So will die Bahn Verspätungen am Hauptbahnhof bekämpfen

Fünf Koordinatoren

Fünf sogenannte Knotenkoordinatoren bekämpfen am Hauptbahnhof Ursachen für Zugverspätungen. Wir erklären, wie sie für mehr Pünktlichkeit sorgen wollen - und welche Ursachen sie schon gefunden haben.

DORTMUND

, 29.07.2016, 11:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Durch den Umbau des Hauptbahnhofs durch die Deutsche Bahn werden rund neun Hektar ihrer Brachflächen für Umplanungen frei.

Durch den Umbau des Hauptbahnhofs durch die Deutsche Bahn werden rund neun Hektar ihrer Brachflächen für Umplanungen frei.

Am Dortmunder Hauptbahnhof sollen in Zukunft 90 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich abfahren. Dafür hat im März dieses Jahres eines von zehn „Plan-Start-Teams“ den Kampf gegen Verspätungen aufgenommen. Der ist allerdings alles andere als leicht zu gewinnen.

72 „Knotenkoordinatoren“ sind an den zehn „Knotenbahnhöfen“ im Einsatz, fünf davon in Dortmund. Das Team analysiert Ursachen für verspätete Abfahrten und entwickelt Lösungen. Der Bahn zufolge haben 60 Prozent der verspäteten Abfahrten ihren Ursprung in den zehn verkehrsstärksten Bahnhöfen. Zu diesen zählt auch Dortmund.

Hauptbahnhof Dortmund ein besonders schwieriger Fall

Der hiesige Hauptbahnhof ist ein besonders schwieriger Fall: Die Bahnsteige und die Treppen seien dort sehr eng, oft stauten sich ein- und aussteigende Menschen vor den Gleisen und das behindere die Sichtverbindung zwischen Lokführer und erstem Zugbegleiter, erklärt Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW, auf Anfrage dieser Redaktion.

Züge des Fernverkehrs dürften nämlich erst starten, wenn der erste Zugbegleiter sein Signal gegeben habe. Im Nahverkehr mache das ein elektronisches System.

„Ein weiteres Problem bei Zügen des Fernverkehrs ist, dass die Fahrgäste aufgrund der schmalen Türen und der Stufen in den Zügen längere Zeit zum Ein- und Aussteigen brauchen“, so Ebbers. Gegen solche Faktoren könne das Plan-Start-Team nichts ausrichten, dafür bräuchte es neue Züge.

Allerdings gibt es für Zugverspätungen viele Faktoren: Zum Beispiel, wenn eine Bahn ein Gegengleis kreuzen muss, dieses aber gerade für einen anderen Zug gesperrt ist. Und das komme in Dortmund relativ häufig vor, sagt Ebbers. Einige Maßnahmen, um Verspätungen entgegenzuwirken, werden in Dortmund bereits angewandt. Beispielsweise die „Kurzwende“ für ICE. Das bedeutet, dass verspätete ICE in Dortmund nicht mehr – wie früher – zur Reinigung und Wende in den Betriebsbahnhof fahren. Stattdessen steige das Reinigungspersonal direkt am Gleis im Hauptbahnhof ein, und der Zug wende dort. So spare man Zeit, erklärt eine Bahn-Sprecherin.

Zudem hätten die Koordinatoren einen weiteren Zeiträuber gefunden: Ein verspäteter IC aus Hamburg blockierte regelmäßig eine Zugkreuzung und verhinderte so die pünktliche Abfahrt eines anderen ICE in Dortmund. Dieser werde nun früher bereitgestellt und könne pünktlich losfahren. Am Hauptbahnhof fahren im Durchschnitt täglich 750 Züge ab (Fernverkehr und S-Bahnen).

Koordinatoren bis 2018 im Einsatz

Zunächst sind die Teams bis 2018 im Einsatz. Bis dahin sollen an allen zehn Knotenbahnhöfen 90 Prozent der Züge im Fernverkehr planmäßig abfahren. In Dortmund sei dies zurzeit bereits der Fall, durch Baumaßnahmen könne sich diese Zahl allerdings wieder ändern, sagt die Bahn-Sprecherin. Ob es am Dortmunder Hauptbahnhof wirklich so gut läuft, lässt sich derzeit nicht überprüfen. Zu Verspätungen im Fernverkehr gibt es keine detaillierten Daten.

„Ob die Maßnahmen der Plan-Start-Teams positive Auswirkungen auf den Nahverkehr haben, können wir noch nicht sagen“, erklärt VRR-Pressesprecherin Sabine Tkatzik. Auch hier fehlen aktuelle Daten. Ebbers hält den Einsatz der Plan-Start-Teams aber für „durchaus sinnvoll“.

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