Azubis fehlen in Dortmund: So will das Handwerk wieder sexy werden

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Immer weniger Jugendliche wollen ins Handwerk. Azubis sind schwer zu finden. Mit NRW-Arbeitsminister Laumann wurde in Dortmund überlegt, wie das Handwerk sein Imageproblem lösen kann.

Dortmund

, 03.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trotz aller Anstrengungen den Jugendlichen im Corona-Jahr gut von der Schule in den Beruf zu helfen, ist das Ergebnis eher ernüchternd. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bleibt bisher im Bezirk der Handwerkskammer Dortmund um 11,8 Prozent hinter der des Vorjahres zurück.

„Wir haben aufgrund des corona-bedingten Rückgangs an neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen derzeit immer noch 380 freie Ausbildungsplätze im Kammerbezirk“, erklärte Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder bei „Handwerk live“, dem traditionellen Herbstgespräch seiner Institution.

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In dem Gespräch, an dem auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), Heike Bettermann, die Chefin der Arbeitsagentur in Dortmund und Kreishandwerksmeister Christian Sprenger teilnahmen, wurde deutlich, dass das Handwerk ein Imageproblem bei jungen Menschen hat.

Handwerk ist „digital und anspruchsvoll“

„Viele junge Menschen werden heute groß und erfahren die Welt des Handwerks gar nicht und können sie sich nicht vorstellen“, sagte Minister Laumann. Dabei sei fast jeder Handwerksberuf heute von der Digitalisierung erfasst und anspruchsvoll.

Sein Aufruf: „Wir müssen mehr Lobby für die Welt des Handwerks betreiben! „Handwerksberufe sind heutzutage anspruchsvoll und bieten auch finanziell eine hervorragende Perspektive.“

Zum Gespräch begrüßte Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder (l.) diesmal NRW-Minister Karl-Josef Laumann (r.).

Zum Gespräch begrüßte Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder (l.) diesmal NRW-Minister Karl-Josef Laumann (r.). © HWK Dortmund/Andreas Buck

Christian Sprenger, der von vielen fehlenden Bewerbungen in seinem Betrieb, der Walter Viet Stahl- und Metallbau GmbH, berichtete, stimmte dem zu: „Es fehlt an Begeisterung für das Handwerk.“ Die müsse bei jungen Menschen wieder geweckt werden. Und das gehe seiner Meinung nach vor allem dann, wenn man das Handwerk bereits bei den Kleinsten etabliere.

„Die Kreishandwerkerschaft veranstaltet jedes Jahr einen Malwettbewerb für Kindergartenkinder, der sie in unterschiedliche Berufsgruppen schnuppern lässt. Die positive Resonanz ist enorm.“

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Das sind die Lösungs-Ansätze

Das freilich reicht nicht aus, um das Handwerk für eine neue Generation wieder sexy zu machen. Folgende Ansätze wurden formuliert:

  • Schüler sollen noch mehr in die Betriebe hineinschnuppern. „Wir müssen die betrieblichen Phasen vermehren, damit es zu einer Klebewirkung kommt“, sagte Kammerpräsident Berthold Schröder.
  • Investition in überbetriebliche Ausbildungsstätten. „Die müssen attraktiv und modern sein. In Dortmund haben wir da gerade mit Hilfe des Landes NRW viel investiert“, so Schröder.
  • Investition in die Berufsschulen: „Die sind in NRW regional unterschiedlich ausgestattet. Es gibt welche, die einen guten Handwerker dringend nötig hätten“, sagte Karl-Josef Laumann.
  • Die Betriebe müssen sich attraktiv darstellen. „Jeder muss sich fragen: wie stelle ich meinen Betrieb so dar, dass ich auf junge Menschen sexy wirke“, sagte Minister Laumann.
  • Moderne Personalführung: „Gutsherren-Art hat in der modernen Ausbildung nichts mehr verloren“, sagte Kreishandwerksmeister Sprenger.
  • Besserstellung der betrieblichen Ausbildung gegenüber der akademischen Ausbildung. „Jeder Student“, sagte Christian Sprenger, „bleibt den Eltern mitversichert und erhält ein Semesterticket, das günstiger ist als das Ausbildungsticket. Der Azubi im Handwerk ist selbst versicherungspflichtig.“
  • Mehr Hilfen bei der Berufsorientierung. „Es gibt so viele Möglichkeiten für den Berufseinstieg, deshalb sind viele Jugendliche desorientiert und es ist schwer für sie durch den Dschungel zu kommen“, sagte Heike Bettermann. Allein im Handwerk gibt es 130 Ausbildungsberufe. Gerade in diesem Corona-Jahr habe sich gezeigt, wie wichtig die persönliche Ansprache durch die Berufsberater in den Schulen und das gegenseitige Kennenlernen von Betrieben und Bewerbern auf Ausbildungsmessen sei. Die digitalen Ersatzangebote seien da weniger erfolgreich gewesen.
  • Azubis als Paten für Schulabgänger. „Man müsste Azubis gewinnen, die sich Schülern annehmen. Dann hätte man eine Ansprache auf Augenhöhe. Als Zeichen der Wertschätzung müsste man diese Azubis auch mit Geld aus einem Förderfonds bezahlen“, schlägt Heike Bettermann vor.

Handwerk muss eine Fachkräftekrise vermeiden

Für das Hier und Jetzt wurde von allen Gesprächsteilnehmern betont, dass immer noch ein Ausbildungsstart möglich ist. „Wir werden alles dafür tun, um bis Januar noch möglichst viele junge Menschen in eine duale Ausbildung zu bringen“, sagte Minister Laumann. „Kein junger Mensch sollte aufgrund der Corona-Pandemie auf eine Ausbildung verzichten müssen.“

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„Die Ausbildung von jungen Menschen ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe“, so Berthold Schröder. „Sonst folgt auf die Corona-Krise eine weitere Fachkräftekrise“, sagte er.

Handwerk live

Live Stream im Internet abrufbar


  • Das Gespräch wurde am Donnerstag, 29. Oktober, live auf YouTube übertragen. Die Zuschauer konnten aktiv und ganz bequem von überall dabei sein und ihre Fragen an die Gesprächsteilnehmer richten.
  • Das Round-Table-Gespräch kann auf der Internetseite der Handwerkskammer noch einmal in voller Länge nachverfolgt werden.
  • Auch weitere Informationen zur Ausbildung und aktuellen Corona-Verordnungen gibt es unter: www.hwk-do.de
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