in Dortmund einen, der bereits total dem Paartanz verfallen ist. Seit dem 30. Januar 1980 besteht Peter Hühners Leben aus rhythmischen Schritten. Und das ist auch vierzig Jahre später noch so: Für den heute 57-Jährigen ist das Tanzen sein Job. Und seine Passion.

Die Stunde Null

Richtig Lust hat Hühner an diesem Januartag vor vier Jahrzehnten nicht auf seine erste Tanzstunde. Seine Eltern drängen den damals 17-Jährigen dazu, einen Grundkurs bei Renate und Horst Gödde zu besuchen. „Obwohl die selber gar nicht getanzt haben. Das war halt damals so“, so Hühner.

An diese erste Tanzstunde erinnert sich der Dortmunder noch, als ob sie gestern gewesen wäre: „Da waren 17 Jungs an einer Seite des Saals und 40 Mädchen an der anderen.“

Damals wird noch der klassische Paartanz in den Tanzschulen gelehrt - für Teenager in dem Alter vermutlich eine große Überwindung. Doch es schreckt ihn nicht ab, ganz im Gegenteil: Er bleibt am Ball, und Tanzen wird sein Hobby. Die Tanzschule Gödde, die er damals zum ersten Mal betritt, wird sein zweites Zuhause.

Seit 40 Jahren tanzt Peter Hühner in derselben Dortmunder Tanzschule

Peter Hühner ist schon lange bei der Tanzschule Gödde: „Das Bild muss kurz vor oder nach der Tanzlehrer-Prüfung 1985 entstanden sein." © Privat

Hühner besucht die nächsten Jahre weiter Kurse in der Tanzschule Gödde. Außerdem arbeitet er hinter der Theke als Spülhilfe, während der Tanzkurse, um sich etwas dazu zu verdienen. An einem Tag muss er seine Arbeit aber unterbrechen. Tanzlehrerin Renate Gödde will ihrem Kurs einen Tanz vorführen, Hühner soll ihr Partner sein. Die Tanzschritte, die er mit ihr zeigen soll, beherrscht Hühner zu dem Zeitpunkt noch nicht.

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Das ist aber kein Problem für ihn, schnell findet er den Rhythmus und jeder Schritt sitzt. Sein Talent wird ihm in dem Augenblick das erste Mal richtig bewusst. Auch die Göddes erkennen das und bilden ihn ab da zum Tanzlehrer aus.

18 Jahre als Tanzlehrer

1985 macht Peter Hühner seine Prüfung und arbeitet ab sofort auch in der Tanzschule als Lehrer. Sein Hobby wird zum Beruf. In den 80er-Jahren kommt „Dirty Dancing“ in die Kinos - und die Tanzschulen erleben einen regelrechten Boom. Alle wollen wie Jennifer Grey und Patrick Swayze Salsa tanzen lernen. „Die bekannte Hebefigur haben wir aber nicht unterrichtet“, erzählt Hühner verschmitzt. Zu groß das Verletzungsrisiko.

2003 gibt es dann einen Wendepunkt: Die Familie Gödde zieht sich nach über 80 Jahren aus der Tanzschule zurück (1920 hatten die Brüder Gödde aus der ersten Generation die Tanzschule in Dortmund gegründet). Deshalb übernimmt Hühner das Geschäft.

Seit 40 Jahren tanzt Peter Hühner in derselben Dortmunder Tanzschule

Seit 2003 ist Hühner Inhaber der Tanzschule am Südwall. © Robin Albers

In der Zeit gibt es einen erneuten Tanz-Boom, erneut inspiriert durch Filme wie „Save The Last Dance“ oder „Streetstyle“ – dieses Mal ist es Hip-Hop. Für das „ADTV-Tanzstudio-Gödde“, wie es unter Hühner heißt, ist das eine „gute Zeit“: Die Tanzschule unterrichtet viele Gruppen, die auch erfolgreich bei Tanz-Turnieren sind.

Tanzen mit Rollatoren

Mittlerweile hat Hühner aber eine Nische im Tanz-Gewerbe gefunden. Er unterrichtet neben dem „normalen“ Tanz seit rund zehn Jahren Senioren, Demenz-Kranke und Menschen mit Behinderungen. Das sei zwar „anstrengend“, aber 90-jährige Rentner mit ihren Rollatoren oder taubblinde miteinander tanzen zu sehen, gebe ihm viel zurück: „Das sind die kleinen Highlights, die man hat.“

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Das eigentliche Tagesgeschäft mit Kursen läuft zwar noch weiter, auch wenn es nicht mehr so viel in Anspruch genommen wird wie früher. „Dortmund ist halt keine Tanzstadt“, mein Hühner.

Ein Ende ist für Hühner auch nach 40 Jahren noch nicht in Sicht. Zehn Jahre will er mindestens noch weiter unterrichten, besonders den „inklusiven“ Tanz. Vielleicht packt die Dortmunder in der Zeit ja noch mal das Tanzfieber - und sie lassen sich von Hühner ein paar Schritte zeigen.

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