Das neue Paar Trauerschwäne auf dem Teich auf dem Hauptfriedhof © Gaby Kolle
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Seltene Schwäne: Auf dem Hauptfriedhof gibt’s endlich ein neues Liebespaar

Seit dem Tod des Trauerschwans Albert, der seine Runden auf dem Teich des Dortmunder Hauptfriedhofs zog, warten die Friedhofsbesucher auf Nachfolger. Jetzt gibt es eine gute Nachricht.

Es waren die Friedhofsbesucher, die vor fünf Jahren trauerten, als Trauerschwan Albert das Zeitliche gesegnet hat. Albert hat in seinen letzten Jahren auf dem großen Teich des Dortmunder Hauptfriedhofs seine Runden allein gedreht; denn nach dem Tod seiner Partnerin hat der schwarze Vogel alle Schwäninnen weggebissen, die ihm die Friedhofsverwaltung angedient hatte.

Immer wieder fragten Besucher die Friedhofsmitarbeiter, wann denn endlich wieder Trauerschwäne auf den Teich kommen. Doch erst war der Teich leck und musste repariert werden, dann kam die Geflügelpest, und schließlich war es sehr schwer, ein junges Paar Trauerschwäne zu bekommen.

Zwei Jahre habe die Suche gedauert, berichtet Ulrich Heynen, Vize-Chef der städtischen Friedhöfe; denn gezüchtet werden vor allem weiße Schwäne. Auf einem Nebenerwerbs-Bauernhof in Hamm ist Heynen schließlich fündig geworden.

„Stapellauf geglückt“

Am Dienstag (5.10.) – pünktlich zum 100. Jahr des Dortmunder Hauptfriedhofs – wurde das junge Paar zu Wasser gelassen. „Stapellauf geglückt“, meldete Heynen, auch wenn die vier Flugenten auf dem Teich noch den Futternapf gegen die Neulinge verteidigen.

Die beiden Schwäne sind ein halbes Jahr alt. Sie kannten sich schon, sind gemeinsam auf einem kleinen Teich in Hamm geschwommen. Noch haben sie keine Namen – aber Menschen, die sich um sie kümmern.

Diese Aufgabe haben die Friedhofsmitarbeiter Timo Wendel, Marco Zarth und Anna-Sophie Schultz übernommen. Und dazu zählt nicht nur das Füttern. Wenn im Winter wieder mal nachts minus 18 Grad herrschen und der Teich zufriert, weil selbst die kleinen Wasserfälle an der Mauer einfrieren, ist womöglich sogar nächtlicher Wachdienst angesagt; denn der Fuchs holt sich dann schon mal gern einen Braten vom Teich.

Freude bei den Friedhofsbesuchern

Gegen andere Schurken gibt es eine eingezäunte Ecke, in die sich die Schwäne zurückziehen können – und natürlich das rettende Wasser auf dem Teich.

Jetzt stimmt auch wieder das Kinderbuch „Unterwegs auf dem Dortmunder Hauptfriedhof“, das die Friedhöfe Dortmund zum 100-jährigen Bestehen des Hauptfriedhofs in diesem Jahr herausgebracht haben. Darin spielen die schwarzen Schwäne auch eine Rolle.

Die Friedhofsbesucher haben am Dienstag die neuen Trauerschwäne mit Freude bemerkt. Zahlreiche Zaungäste verfolgten das Schauspiel von der Teichmauer. „Das ist wunderbar, dass der Teich wieder mit Leben gefüllt ist und dass das Geschenk der Trauerschwäne zum 100. Friedhofs-Geburtstag in Erfüllung gegangen ist“, sagt Michael Raffenberg, freiberuflicher Organist, der oft Trauerfeiern musikalisch begleitet.

Auch Vera Kogge ist häufig auf dem Hauptfriedhof und schaut auf den Teich. „Ich stehe hier immer“, sagt die Witwe, „ich habe mir immer die vier Enten angeguckt und finde es schön, dass die Schwäne jetzt auch hier sind.“

Wer weiß: Wenn die beiden schwarzen Vögel sich so gut vertragen, schwimmen vielleicht schon nächstes Frühjahr vier oder mehr Trauerschwäne über den Teich…

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle