Viele Dortmunder versuchen am Samstag, einen Impftermin für über 60-Jährige zu bekommen - online und am Telefon. © Kolle
Impftermin-Vergabe für über 60-Jährige

So lief das Rennen um einen kurzfristigen Impftermin in Dortmund

Das war ein Ansturm mit Ansage: Wer als über 60-Jähriger am Samstag einen kurzfristigen Impftermin für die zusätzlichen Astrazeneca-Impfdosen ergattern will, braucht Geduld. Ein Selbstversuch.

Die Ankündigungen waren nicht gerade ermutigend. Die Hotline und das Terminbuchungssystem würden wegen des zu erwartenden Ansturms vermutlich schnell überlastet sein, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) vorsorglich schon zwei Tage vor Buchungsstart mit.

Und tatsächlich: Viele wollen einen der begehrten Termine für die mehr als 13.000 Impfdosen Astrazeneca, die in Dortmund kurzfristig an über 60-Jährige zu vergeben sind. Unter anderem mein Mann und ich.

Um 9 Uhr am Samstag (3.4.) sollten Hotline und Online-Buchungsseite freigeschaltet sein. Der frühe Vogel fängt den Wurm, also saßen wir schon um 8.45 Uhr, ausgerüstet mit zwei Laptops und zwei Mobiltelefonen, am Start, während das Radio verkündete, dass es sich schon um diese Uhrzeit in den Leitungen staute.

Aufgeben gilt nicht

Doch aufgeben ohne Versuch gilt nicht. Unter der 116117 am Telefon, drücken wir erst die 1 um einen Termin zu erhalten, dann im nächsten Schritt die 2, um dann zu erfahren: „Alle Leitungen belegt. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.“ Das haben wir tatsächlich ein paar Mal gemacht, immer mit demselben Ergebnis.

Parallel sind wir aber auch online gegangen und haben uns durchgeklickt bis zum Impfterminportal der KVWL und der Botschaft: „Hier gelangen Sie zur Impfterminvergabe. Weiter“. Da kommt Zuversicht auf.

Doch dann wieder eine Enttäuschung: „Sie befinden sich im Warteraum. Das System ist derzeit leider stark belastet. Sie können warten, oder versuchen Sie es bitte zu einem späteren Zeitpunkt erneut.“

Wir sind keine Roboter

Also noch mal von vorn. Nach mehreren Versuchen schaffen wir es bis zur Registrierung, müssen aber erst Palmen, Taxis, Ampeln und Schornsteine auf Fotoboxen erkennen und anklicken, um zu beweisen, dass wir keine Roboter sind. An dieser Stelle steigt das System immer wieder aus, weil es für die Prüfung, ob wir Menschen die richtigen Fotos angeklickt haben, zu lange braucht.

Dann ein Aufschrei auf der anderen Seiten des Küchentischs. Mein Mann hat es tatsächlich geschafft, sich zu registrieren und soll jetzt, damit die Registrierung auch abgeschlossen werden kann, nur noch auf die Bestätigungsmail warten.

Aber die kommt nicht. War ja klar. Und dann kommt sie doch. Um 9.27 Uhr: „Aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto.“ Sollten wir es tatsächlich . . . ?

Und wieder im Warteraum

Wir drücken den Aktivierungs-Button – und landen erst mal wieder im virtuellen Warteraum. Doch dann können wir uns wirklich anmelden mit E-Mail-Adresse, Passwort und persönlichen Daten für den Erst- und Zweittermin mit Astrazeneca. Mein Mann kann die Termine gleich für mich mit anklicken.

Aber als wir gerade den Abschluss-Button drücken wollen, heißt es, dass der Termin an Ostermontag, den wir gewählt hatten, uns gerade vor der Nase weggebucht worden. Also noch mal das Ganze und ein bisschen flotter. Um 9.40 Uhr können wir aufatmen: Dienstag geht‘s ins Impfzentrum auf Phoenix-West.

40.000 Impftermine in einer Stunde vergeben

20 Minuten später, kurz nach 10 Uhr, teilt die KVWL mit, dass innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches bereits 40.000 Impftermine vergeben und schon 14 Menschen geimpft sind. Es könne aber Verzögerungen bei der Bestätigung der Registrierungsmails geben.

Während wir noch jubeln, ruft mein Schwager an. Parallel mit meiner Schwester hat er schon mehr als 200 Mal versucht, bei der Hotline durchzukommen. Einmal hat er es geschafft, aber nur um zu hören: „Versuchen Sie es am Dienstag noch mal. Eine andere Auskunft haben wir nicht.“ Am Dienstag aber ist die Hotline für die über 60-Jährigen schon wieder geschlossen.

KVWL-Fazit am Abend

Grossteil der Termine ist vergeben

Am Samstagabend (3.4.) meldet die KVWL, dass in ganz Westfalen-Lippe an diesem Samstag fast 120.000 Termine vergeben worden sind und fast 350 Personen noch am gleichen Tag geimpft wurden. Noch etwas mehr als 40.000 Impftermine seien zu diesem Zeitpunkt für über 60-Jährige verfügbar – sobald alle Termine vergeben sind, werde die Terminvergabe zunächst beendet.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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