So viel Geld stecken Dortmunds Kandidaten in den Wahlkampf

Bundestagswahl

Fast jeder Bundestagskandidat der aussichtsreichen Parteien investiert eigenes Geld für den Wahlkampf. "Brautgeld" heißt das in Politikkreisen. Wir haben zwölf Dortmunder Bundestagskandidaten gefragt, ob sie einen Teil der Kosten ihres Kampfes um Stimmen selber tragen - und wofür sie ihr Geld ausgeben.

DORTMUND

, 30.08.2017, 03:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
So viel Geld stecken Dortmunds Kandidaten in den Wahlkampf

Nicht alle Wahlplakate werden von den Parteien finanziert. Kandidaten, die über den Standard hinaus plakatieren wollen, eine eigene Internetseite betreuen lassen, Bühnen, Bands oder Bullis für ihren Wahlkampf einsetzen, müssen dafür in die eigene Tasche greifen.

Hände schütteln, an fremden Türen klingeln, Menschen ansprechen, an Infoständen diskutieren – Bundestagskandidaten investieren aber nicht nur Zeit in ihren Wahlkampf, sondern auch eigenes Geld. Zumindest bei den großen Parteien. Den Kugelschreiber, die Rose oder den Einkaufschip, die potenzielle Wähler am Infostand eher mitnehmen als das Wahlprogramm, haben die Kandidaten aus eigener Tasche bezahlt.

Es gebe fast keinen, der das nicht mache, versichert der SPD-Kandidat Marco Bülow, „schließlich muss man sich irgendwie bekannt machen.“ Er sei anfangs schon überrascht gewesen, wie teuer das alles sei, aber er glaube nicht, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit eines einzelnen Kandidaten der SPD bei seiner Aufstellung eine Rolle spiele.

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So viel Geld stecken Dortmunds Bundestagskandidaten in ihren Wahlkampf

Wir haben zwölf Dortmunder Bundestagskandidaten gefragt, ob sie einen Teil der Kosten ihres Wahlkampfes selber tragen - und wie viel Geld sie dafür aufwenden.
29.08.2017
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Marco Bülow, seit 2002 für die SPD im Bundestag, hat ein eigenes Wahlkampfkonto. Schon deshalb, weil er schon erste Dinge bestelle, bevor es mit dem Wahlkampf richtig losgehe, sagt er. Dafür nehme er auch Spenden an, allerdings „nur Kleinspenden, keine von Firmen“. Unterm Strich buttere er „ein paar tausend Euro“ aus der eigener Tasche hinzu, zum Beispiel für den Wahlkampf-Bulli, der dann auch noch einen Unfall hatte, für Bühne, Räume, Catering, eine professionell gestaltete Internetseite, Spritgeld für das Wahlkampf-Team, das bei seinem Einsatz auch mal Hunger oder Durst hat. „Klar, lade ich die ein“, sagt Bülow.© Foto: Stephan Schütze
Sabine Poschmann, seit 2013 Bundestagsabgeordnete, hat in den vergangenen vier Jahren monatlich etwas für den Wahlkampf zurückgelegt und nun rund 15.000 Euro für diesen Bundestagswahlkampf aus dem privaten Portemonnaie. Davon hat sie unter anderem das Team Poschmann beim Drachenbootrennen auf dem Phoenix-See ausgestattet, eine Musikband beim Berghofen-Fest finanziert und eigene Faltblätter für bestimmte Zielgruppen drucken lassen.© Foto: Stephan Schütze
Steffen Kanitz, seit 2013 CDU-Bundestagsabgeordneter, hat nach eigener Aussage zwischen 8000 und 10.000 Euro an Wahlkampfspenden eingesammelt: „Mein Anspruch ist es, das Geld nicht komplett auszugeben, und der Partei die 5000 Euro, die sie [für meinen Wahlkampf, die Redaktion] zugesteuert hat, zurückzuzahlen.“ Was er nicht mache, sei eine Materialschlacht. Er zahle zum Beispiel 500 Euro für die T-Shirts, Polo-Shirts und Taschen seines Wahlkampfteams, beteilige sich an den Kosten für die Wesselmänner, gebe rund 50 Euro am Tag aus für die Verpflegung der Wahlhelfer und übernehme die Spritkosten der Fahrzeuge sowie die Ausgaben für die Homepage und die Facebook-Betreuung.© Foto: Stephan Schütze
Sein Parteikollege Thorsten Hoffmann, der im Januar 2015 für Ronald Pofalla in den Bundestag nachgerückt ist, steckt in seine zweite Kandidatur 6000 Euro eigenes Geld - allerdings ohne einen aussichtsreichen Listenplatz. Seine einzige Chance ist, das Direktmandat gegen Marco Bülow zu gewinnen.© Foto: Stephan Schütze
Der grüne Bundestagsabgeordnete (seit 2002) und -kandidat Markus Kurth schätzt seine privaten Wahlkampfkosten auf 2000 Euro. „Dafür versuche ich, Spender zu finden.“© Foto: Stephan Schütze
Die grüne Bundestagskandidatin Ingrid Reuter verzichtet darauf, eigenes Geld in den eigenen Wahlkampf zu stecken. Wie bei anderen Parteien auch, gibt es bei den Grünen die „freiwillige Verpflichtung“ für Mandatsträger, regelmäßig bestimmte Beträge an die Partei zu spenden. Bei den Grünen seien diese besonders hoch. Reuter: „Darüber hinaus tue ich bis auf die Fahrtkosten nichts von meinem eigenen Geld dazu.“© Foto: Stephan Schütze
Auch bei der Partei Die Linke muss man für all‘ das selber zahlen, was über den Standard hinausgeht. „Für die eine oder andere Idee werden Spenden gesammelt“, berichtet die Dortmunder Kandidatin Ulla Jelpke. Den Verteilungskampf ums Geld gebe es eigentlich vorher, wenn festgelegt werde, welches Bundesland wie viel Geld und wie viele Plakate für den Wahlkampf bekomme.© Foto: Stephan Schütze
Die Jurastudentin Celine Erlenhofer, die ebenfalls für Die Linke antritt, lebt von dem Stipendium einer Gewerkschaftsstiftung. Das reiche gerade mal für Wohnung und Bücher. „Ich plakatiere selbst, verteile selbst und stecke selbst. Das meiste an Transporten mach ich mit Bus und Bahn – und meinem Semesterticket.“© Foto: Stephan Schütze
FDP-Kandidat Max Zombek kommt ebenfalls ohne persönliches Geld im Wahlkampf aus. „Das erwartet man bei uns auch nicht. Außerdem diskutiere ich lieber kontrovers mit Bürgern, als Kugelschreiber abzugeben.“© Foto: Stephan Schütze
Bei Zombeks FDP-Mitstreiter Sven Görgens steht auch die Null bei den persönlichen Wahlkampf-Kosten. Er stecke eine ganze Menge Zeit da rein, sagt Görgens, aber seine Kandidatur sei nicht aussichtsreich, „deshalb sehe ich es nicht für notwendig an, da eigenes Geld reinzustecken.“© Foto: Stephan Schütze
Auch wenn er schon „einige 1000 Euro“ an die Partei gespendet habe, in der AfD sei eine Kandidatur "keine Geldfrage“, sagt Bewerber Heiner Garbe. Er zahle Verpflegungskosten für seine Helfer, „viel Currywurst mit Pommes.“© Foto: Stephan Schütze
Ohne persönliche Wahlkampfkosten will auch AfD-Kandidat Matthias Helferich auskommen.© Foto: Stephan Schütze
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Bei seiner ersten Kandidatur habe er noch mehr auf eigenes Geld, auch aus dem Familien- und Freundeskreis, zurückgegriffen, berichtet Bülow. Zudem habe es mehr Spenden von Einzelpersonen und Ortsvereinen gegeben. Die Wesselmänner – das sind die Großplakate – mit seinem Konterfei, würden zur Hälfte die Stadtbezirke bezahlen, in denen sie stehen. Die andere Hälfte zahle er selbst, etwa für die Plakate, die er von Sprayern gestalten lasse.

