So funktioniert Flaschensammeln 2.0

Getestet

Dieses Geld liegt auf der Straße, in Mülleimern oder tütenweise in Abstellkammern und Büroküchen: Für viele Menschen ist das Flaschenpfand anderer eine Einnahmequelle. Einige Dortmunder sammeln ihre Flaschen neuerdings übers Internet - wir haben den Service getestet.

DORTMUND

von Von Felix Guth

, 16.04.2012, 11:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
André Jung und seine Freundin Jennifer Kanke nutzen das Portal "pfandgeben.de", um mit Pfandflaschen ihr Einkommen aufzubessern.

André Jung und seine Freundin Jennifer Kanke nutzen das Portal "pfandgeben.de", um mit Pfandflaschen ihr Einkommen aufzubessern.

 „Michel“ ist ein paar Minuten früher da als verabredet. Eigentlich heißt er André Jung, gepflegtes Äußeres, die Haare akkurat frisiert, eine dunkle Jacke, Kettchen am Arm und Ring am Finger. Er hat Freundin Jenny Kanke mitgebracht, vor der Tür parkt ein geliehener Einkaufswagen. „Das war unser erster Anruf“, sagt er. Die beiden sind neu in diesem Geschäft, das sie tatsächlich als solches empfinden. Sie leben seit fünf Monaten zusammen in der Nordstadt, „mit Hund und Hase“, beide beziehen Hartz IV.

 „Michel“ ist „in Dortmund auf der Straße aufgewachsen“, wie er erzählt. Mit 22 will er einiges nachholen: Momentan macht er seinen Hauptschulabschluss, der Realschul-Abschluss soll folgen, danach will er eine Ausbildung beginnen. Jenny fängt bald an zu studieren. „Im Moment fehlen uns 200 Euro, die wir für das Notwendigste brauchen“, sagt „Michel“.Diese Lücke mit dem Sammeln von Flaschen zu stopfen, habe Überwindung gekostet. „Wir tun ja etwas dafür“, meint Jenny. „Klar fragt man sich zwischendurch, was die Leute von einem denken“, sagt ihr Freund. „Aber wenn Geld auf dem Boden liegt, hebe ich es ja auch auf.“ Der Lohn für ihren ersten Auftrag liegt im Einkaufswagen, die Büro-Ausbeute stimmt das Pärchen sichtlich zufrieden. Und die Redaktion ist ihr Pfand los.

 Neun Monate nach dem Start des nicht-kommerziellen Portals aus Berlin gibt es Dortmund bereits Pfandsammler-Nummern in der Nordstadt, Aplerbeck („Wolki“), Marten („Rabaucke“, „Ist-es-kostenlos“), Brackel („HeinzDO“) und Huckarde („Pommespanzer“) – Tendenz steigend

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