Neben Sex und Liebe suchen Männer mit Ende 20 häufig auch eine Frau, die ein bisschen wie Mutti ist. Diese Erfahrung hat zumindest Anna (29) gemacht (Symbolbild). © Hannah Busing/Unsplash
Single-Leben

Single mit Ende 20: „Viele Männer suchen eine Mutti, keine Freundin“

Anna (29) ist seit einigen Monaten wieder Single. Schnell hat sie festgestellt, dass viele Single-Männer neben Sex und Liebe noch viel mehr suchen - beispielsweise Haushaltstipps.

Vor rund einem Jahr stürzte sich Anna zurück ins Dating-Leben. Da kam sie gerade aus einer langen Beziehung und begann langsam, das Leben als Single – und das Dating – wieder wertzuschätzen.

„Das war richtig aufregend“, berichtet Anna rückblickend. „Weil man sich ja in einer Beziehung so an eine Person, an einen Körper gewöhnt hat, dass ich mir wieder vorkam wie mit 18 und gar nicht mehr wusste, was man bei einem Date so macht.“

Anna ist 29 Jahre alt und arbeitet an einer Universität. Im Winter 2020, mitten im nicht enden wollenden Lockdown, trennte sich ihr Freund, mit dem sie fünf Jahre zusammen war, von ihr.

Die erste Zeit nach der Trennung war hart, berichtet sie. „Da ging gar nichts.“ Aber nach einigen Wochen traute sie sich wieder, sich zu verabreden – per Dating-App, Corona ließ zu dem Zeitpunkt nichts anderes zu.

„Ich weiß, was ich will und was ich nicht will“

Da merkte sie, dass das Dating mit Ende 20 auch Vorteile hat: „Weil man viel selbstsicherer ist. Ich weiß viel mehr, was ich will und was ich nicht will.“

Rund 15 Dates hatte sie seitdem, mit ganz unterschiedlichen Männern – die sie via Dating-App kennengelernt hat. Und bei diesen Dates hat sie auch gelernt, was dort offenbar viele Männer in ihrem Alter wollen: „Ich hab das Gefühl, dass viele Typen einfach eine Mutti suchen.“

Die fragten sie dann beim ersten Date nach Haushaltstipps, wollten ihren Rat, wie sie ihre Wohnung einrichten könnten oder berichteten ausführlich über ihre persönlichen Probleme mit Familie, Freunden, psychischen Krankheiten.

Ein Mann, der sie mal in ihrer Wohnung besucht habe, sei völlig überrascht gewesen, wie gut Kaffee aus einer Espresso-Maschine schmeckt – zu Hause habe er sich bisher nur Instant-Kaffee machen können. „Der hat das gesehen und war so ‚Krass, man kann ja auch selbst Kaffee machen, der schmeckt‘“, erzählt Anna.

„Wenn ich das machen würde, würden sie wegrennen.“

„Und ich bin ja nicht deren Mutter. Ich möchte ihnen keine Haushaltstipps geben. Ich will mit meiner Wohnung auch keine Inspiration sein – ich bin ja nicht Tine Wittler.“

Ihr selbst würde es gar nicht in den Sinn kommen, jemanden, den sie auf zwei Dates getroffen habe, wie einen festen Freund zu behandeln, der ihre emotionale Stütze ist. „Aber wenn ich das machen würde, würden sie wahrscheinlich auch wegrennen.“

Anders sehen das offenbar viele der Männer, die sie in den letzten Monaten gedatet hat. Schon nach kurzer Zeit begannen sie, ihr ihr Herz auszuschütten. „Da denke ich mir dann: Wir haben uns erst zweimal gesehen, da geht es doch nicht darum, was deine großen Unsicherheiten sind. Oder auch deine Familienprobleme sind kein Thema für die ersten Dates.“

„Über solche Themen redet man, wenn man in einer festen Beziehung ist“, findet Anna. „In der man Verantwortung füreinander übernimmt.“ Aber das wollten die meisten Männer dann auch nicht. „Die wollen eine Freundschaft Plus, in der die Frau komplett die Freundinnen-Rolle übernimmt und emotional super viel trägt, aber selbst keinerlei Verantwortung übernehmen.“

Eine Freundin einerseits, alle Freiheiten andererseits

Die suchten dann eine Frau, die eigentlich eine feste Freundin ist, aber würden selbst nicht die Anstrengung reinstecken wollen, die man in einer Beziehung eben reinstecken müsse.

„Es ist ja auch voll in Ordnung, keinen Bock auf eine Beziehung zu haben – habe ich ja auch gerade nicht. Aber dann verlange ich auch nicht von den Leuten, die ich treffe, dass sie sich wie ein fester Partner verhalten“, erklärt sie genervt.

„Aber die wollen eben eine Frau haben, die wie eine Freundin ist, während sie selbst aber noch alle Freiheiten haben.“

Inzwischen hat sie einen Mann kennengelernt, der nicht von ihr verlangt, ihn von vorne bis hinten zu betüddeln. Woran sie gemerkt hat, dass er tatsächlich eine lockere Affäre und keine Mischung aus Mutter, Freundin und Therapeutin sucht? „Er hat mich am Anfang behandelt wie die Fremde, die ich für ihn war.“ Kein Herzausschütten, keine Haushaltsfragen, keine Lebenstipps.

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Über die Autorin
Redakteurin
In Lippstadt aufgewachsen, zum Studieren nach Hessen ausgeflogen, seit 2018 zurück in der (erweiterten) Heimat bei den Ruhr Nachrichten.
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