In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

Singles in Dortmund: Es liegen tolle Zeiten vor uns!

Der harte Corona-Lockdown hat Singles schwer getroffen. Jetzt scheint es langsam wieder bergauf zu gehen und die Vorfreude steigt. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Bei der zweiten Tasse Kaffee habe ich neulich früh Zeitung gelesen. In der Regel schaffe ich es morgens nur, die Artikel kurz zu überfliegen, weil ich oft zu spät dran und auch noch nicht wirklich aufnahmefähig bin. Eine Nachricht hat aber an diesem Tag schlagartig alle meine Lebensgeister geweckt.

Das Leben nimmt langsam wieder seinen Lauf

Die Schlagzeile „Inzidenz in Dortmund stabil unter 100: Diese Lockerungen gelten ab sofort“ war der Grund für meinen veränderten Geisteszustand. Es scheint wieder bergauf zu gehen. Seit Wochen warte ich auf die Nachricht, die mein Leben wieder in die richtige Richtung lenkt. Jetzt war sie endlich da.

In dem Moment, als ich die Meldung las, gingen mir all die schönen Dinge durch den Kopf, die jetzt wieder möglich sein werden: Mich mit Freunden auf eine Flasche Bier am Alten Markt verabreden, nach einem anstrengenden Arbeitstag ein Eis in meiner Lieblingseisdiele essen – und Daten ohne Bedenken. Wie sehr ich all das in den vergangenen Monaten vermisst habe.

Parallel zu meiner Vorfreude auf die kommende Zeit habe ich aber auch Angst. Angst, dass meine Freude mit steigender Inzidenz wieder zunichtegemacht wird und alles wieder von vorne losgeht.

Corona hat auch Singles an ihre Grenzen gebracht

Es wäre eine Lüge, wenn ich behaupten würde, dass der ewig andauernde Corona-Lockdown mir leicht fallen würde. Er ist eine große Last und hat schon häufig meine Grenzen ausgetestet.

Es wird viel darüber gesprochen, wie hart diese Zeit für Familien ist. Alleinstehende werden in der Diskussion aber oft außen vor gelassen. Sicherlich haben Familien und Paare es momentan nicht leicht. Während sie sich aber zumindest gemeinsam beschäftigen können, fällt für Singles auch dieses Miteinander weg.

Zu Beginn des harten Lockdowns habe ich die Zeit sogar noch genossen, weil ich mich mal wieder ganz auf mich selbst konzentrieren konnte. Mit langen Spaziergängen und Serienmarathons habe ich die Zeit alleine auch gut herumgekriegt.

Doch nach einer gewissen Zeit wurde mein Alltag immer eintöniger und langweiliger. Da habe ich das erste Mal zu spüren bekommen, was die Redensart „Die Decke fällt mir auf den Kopf“ wirklich bedeutet.

Plötzlich gab es kaum noch Vorteile des Single-Daseins

Die positiven Seiten des Single-Daseins wurden im Laufe der Pandemie immer weniger: Im Gegensatz zu früher hatte ich kaum noch Dates. Theoretisch hätte ich den Regelungen zufolge zwar welche haben können, aber das Risiko, mich mit Corona zu infizieren, nur um eine Fremde Person treffen zu können, war mir zu hoch.

Auch meine geliebten Single-Freiheiten hatte ich in der Pandemie nicht mehr. Mir hat es sonst immer besonders gefallen, dass ich tun und lassen konnte, was auch immer ich wollte – kein Partner, der mir irgendwas vorschreiben konnte. Plötzlich konnte ich mich auch ohne Partner nicht mehr spontan dazu entscheiden, Samstagabend in einem Club feiern zu gehen.

Vor der Krise habe ich mich nie alleine gefühlt. Dazu hatte ich auch gar keine Zeit. Ich war immer unterwegs und fast immer unter Menschen. Auch das hat sich durch die Pandemie schlagartig verändert. Statt mit abwechslungsreichen Verabredungen verbrachte ich die Abende alleine auf dem Sofa.

Mit all dem möchte ich sagen, dass auch Singles in der Pandemie einige Hürden auf sich nehmen mussten. Für Hürden benötigt man Ausdauer und auch mal einen zweiten Anlauf. Es ist also keine Schande, wenn die vergangenen Monate einen auch mal zum Verzweifeln gebracht haben. Dafür muss sich niemand schämen, das ist ganz normal.

„Es ist keine Schande, wenn die vergangenen Monate einen auch mal zum Verzweifeln gebracht haben.“

Es liegen tolle Zeiten vor uns

Zumindest scheint es momentan so, als hätten wir das Schlimmste hinter uns gebracht. Es geht wieder aufwärts. Die Inzidenz sinkt weiter und der harte Lockdown verbunden mit der Notbremse liegt weitestgehend hinter uns.

Wir können stolz auf uns sein, dass wir uns jeden Tag aufs neue aufgerappelt haben – Auch wenn uns danach manchmal vielleicht gar nicht zumute war und wir die Bettdecke lieber weit über unseren Kopf gezogen hätten.

Schon bald können wir wieder alle Vorteile des Single-Daseins in vollen Zügen genießen – und das noch intensiver als früher!

Es liegen tolle Partys vor uns, wo wir den ein oder anderen Schluck zu viel trinken und es am nächsten Morgen bereuen. Wir uns wieder mit Freunden treffen können, auch drinnen und nicht nur zum Spazieren.

Wir unsere Eltern sehen können, ohne Angst haben zu müssen, sie anzustecken. Wir wieder Sport machen können, um den stressigen Alltag eine Zeit lang zu vergessen. Wir wieder aufregende Dates haben können, ganz ohne Risiko.

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Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster