So gehen Enkeltrick-Betrüger vor

Originalmitschnitt

100 Enkeltrick-Versuche sind im Jahr 2014 in Dortmund bekanntgeworden. Allein im Juni 2015 waren es aber 33 Fälle. Auch wenn die Täter meist scheitern, weil die Opfer die böse Absicht erkennen - mit nur einem erfolgreichen Versuch erzielen die Betrüger sehr viel Geld. Wie sie vorgehen, zeigt der Originalmitschnitt eines Telefonats.

DORTMUND

, 30.07.2015, 12:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
So gehen Enkeltrick-Betrüger vor

Täter geben sich am Telefon als Verwandte aus, die dringend Geld benötigen.

Welche Zahlen sind der Polizei zur Höhe der Beute bekannt?

Aktuell liegt der durchschnittliche Beute-Betrag bei 11.500 Euro. Werte wie 80.000 Euro im Januar 2015 und 200.000 Euro im Juni 2015 in Dortmund sind Ausreißer nach oben.

Wie und wo arbeiten die Täter bei der Suche nach Opfern?

Sie teilen sich die Arbeit auf: Die "Büroarbeiter" durchforsten Telefonbücher und suchen nach älteren deutschen Vornamen wie Hedwig, Irmgard, Reinhild, Edeltraud und so weiter. In Kombination mit einem Straßennamen kommen sie zu dem Schluss, dass dort eine alleinstehende Dame wohnt.

Der erste Test-Anruf erfolgt meist aus dem Ausland. Ist das Gespräch vielversprechend und gelingt die Absprache für eine Geldübergabe, kommt der "Straßenarbeiter" zum Einsatz – der Kurier holt das Geld ab. Vor der Geldübergabe sichern sich die Täter mit weiteren Anrufen ab – ein Besetztton könnte ein Anruf bei der Polizei sein.

Was weiß die Polizei über das Geschick der Täter?

Sie sind rhetorisch geschickt und wissen genau, wie sie Demenz, Einsamkeit, Schwerhörigkeit, Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft ihrer Opfer ausnutzen und welche Fragen sie stellen müssen, um ans Geld zu kommen. Kriminalhauptkommissar Markus Schettke berichtet, dass sie eine Notlage vortäuschen und beim Anrufer erst die Höhe der zu erwartenden Beute abklären – bei unter 3000 Euro machen sie erst gar nicht weiter. Haben sie Aussicht auf hohe Euro-Beträge, setzen sie die Opfer unter großen Zeitdruck. Müssen die Senioren das Geld von der Bank abholen, beobachten die Täter sie.

Welche Fragen stellen die Täter, was sagen sie?

Zum Beispiel "Rate mal, wer hier ist" oder "Erkennst du meine Stimme nicht?". So wollen sie an Informationen kommen, mit denen sie weiterarbeiten können.

Was geschieht mit der Beute?

In 90 von 100 aufgeklärten Fällen führten die Spuren von den Tatorten im Ruhrgebiet nach Polen. Dort sitzen die Hintermänner, meist auch die Anrufer. Sie nutzen die schlechte Gesprächsqualität, um damit beim Trick am Telefon die Verfremdung der Stimme eines Enkels oder Neffen begründen zu können. Die Anrufer und die Kuriere sprechen allerdings perfekt Deutsch.

Wie sieht ein typischer Enkeltrick aus?

Dieses Beispiel beschreibt die Legendenbildung ganz gut: Ein Enkel oder Neffe gibt bei einem Anruf vor, vor wenigen Minuten in London einen schweren Unfall verursacht zu haben. Ohne Zahlung einer Kaution an die Polizei müsse er sofort ins Gefängnis. Ein Freund hole das Geld für eine schnelle Überweisung ab ...

Wie können sich Senioren schützen?

Indem sie am Telefon keine Details über familiäre und finanzielle Verhältnisse preisgeben. Keine Geldübergabe oder Überweisungen an Fremde. Verzicht auf Telefonbucheinträge. Bei Anruf eines Unbekannten: Sofort an den Enkeltrick denken. Bei Verdacht: auflegen, den Notruf 110 wählen. 

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