Sitzenbleiben wegen „Fridays for Future“? - Kritik von Dortmunder Klima-Aktivisten

rnFridays for Future

Können Schüler wegen Fehlstunden sitzen bleiben, wenn sie für das Klima demonstrieren? Laut Berliner Schulgesetz schon. Das sah auch ein Berliner Schulleiter so. Aus Dortmund kommt Kritik.

Dortmund Berlin

, 14.06.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachricht, 13 Schülern des Berliner Lessing-Gymnasiums drohe das Sitzenbleiben, weil sie zu häufig für „Fridays for Future“ in Schule fehlen würden, sorgt auch bei den jungen Klimaaktivisten aus Dortmund für Aufmerksamkeit.

„Das ist ein absolutes No Go“, sagt Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern Dortmund, Mitglied im Schulausschuss der Stadt Dortmund und bei Parents for Future dazu auf Nachfrage.

Unverständnis und Kritik aus Dortmund

Zuerst berichteten die Berliner Morgenpost und Bild darüber. Auch in Dortmund seien die Berichte bekannt und bei Eltern und Schülern gleichermaßen auf Unverständnis gestoßen, sagt Anke Staar. Vergleichbare Vorgänge in Dortmunder Schulen seien ihr und auch Luca Viert von Fridays for Future bisher nicht bekannt.

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Im Gegenteil: „Wir haben viel Solidarität von den Schulen gespürt“, sagt Viert. Das Thema werde im Unterricht aufgegriffen und Lehrer legten die Teilnahme zum Teil dann als Exkursionen an, ergänzt Staar. Auch gingen nicht immer dieselben Schüler zu den Demos.

Schülerstreik startet nach der vierten Stunde

Außerdem fehlten die Klimademonstranten in Dortmund nicht den ganzen Freitag, sondern erst nach der vierten Stunde. Zur Regelung in Nordrhein-Westfalen sagt Staar: „Ein Schüler muss 30 Prozent des ganzen Schuljahres mitbekommen, um benotet und versetzt zu werden.“

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Ohne Weiteres sei die Gefährdung der Versetzung rein durch Fehlzeiten also gar nicht möglich. Die Regel gelte allerdings pro Unterrichtsfach. Das heißt: Findet der Unterricht eines einzelnen Fachs nur Freitags statt, kann es – in der Theorie – also problematisch werden.

Dagegen könnten Schüler gegebenenfalls Widerspruch einlegen oder vor den Petitionsausschuss des Landes ziehen.

Schulministerium: Es kommt auf die Umstände an

Das NRW-Schulministerium formuliert es auf Nachfrage unserer Redaktion noch allgemeiner. Es komme auf die Umstände des Einzelfalls an. Grundsätzlich seien Schüler verpflichtet, am Unterricht teilzunehmen und die geforderten Leistungen zu erbringen.

Leistungsverweigerung oder Leistungen, die aus Gründen nicht bewertet werden können, die der Schüler zu vertreten habe (z.B. unentschuldigte Fehlstunden), führten zur Note ungenügend. Und die wirkt sich gegebenenfalls auf Versetzung und Abschlüsse aus.

Entwarnung für Schüler des Lessing Gymnasiums

Am 6. Juni gab es übrigens Entwarnung vom Lessing-Gymnasium aus Berlin. Auf der Homepage der Schule heißt es „Niemand ist wegen der Teilnahme an Fridays for Future nicht versetzt worden.“

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