Katharina Hallpape verlässt sich auf die Seniorinnen am Backofen. Das Konzept wird gelebt im Cafe "Omi backt" im Bochumer Ehrenfeld. © Nils Hofmann
Über den Tellerrand

Seniorinnen spielen große Kompetenzen aus: Omi backt in Bochum

Omi backt. Ein kurzer Satz, der bei vielen Menschen Freude auslöst. „Omi backt“ ist in Bochum nicht mehr nur ein familiärer Vorgang, sondern ein Name zu einem konkreten und beliebten Ort.

Katharina Hallepape und „ihre“ Omis machen in Bochum-Ehrenfeld glücklich. Ein schnuckeliges Café und wahr gewordener Traum. Dazu ein kleiner historischer Exkurs: Erst im 18. Jahrhundert übernahmen Köchinnen und Köche das Wort „Rezept“ von den Apothekern, um Kochvorschriften zu fixieren. Damals grassierende Kochbücher verlangten nach größtmöglicher Genauigkeit und Stimmigkeit. Aus Tendenz wurde Vorschrift. Aber ist es nicht eine weitverbreitete Beobachtung, dass der Kuchen von den eigenen Omas weitaus besser schmeckt als Kuchen, die nach Rezepten gebacken sind, die „nach Großmutters Art“ heißen?

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In unserer Serie „Über den Tellerrand“ stellen wir kulinarische Adressen vor, für die es sich lohnt, einige Kilometer zurückzulegen.

Aus diesem landläufig bekannten Phänomen wurde in Bochum vor zwei Jahren eine Marke. „Omi backt“, das verspricht eine Qualität, die eigentlich eben gar nicht zu kaufen ist. Und in Hallepapes Café wird diese Utopie Wirklichkeit. Tatsächlich sieht der Gast und der Kunde, dass echte Omis in der Küche stehen und backen.

Das Fenster zur Straße wird zur Back-Bühne

Das Backen hier ist allerdings nicht nur ein Job zur Aufstockung der Rente. Vielmehr bekommt es zudem eine soziale Funktion. Es macht Spaß, ermöglicht Teilhabe am Leben, lässt die Seniorinnen spüren, dass sie gebraucht werden. Sie bekommen Komplimente, genießen den Erfolg, bangen mit neuen Kreationen, sind im Austausch mit der jüngeren Generation, etwa den Aushilfen des Cafés. Für die Bäckerinnen ist die Küche mit dem Fenster zur Straße eine Showbühne: „Manche gucken gerne länger zu!“, lachen sie.

Der Cafébereich von „Omi backt“ zitiert klassische Gemütlichkeit. © Nils Hofmann © Nils Hofmann

Katharina Hallepape führt das Konzept seit Mitte 2020. Ende 2019 hatten Arndt Klomfass und Uli Köllner die Idee und haben das Café eröffnet. Sie boten es, da für sie zu zeitaufwändig, dann „Katha“ an, die hier schon mitgeholfen hatte.

Auch herzhafte Snacks und Bistro-Food

Im Café gibt es nicht nur die Kuchen. Auch herzhafte Snacks zum Mittag, die Seniorinnen sind nicht eindimensional begabt. Sie können Eintopf, Suppe, Quiche, Tarte, Zwiebelkuchen (nach Oma Rosi) als Bistro-Food und im süßen Bereich. Gerade um die Weihnachtszeit herum (und im Lockdown-To-Go-Business), Plätzchen, hausgemachte gebrannte Mandeln und Kekse. Doch im Fokus der Gäste, die jetzt langsam wieder gerne dem io-Kaffee aus der neu installierten Maschine zusprechen, stehen Kuchen.

Weihnachtskekse bei „Omi backt“ © Nils Hofmann © Nils Hofmann

Renner sind die Klassiker, der Apfelkuchen, der Streuselkuchen, der Schokokuchen. Kreiert werden Herrlichkeiten wie Frischkäse-Torte mit Himbeercreme, Zitronen-Philadelphia-Torte, Karottenkuchen, Kirsch-Bananen-Toffees, veganen Apfel-Knusperkuchen, Minz-Joghurt-Schnitten mit Mango, glutenfreien Schoko-Apfel-Nuss-Tarte, vegane Erdbeer-Walnuss- und Banane-Walnuss-Brownies und, und, und, die Liste ist schier endlos, denn die Erfahrung ist gigantisch.

www.omibackt.de

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