So reagieren Dortmunder auf Facebook auf die Corona-Einschränkungen

rn„Lockdown Light“

Der neue „Lockdown Light“ steht bevor. Absagen, Schließungen und Einschränkungen inklusive. Ein Thema, das höchst emotional auf Facebook diskutiert wird.

Dortmund

, 29.10.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter an. Allein in Dortmund ist der Inzidenzwert schon längst dreistellig. Die Politik zieht deshalb eine letzte Konsequenz: Einschränkungen, nicht ganz so drastisch wie der im Frühjahr, aber trotzdem hart. Ein „Lockdown Light“.

Die Entscheidung wird auf Facebook, wo unsere Artikel jeden Monat über 100.000 Nutzer erreichen, hitzig diskutiert.

Gastro muss schließen: „Regierung hat versagt!“

Dass die Gaststätten ab Montag (2.11.) geschlossen werden, können viele Facebook-Nutzer – wie die Dortmunder Wirte – nicht nachvollziehen. Allein 39 wütende und 19 traurige Emoji-Reaktionen gab es auf die Nachricht.

Auch in der Kommentarspalte wird die Entscheidung überwiegend kritisch gesehen. Eine Nutzerin schreibt: „Kann man auch nicht nachvollziehen. Absoluter Schwachsinn. Die Gastronomen tun mir richtig leid.“ Eine Meinung, die auch in vielen anderen Kommentaren geäußert wird. Ein Nutzer stellt dazu eine rhetorische Frage: „Sollen sich die Leute lieber heimlich privat treffen, statt in der Öffentlichkeit an Orten, wo es ausgearbeitete Hygienekonzepte gibt und man höchst-pingelig auf die Vorschriften achtet?“

Eine andere Nutzerin findet, dass der Lockdown für die Gastronomie „absolute Willkür“ ist – während Frisöre und Kantinen weiter öffnen dürfen. „Und wahrscheinlich geht auch Kreuzfahrt?“, fragt eine weitere Nutzerin sarkastisch und bringt auch noch das Argument ein, dass weiterhin die Bahnen „mit 50 und mehr in einem Abteil“ voll sein werden. Auch sie findet, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

In den Kommentaren wird auch die Politik direkt kritisiert. Die „Regierung hat versagt!“, schreibt eine Nutzerin. Es sei keine Lösung die Bereiche zu schließen, „die kaum Anteil am Infektionsgeschehen haben“.

Vereinzelt wird auch nach Verantwortlichen gesucht. „Da dürft ihr euch bei denen bedanken, die unbelehrbar sind. Alle die, die von dem Lockdown betroffen sind, bezahlen nun für die Rücksichtslosigkeit eben dieser“, schreibt ein Nutzer.

Riesentanne als Symbol der Hoffnung

Anders sieht es bei der Absage des Dortmunder Weihnachtsmarktes aus. Zwar sind von 322 Reaktionen auch allein 113 wütend beziehungsweise traurig, jedoch ist der Tenor in den Kommentaren überwiegend verständnisvoll und akzeptierend.

„Das ist eine gute Entscheidung! Die Gesundheit aller Menschen steht hier im Vordergrund“, schreibt eine Nutzerin. Ein anderer Kommentar eines Nutzers geht sogar so weit, dass eine andere Entscheidung „bei diesen rasant steigenden Zahlen schlicht verantwortungslos gewesen“ wäre.

Eine Nutzerin ist optimistisch und schreibt: „Wir mussten dieses Jahr auf so vieles verzichten, dann schaffen wir auch das.“ 48 Likes gab es für ihren Kommentar.

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Vereinzelt gibt es aber auch Stimmen, die sich statt einer Absage eine Alternative gewünscht hätten. Ein Nutzer hätte einen abgespeckten Weihnachtsmarkt mit Einlasskontrolle auf dem Hansaplatz gut gefunden. Ein anderer Nutzer wiederum findet, dass so ein Weihnachtsmarkt „nichts mit Weihnachten zu tun“ hätte.

Einige Nutzer wünschen sich, dass der große Weihnachtsbaum trotzdem aufgebaut wird – als ein „Symbol der Hoffnung“, so ein Kommentar. Andere würden das Geld lieber anders investieren: „Den Obdachlosen ein Dach über dem Kopf bieten und den Schaustellern vielleicht helfen“, wie ein Nutzer schreibt.

Gefahr für Familie, Freunde und Verwandte

Auch die Kinos werden am Montag schließen müssen. Das findet eine Nutzerin ungerecht, es werde „alles geschlossen, was sich an die Regeln gehalten hat“. Andere Ursachen – riesige Hochzeiten, Partys und Demos nennt sie als Beispiele – kämen ungestraft davon.

Unter unserem Bericht zu der Lage der Dortmunder Hotels – die dürfen ab Montag nur noch wichtige Geschäftsreisende beherbergen – ist das Unverständnis ähnlich. „Bedankt euch bei den Leuten, die in den letzten Monaten nicht freiwillig auf Kontakte zu anderen Menschen verzichtet haben“, meint ein Nutzer.

In einem Videogespräch haben unsere Redakteure Christian Gerstenberger und Oliver Volmerich die neuen Corona-Regeln diskutiert und Fragen wie „Darf ich noch Geburtstag feiern?“ erklärt.

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Eine Nutzerin schreibt, dass „jeder, der das in Erwägung zieht,“ nicht nur sich selbst „großer Gefahr“ aussetzt, „sondern auch Familie, Freunde [und] Verwandte“. Ihr Kommentar bekam viele Reaktionen – viele davon leugnen allerdings die Gefahr des Coronavirus.

Kommentare dieser Art gab es zu all den Themen immer mal wieder zu lesen. Der Inhalt ähnelt sich oft: Mal kennen die Verfasser niemanden, der an Covid-19 erkrankt ist, weshalb das Virus nicht real sein könne. Mal sei die Maskenpflicht unsinnig, da ein Mund-Nasen-Schutz nichts bringe außer vor Staub zu schützen. Ob hinter diesen Kommentaren Verschwörungsideologen oder nur Internet-Trolls stecken, die für Ärger sorgen wollen, lässt sich nicht immer beantworten.

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