So teuer sind Dortmunds Abibälle

Hohe Budgets

Warme Worte, kalte Platten und ein Gläschen Spumante vor der Schulaula. Das war einmal. Heute feiern Abiturienten ihren Abschluss groß, luxuriös und teuer. Die Vorbereitungen beginnen in der Mittelstufe. Wir zeigen, wie teuer so ein Abiball werden kann.

DORTMUND

, 02.07.2016, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
So teuer sind Dortmunds Abibälle

Schöne Kleider, ein festlicher Rahmen: Abiturienten feiern ihren Abschluss heute groß.

Schüler verwalten Budgets im Gegenwert einer Eigentumswohnung, die Locations sind zwei Jahre im voraus gebucht, Boutiquen führen Kleiderlisten zur Vermeidung von Doppelauftritten, das Schönheitsprogramm für die jungen Ladies braucht Tage mit Unterstützung von Friseuren, Stylisten, Visagisten und Nagel-Profis. Entsprechend teuer gestalten sich die Feierlichkeiten.

Etwa 44.000 Euro kostet die diesjährige Abiturfeier des Max-Planck-Gymnasiums im Signal Iduna Park mit knapp 750 Gästen – Getränke sind noch nicht enthalten. Die Abi- feiern in der Rohrmeisterei in Schwerte und im Freischütz spielen sich in ähnlichen Preisklassen ab.

XXL-Planung

Der mit 145 Schülern sehr große Abi-Jahrgang des Max-Planck-Gymnasiums hatte Not, überhaupt unterzukommen. „Eigentlich kamen nur die Westfalenhallen und das Stadion in Frage“, erzählt Stufensprecherin Anna Witte. Sie hat das an diesem Wochenende steigende Fest gemeinsam mit verschiedenen Schüler-Arbeitsgruppen und Unterstützung einer Mutter organisiert. „Sonst hätten wir das nie geschafft“, sagt sie. Allein wegen der vertraglichen und finanziellen Angelegenheiten, die die minderjährigen Schüler noch gar nicht regeln durften.

100 Euro Vorauszahlung sammelte die Stufe über die letzten beiden Schuljahre von jedem Schüler ein – 25 Euro pro Halbjahr. Zusätzlich erwirtschafteten die Abiturienten rund 7000 Euro durch diverse Vorfinanzierungs-Aktionen, kurz Vofi genannt. „Das hat super funktioniert“, sagt Anna. So kosten die Karten für den großen Abend jetzt „nur“ 30 Euro pro Person. Das Jungvolk, das nach dem offiziellen Part zur Party kommt, zahlt 10 Euro Eintritt. Essen, Saalmiete, DJ, Security, Personal und Gema-Gebühren sind im Ticketpreis enthalten. Getränke allerdings kommen obendrauf, sonst würde es noch 25 Euro pro Person teurer. Das Geld können Familien dann in Kleidung, Ausstattung und die Leistungen von Schönheitsprofis investieren. Da kommen schnell einige Hundert Euro zusammen, nach oben ist die Grenze offen; eine Summe, die manchem in der Urlaubskasse fehlt.

Party in Lünen

Die Abiturklasse eines Dortmunder Berufskollegs muss 11.000 Euro für 120 Gäste finanzieren, allerdings ist darin eine Getränke-Flatrate enthalten. Die etwa 35 Berufskolleg-Schüler feiern an diesem Wochenende mit rund 120 Gästen in Lünen. 130 Euro „Startgeld“ als Investition für geplante Vofi-Aktionen hatte jeder gezahlt. Wegen der Kosten habe es im Vorfeld Konflikte gegeben, erzählt eine der Abiturientinnen. Schüler, die es sich leisten können, hätten sich nicht weiter engagiert, um das Startgeld wieder einzuspielen. Andere aber hatten auf eine Rückzahlung dieser Investition gehofft. Rund 3000 Euro sind trotz allem durch Kuchenverkauf und andere Aktionen zusammengekommen.

„An unserem Berufskolleg treffen Schüler aus sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen aufeinander“, erklärt die Abiturientin. Für die Feier im gediegenen Marmorsaal bei Stolzenhoff muss nun jeder Gast 30 Euro zahlen. Auch wenn das für manche Familie viel Geld bedeutet, nehmen doch fast alle teil. „Die Feier ist allen so wichtig, dass sie das Geld aufgebracht haben.“

Eine Beispielrechnung - Kassensturz bei Nina B. nach der Abifeier:

  • Vorfinanzierung über zwei Jahre: 120 Euro
  • Eintrittskarten für Eltern, Bruder, Freund und sich selbst (pro Stück 30 Euro): 150 Euro
  • Getränke: 130 Euro
  • Ballkleid: 120 Euro
  • Schuhe: 150 Euro
  • Zweitschuhe zum Tanzen: 70 Euro
  • Handtasche: 35 Euro
  • Friseur, Sonnenbank und Make-up: 50 Euro
  • Gesamtkosten für Ninas Familie: 825 Euro.
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