So hart trifft die Karnevalsabsage in Dortmund die Vereine

rnKarneval

Die Karnevalsabsage ist ein schwerer Schlag für die Vereine in Dortmund. Trotzdem sei die Entscheidung richtig, sagen die Clubs. Einen Verein trifft der Sessionsausfall aber gleich doppelt.

Kirchderne, Scharnhorst, Wickede

, 25.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sorgen, die Rot-Gold Wickede, Grün-Gold Scharnhorst und die Kirchderner Funken umtreiben, ähneln sich. Denn auch, wenn es für alle drei Karnevalsvereine in Zukunft weitergehen wird, belastet sie die Absage der kommenden Session.

Andreas Winkelmann prognostiziert eine problematische nahe Zukunft für seinen Verein: „Es wird ein schwieriges Jahr. Wir müssen unseren Mitgliedern, und besonderes den Jüngeren, einen Anreiz bieten, damit sie dem Verein treu bleiben. Das heißt für uns: Wir müssen ihnen Ablenkungen, Ziele und Motivation schaffen“, sagt der Vorsitzende von Rot-Gold Wickede.

Doppelte Strafe

Auch wenn es bereits Abmeldungen gegeben habe, komme der Verein noch zurecht, heißt es bei den Kirchderner Funken. „Allerdings werden wir doppelt bestraft“, sagt Vorstandsmitglied Barbara Mieleszko. „In diesem Jahr hätten wir unser 22-jähriges Bestehen gefeiert.“

Auch für Grün-Gold Scharnhorst bedeutet die Absage der Session einen tiefen Einschnitt. Das Helmut-Manka-Gedächtnisturnier, ein Tanzwettbewerb mit bis zu 600 Teilnehmern, musste bereits abgesagt werden. Aber natürlich werden auch alle anderen Termine nicht stattfinden, wie Club-Präsident Bodo Mattew berichtet.

Jetzt lesen

Für den Verein gehe es nun darum, den „Verein am Laufen und die Kinder bei der Stange zu halten“, wie Mattew es formuliert. Wie die anderen beiden Vereine fürchtet er, dass Mitglieder den Club verlassen könnten.

Rot-Gold Wickede wünscht sich weitergehenden Schritt

Dabei seien sie noch glimpflich davongekommen, wie Mattew sagt. „Ich bin zufrieden, dass wir früh Planungssicherheit haben.“ Winkelmann stimmt dem zu, der Vorsitzende von Rot-Gold Wickede hätte sich aber einen weitergehenden Schritt gewünscht: „Eine Absage aller bundesweiten Innenveranstaltungen wäre besser gewesen.“

Die Kirchderner Funken tragen die Entscheidung mit: „Wir haben großes Verständnis, weil die Gesundheit vorgeht. Wir haben das lange diskutiert, stimmen der Entscheidung aber voll zu.“

Schließlich wolle der Verein nicht, dass es einen zweiten Fall wie in Heinsberg gebe, wo sich das Coronavirus während des Karnevals im Februar rasch verbreitete.

Bodo Mattew befürchtet in einem solchen Fall auch einen Image-Schaden: „Heinsberg und Corona werden miteinander verbunden. Hätte es bei uns einen Anstieg gegeben, wäre der Aufschrei groß gewesen. Wir sollten da nicht mit dem Ruf des Karnevals spielen.“

Das Vereinsleben leidet

Am meisten leidet unter der Sessionsabsage das Vereinsleben, das betonen alle drei Club-Mitglieder. „Online-Training ist einfach nicht das Gelbe vom Ei“, sagt Barbara Mieleszko. „Wir versuchen aber so gut es geht, unsere Mitglieder bei Laune zu halten.“ Der Kontakt untereinander findet demnach vor allem auf elektronischem Weg statt.

Bodo Mattew ergänzt: „Für mich ist der Verein wie eine Familie. Und das Familienleben ist im Augenblick deswegen nicht vorhanden.“

Jetzt lesen

Andreas Winkelmann und Rot-Gold Wickede berichten, dass zumindest ein wenig Vereinsleben wieder möglich ist: „Die Gruppen sind intakt. Einige treffen sich nach dem Training und unternehmen auch wieder privat etwas miteinander.“

Der Blick bei den Karnevalisten geht nun wieder nach vorne. „Wir hoffen auf das nächste Jahr“, sagt Winkelmann, schränkt aber ein: „Solange eine Gesundheitsgefährdung besteht, sehe ich keine Chance, Veranstaltungen durchzuführen.“

Das Ziel ist die Session 2021/22

Ähnlich formuliert es Mieleszko: „Wir hoffen auf die Session 2021/22. Es wäre schön, wenn wir dann Veranstaltungen normal durchführen könnten und weiter machen wie vor Corona.“

Auch Bodo Mattew zielt auf das nächste Jahr. „Dieses Jahr werden wir überbrücken und hoffen jetzt darauf, dass die Session 2021 im normalen Rahmen stattfinden kann.“ Eines sei aber sicher, so Mattew: „Wir werden als Verein überleben, dafür stehe ich als Präsident ein.“

Lesen Sie jetzt