Es läuft bei allen Parteien ähnlich: Die Partei entwickelt das Konzept für den Wahlkampf, organisiert die bundesweite Kampagne, bezahlt in der Regel auch Veranstaltungen, zu denen das politische Spitzenpersonal aus Berlin anreist, sowie Parteiplakate und Faltblätter – den Standard.

SPD und CDU geben in Dortmund 5000 Euro dazu

Ob ein Kandidat für seinen persönlichen Wahlkampf im Kreis einen Zuschuss bekommt, und wenn ja, in welcher Höhe, entscheiden meist die Unterbezirke beziehungsweise Kreisverbände in Eigenregie. Der SPD-Unterbezirk Dortmund unterstützt seine Kandidaten Bülow und Poschmann jeweils mit 5000 Euro für Wahlkampf-Material und zentrale Infostände in der City.

Auch seinen beiden CDU-Kandidaten greift der Dortmunder Kreisverband mit je 5000 Euro Zuschuss für den Wahlkampf unter die Arme. „Als Partei machen wir keine Schulden für den Wahlkampf“, betont Bundestagsabgeordneter und -kandidat Steffen Kanitz, der auch Kreisvorsitzender ist. In den CDU-Kreisverbänden werde das schon mal unterschiedlich gehandhabt, sagt Kanitz. „Aber bei uns in Dortmund scheitert keine Kandidatur an Geld.“

Private Wahlkampf-Kosten sind nicht steuerlich absetzbar

Niemand kann genau nachprüfen, wie viel Privatgeld Bundestagskandidaten aufgewendet haben, um in den Bundestag zu kommen. Auch nicht das Finanzamt; denn private Aufwendungen für den Wahlkampf sind nicht als Werbekosten steuerlich absetzbar. 

Im Schnitt setzen bundesweit Christdemokraten 10.482 Euro aus der Privatschatulle ein, um ein Mandat im Bundestag zu erobern. Es folgen Sozialdemokraten (6567 Euro), Grüne (1937 Euro) und Linke (1083 Euro). Das sind Zahlen aus der Kandidatenstudie 2013 (GLES) des Wissenschaftszentrums Berlin. Laut einer weiteren, breit angelegten empirischen Studie der Universität Lüneburg beziffern die befragten Vertreter von CDU, CSU und SPD die parteiunabhängigen Wahlkampfkosten mit mindestens 10.000 Euro.

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