Sexueller Missbrauch an Kindern: Zahlen in Dortmund explodieren

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Nach den Missbrauchsfällen von Lügde wirft die Polizei besonderes Augenmerk auf den Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch. Die Fallzahlen sind in Dortmund auffällig gestiegen.

Dortmund

, 05.09.2019, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

NRW-Innenminister Herbert Reul hat unter anderem als Reaktion auf die massenhaften Missbrauchsfälle von Lügde „das Wohl unserer Kinder zu einem kriminalstrategischen und kriminalpolitischen Schwerpunkt gemacht“, wie die Dortmunder Polizei mitteilt. Folge: Die zuständige Abteilung wurde nun aufgestockt. Und es gibt viel zu tun:

97 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern hat die Polizei im vergangenen Jahr in Dortmund aufgenommen. Das sind 29 mehr als im Jahr zuvor und fast doppelt so viele wie noch im Jahr 2015. 83,5 Prozent dieser Fälle konnten im vergangenen Jahr aufgeklärt werden. „Eine Aufklärungsquote von über 80 Prozent ist immer gut“, meint Polizeisprecher Oliver Peiler.

„Wir haben heute eine deutlich höhere Sensibilisierung“

Zu möglichen Gründen für die Beinah-Verdopplung der Fallzahlen möchte die Polizei keine Vermutungen anstellen. Aber Ursula Nutt-Pohl vom Kinderschutzzentrum Dortmund meint: „Auf vielen Ebenen haben wir heute eine deutlich höhere Sensibilisierung.“

Sie geht davon aus, dass deutlich mehr Fälle angezeigt werden, die früher verborgen blieben. Zwar gebe es immer noch ein großes Dunkelfeld bei diesem Thema: „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Nachbarn und andere Angehörige sollten sich unbedingt frühzeitig bei der Polizei oder bei Beratungsstellen melden, wenn ihnen zum Beispiel etwas in einer Familie merkwürdig vorkommt. „Ich verspreche mir, dass immer mehr Leute auch als Außenstehende wachsamer sind“, sagt die Diplom-Pädagogin.

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Bei den Straftaten bezüglich Kinderpornografie liegen die Fallzahlen über Jahre auf einem ziemlich konstanten Niveau. 44 Mal wurde im vergangenen Jahr wegen Besitzes, Anschaffung oder Verbreitung von Kinderpornos ermittelt. Der Tiefstwert der letzten fünf Jahre liegt bei 40, das Maximum bei 48.

Unter den sexuellen Missbrauch von Kindern fallen Taten von aktiver körperlicher Misshandlung bis zu dem Fall, wenn ein Paar miteinander sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt.

Die Ermittlungen sind oftmals äußerst umfangreich, vor allem im Bereich der Kinderpornografie. Riesige Datenmengen müssen gesichtet werden, um einzuschätzen, welche Inhalte auf Datenträgern zum Beispiel strafbar sind. „Dafür mussten zuletzt häufig woanders Kräfte abgezogen werden, die Arbeit war mit vielen Überstunden verbunden“, so Oliver Peiler.

Verdächtige Daten werden auch von einer externen Firma gesichtet

Um die Sachbearbeitung jetzt schneller und effizienter zu machen, setzt die Dortmunder Polizei weitere Mitarbeiter fest in dem zuständigen Kommissariat ein, unter anderem auch IT-Fachkräfte. „Eine erhebliche personelle Verstärkung“ gebe es - wie viele Mitarbeiter dort tätig sind, wird allerdings auch auf Anfrage nicht verraten. Außerdem können Datenmengen zur Auswertung jetzt auch an eine externe Firma gegeben werden.

Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange sagt: „Zum Schutz der betroffenen Kinder wollen wir noch schneller und effizienter gegen die Urheber und Verteiler von kinderpornografischem Material vorgehen. Mit unserem Maßnahmenkonzept sind wir dabei auf einem sehr guten Weg.“

Im ostwestfälischen Lügde wird zwei Männern in Hunderten Fällen sexueller Missbrauch von Kindern und der Besitz von Kinderpornografie zur Last gelegt. Am Donnerstag sind sie zu 12 und 13 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.
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