Sieraus Worte waren falsch – für diese Erkenntnis braucht man den Rat nicht

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Dem Oberbürgermeister entgleisen die Worte. Die oft genug mit harten Worten kommunizierende AfD feiert sich dafür, dass sie die Kommunikation rettet. Ein unwürdiges Schauspiel, meint unser Autor.

Dortmund

, 16.07.2020, 19:40 Uhr / Lesedauer: 1 min

Eine Sondersitzung des Stadtrates, wie sie am 12. August bevorsteht, hat es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Dass sie die Entgleisung eines Oberbürgermeisters zum Thema haben, ist ein Novum.

Die diffuse „Wir-wissen-wo-ihr-wohnt“-Ansage von Ullrich Sierau erweist sich als Bärendienst an vielen Menschen, die sich in der Stadt für eine respektvolle demokratische Kultur einsetzen. Sierau zählt selbst zu diesen Menschen.

Die Kritik an seinen Aussagen hätte aus allen Parteien sicherlich lauter sein können, auch aus der eigenen. So machen es die unpassenden Worte denjenigen zu einfach, die sonst oft selbst gegen etablierte Regeln der Demokratie wettern.

Um dem OB einen Fehler nachzuweisen, braucht es keine Ratssitzung

Natürlich gilt auch für einen Oberbürgermeister das Recht auf freie Meinungsäußerung. Er hat aber in seinem Amt auch die Pflicht, die Wirkung seiner Aussagen bewusster abzuwägen als andere. Es ist ein Fehler, dass dies nicht passiert ist. Um das festzustellen, braucht es aber keine Ratssitzung.

Es ist ein Schauspiel, das einem einfachen Drehbuch folgt. Die AfD präsentiert sich als Retter der Kommunikation. Und lenkt damit davon ab, dass sie mit verantwortlich ist, dass der Ton in der Politik verroht. Mit dieser Strategie werden sich auch der nächste OB und der nächste Rat auseinandersetzen müssen. Sie müssen klüger damit umgehen.

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