So geht das mit der Rettungsgasse

Feuerwehrsprecher im Interview

Die Straßenverkehrsordnung schreibt Autofahrern jetzt noch genauer vor, dass sie eine Rettungsgasse bilden müssen. Denn im Alltag schaffen es Auto- und LKW-Fahrer nicht, den Rettern eine zügige Durchfahrt zu ermöglichen. Das kann fatale Folgen haben. Darüber haben wir mit der Dortmunder Feuerwehr gesprochen.

DORTMUND

, 20.12.2016, 01:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem 14. Dezember 2016 formuliert Paragraf 11 der Straßenverkehrsordnung die Vorschrift für Autofahrer, bei Staus eine Rettungsgasse bilden zu müssen, genauer. Im Interview berichtet der Sprecher der Dortmunder Feuerwehr, André Lüddecke, über den Alltag der Retter auf den Straßen.

Herr Lüddecke, bei Staus, zum Beispiel auf zweispurigen Autobahnen, müssen Auto- und LKW-Fahrer eine Rettungsgasse bilden. Warum präzisiert das Gesetz das jetzt?

Weil es leider normal ist, dass Auto- und LKW-Fahrer bei Stau oder zäh fließendem Verkehr keine Rettungsgasse bilden. Das funktioniert nur in den seltensten Fällen – die Fahrer wissen es nicht besser oder, um es vorsichtig zu formulieren: Es ist ihnen egal, vielleicht, weil sie selber nicht betroffen sind. Die Regel allerdings ist eindeutig. Bei zwei Spuren ist eine Gasse zu bilden.

Wenn das nicht funktioniert: Was bedeutet das für die Retter?

Dass sie nicht schnell genug beim Patienten sind. Brennt ein verunglücktes Auto, können die Insassen einen qualvollen Tod sterben. Im schlechtesten Fall kann das Verhalten der Autofahrer also ein Leben kosten. Erreichen wir eine Unfallstelle nicht rechtzeitig, können vermeidbare Folgeschäden eintreten. Autofahrer sollten wissen: Manchmal ist es ein einziger Handgriff zum richtigen Zeitpunkt, der ein Leben retten kann.

Welche Fehler erkennen Sie bei der Anfahrt zu einem Unfallort?

Statt bei einem Stau automatisch die Rettungsgasse zu bilden, machen die Fahrer das erst, wenn sie unsere Einsatzfahrzeuge im Rückspielgel haben. Ist das erste Fahrzeug durch, schließen die Auto- und LKW-Fahrer die Rettungsgasse wieder und blockieren nachfolgenden Einsatzfahrzeuge. Wir verlieren damit enorm viel Zeit. Verkehrsteilnehmer sollten wissen, dass sie selbst von so rücksichtslosem Verhalten betroffen sein könnten, wenn wir nicht schnell genug bei ihnen sind. Jede Sekunde zählt.

Wann und wo wird es für die Feuerwehr besonders kompliziert?

In Autobahn-Baustellen.

Wenn Fahrer umständlich und langsam reagieren und eine Blockade bilden: Kann die Feuerwehr das sanktionieren?

Nein, wir von der Feuerwehr können das nicht. Das gilt auch für Falschparker, die in engen Straßen unsere Anfahrt erschweren. Wir müssen uns auf die Rettung konzentrieren. Sicher ist es auch schwierig, einem Autofahrer eine Mitschuld am Tod eines Verunglückten nachzuweisen, weil er keine Rettungsgasse gebildet hat.

Wenn es schwierig ist, juristische Konsequenzen durchzusetzen: Wie lautet Ihr Appell?

Die Verkehrsteilnehmer sollten rechtzeitig eine Rettungsgasse bilden, also nicht erst dann, wenn wir mit Martinshorn hinter ihnen stehen, und die Gasse nicht sofort wieder zustellen, wenn das erste Einsatzfahrzeug durch ist.

Kinder der Hagener Johanniter erklären in diesem Video anschaulich, wie das mit der Rettungsgasse funktionieren soll:

Die Perspektive der Retter führt dieser Videofilm der Motorradstaffel Sachsen-Anhalt vor Augen: