So geht es den Dortmunder Fahrern von „Flaschenpost“ wirklich – ein Insider berichtet

rnNach anonymem Schreiben

Die Arbeitsbedingungen beim Getränkelieferservice „Flaschenpost“ sind offenbar nicht in allen Städten gleich. Ein Fahrer berichtet: So ist es in Dortmund – und so in Düsseldorf.

Dortmund

, 30.07.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Sheaper“ nennt sich der junge Mann, der nach eigenen Angaben seit zwei Monaten als Auslieferungsfahrer für den Getränkelieferservice „Flaschenpost“ arbeitet. Er kann nicht alle Vorwürfe teilen, die Mitarbeiter in einer sechs Seiten langen Überlastungsanzeige anonym an die Geschäftsleitung geschickt und öffentlich gemacht haben. Das expandierende Start-Up aus Münster ist in 13 Städten tätig, liefert nach eigenen Angaben täglich 60.000 Kisten aus. Sheaper hat unterschiedliche Erfahrungen in Dortmund und Düsseldorf gemacht.

In Düsseldorf, wo er mal ausgeholfen habe, habe er „die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, sagt Sheaper. Das sei „Chaos“ gewesen, „die Fahrer dort waren am Limit und die Kunden nicht so erfreut wie in Dortmund“. In Düsseldorf gibt es die Niederlassung schon über ein Jahr, in Dortmund seit dem 25. April.

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„Es wird davon ausgegangen, dass man täglich Überstunden macht“

„Ja“, sagt Sheaper, „wir haben auch in Dortmund Fahrzeuge ohne Klimaanlage, aber wir haben auch neue bekommen mit Klimaanlagen.“ Überstunden würden, wie von der Geschäftsleitung beschrieben, mit der nächsten Abrechnung gezahlt. „Schlimmer ist die Tatsache, dass davon ausgegangen wird, dass man automatisch länger macht.“ Und das drohe nahezu täglich.

„Wenn man eine Stunde vor Feierabend rausfährt“, so Sheaper, „ist es nicht möglich, pünktlich Feierabend zu machen. Ich kann nie sagen, wann ich Feierabend habe. Überstunden sollten keine Regel darstellen. Wir fangen alle pünktlich an, dann möchte ich auch pünktlich aufhören.“

Das Manko liegt in der Tourenplanung

Nach seiner Meinung liegt das Manko zu vieler Überstunden auch an der Tourenplanung. Man dürfe eben nicht zu viele Kunden auf eine Tour setzen; denn dann seien die 120 Minuten von der Bestellung bis zur Lieferung, mit der „Flaschenpost“ offensiv wirbt, nicht zu halten. Sheaper: „Nicht jeder Kunde wohnt im Erdgeschoss“. Und nicht überall könne man vor der Haustür parken.

Im Gegensatz zu Düsseldorf interessiere es die Kunden in Dortmund nicht, wenn man eine halbe Stunde zu spät komme, sagte Sheaper im Gespräch mit dieser Redaktion. „Im Gegenteil, die Dortmunder Kunden sind sehr froh, dass es den Service gibt und nehmen auch Verspätung sehr gelassen auf.“

„Gutes Schichtleiter-Duo und guter Lagerchef“

Mit der Sauberkeit der Toiletten habe es anfangs auch in Dortmund im Getränkelager am Hafen Probleme gegeben, räumt Sheaper ein. Das habe aber eher an den Benutzern der Toiletten gelegen. Handseife sei immer da, sagt er, anders als in dem anonymen Schreiben beklagt.

In Dortmund gebe es ein gutes Schichtleiter-Duo und einen guten Lagerchef als Ansprechpartner. „Klar wäre mehr Lohn super“, sagt Sheaper zu den Klagen seiner anonymen Arbeitskollegen. Aber andere Dienstleistungsunternehmen zahlten auch nicht mehr.

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