Signal Iduna will digitaler und schlanker in die Zukunft

Dortmunder Versicherer

Ein "sehr solides Ergebnis" - das ist das Fazit des Vorstandsvorsitzenden der Signal Iduna-Gruppe, Ulrich Leitermann, zum Geschäftsjahr 2016 des Dortmunder Versicherers. Um die Erträge weiter zu steigern will der Versicherer in Digitalisierung investieren - und weiter Stellen abbauen.

DORTMUND

, 07.06.2017, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Signal Iduna will digitaler und schlanker in die Zukunft

Am Hauptsitz am Westfalenpark verkündete Versicherer Signal Iduna ein „sehr solides Ergebnis“ für 2016 und stärkere Investitionen in die Digitalisierung.

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna-Gruppe, sprach von einem „sehr soliden Ergebnis.“ Im Geschäftsjahr 2016 hat der Versicherer mit Sitz in Dortmund und Hamburg seinen konsolidierten Jahresüberschuss auf 97 Millionen Euro gesteigert (Vorjahr: 93,2 Millionen Euro). Massive Investitionen in die Digitalisierung und die Entwicklung neuer Produkte sollen helfen, Geschäfte und Erträge weiter zu steigern.

Kritik an neuer Betriebsrente

Mit scharfer Kritik bedachte Leitermann während einer Bilanzpressekonferenz in der Hauptverwaltung am Westfalenpark am Mittwoch die Neuregelung der Betriebsrente. Wie hoch sie am Ende für den Arbeitnehmer ausfällt, hängt künftig von der Entwicklung am Geldmarkt ab. Eine Garantierente gibt es nicht mehr. Genau damit aber haben Versicherer Geschäfte gemacht.

Die Folge der Neuregelung sei, dass ein Mitarbeiter in einem Betrieb nicht mehr abschätzen könne, welche Höhe seine Betriebsrente später haben werde, sagte Leitermann. „Das ist ein Skandal.“

Auch die Niedrigzins-Phase, die nach Einschätzung von Leitermann „noch bis Mitte des nächsten Jahrzehnts“ dauern werde, sei eine Belastung für Versicherer und Kunden. Leitermann warf der Bundesregierung vor, „gar kein Interesse“ an höheren Zinsen zu haben. Denn: Je billiger die Kreditaufnahme, desto größer die Ersparnis im Staatshaushalt. Das alles werde auf dem Rücken der Menschen ausgetragen, die privat Vorsorge betrieben. „Es ist beschämend, wie die Regierung damit umgeht“, fand der Vorstandschef von Signal Iduna deutliche Worte. Einmal mehr warnte er davor, das Thema „Bürgerversicherung“ in den Wahlkampf zu tragen. „Das ist reine Ideologie“.

Stellen werden abgebaut

Mit seinem 2014 eingeleiteten Programm will der Konzern bis Ende 2017 bundesweit rund 1400 Stellen abgebaut haben. Damit sollen die Kosten ab 2018 um 140 Millionen Euro pro Jahr sinken. Ende 2016 waren insgesamt 11.300 Mitarbeiter bei der Gruppe beschäftigt, 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auf der anderen Seite hat der Versicherer begonnen, sich in Sachen Digitalisierung neu aufzustellen. „50 bis 100 Millionen Euro“ (Leitermann) will Signal Iduna innerhalb von fünf Jahren in den Aufbau neuer IT-Systeme und in Beteiligungen an Start-ups investieren, wie etwa an der digitalen Versicherungs-Plattform „Element“. Parallel wird intern ein „Innovations-Mangement“ aufgebaut, das helfen soll, Kunden über Apps oder Internetportalen neue, ergänzende Serviceleistungen zu bieten. Was freilich nicht bedeuten soll, dass Kundenkontakte in Zukunft nur noch digital ablaufen. Wenn ein Kunde persönliche Beratung wünsche, bekomme er sie auch, so Leitermann.

Signal Iduna verwaltet 68 Milliarden Euro

Das Gesamtergebnis der Gruppe ist im Geschäftsjahr 2016 um 2,2 Prozent von 690 Millionen Euro auf 704,9 Millionen Euro (vor Steuern) gestiegen. Bei den verwalteten Vermögensanlagen verzeichnet der Konzern ein Plus von 4,5 Prozent auf 67,8 Milliarden Euro. (Vorjahr: 64,9 Milliarden Euro).

Insgesamt hat Signal Iduna Beiträge in Höhe von 5,58 Milliarden Euro eingenommen, rund 3 Prozent weniger als im Vorjahr (5,60 Milliarden Euro). Die Ausgaben für Versicherungsfälle sind um zwei Prozent gesunken, von 4,88 auf 4,78 Milliarden Euro. Das Eigenkapital des Konzerns beträgt 1,8 Milliarden Euro.

Rund 2,5 Millionen Menschen sind bei der Gruppe krankenversichert. Darunter befinden sich 610.000 Vollversicherte, die anstelle einer gesetzlichen Krankenversicherung über eine private verfügen. Im Geschäftsjahr 2016 konnten nach Angaben der Gruppe knapp 3000 neue, vollversicherte Kunden gewonnen werden. Gleichzeitig seien dem Markt insgesamt 17.000 vollversicherte Kunden verloren gegangen. Die Einnahmen aus Krankenversicherungsbeiträgen der Signal Iduna Gruppe sind von 2,72 Milliarden Euro auf 2,69 Milliarden Euro gesunken.

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