„Wir können die Kinder ja schlecht einfrieren"

rnSOS Kinderdorf Dortmund

Das SOS Kinderdorf Dortmund existiert erst seit sechs Monaten - drei davon im Ausnahmezustand. Mitarbeiter von der Anstrengung, den Kindern in der Krise die heile Welt zu bewahren - so gut es eben geht.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 15.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Januar 2020 nahm das SOS Kinderdorf am Dortmunder Standort Kronprinzenstraße 89-93 seine Arbeit auf. Diese Arbeit gliedert sich in zwei Teile: die stationäre Unterbringung sowie die Kita.

Kita-Leiterin: "Plötzlich wollten alle Eltern systemrelevant sein."

Labieba Dydas ist die Leiterin der SOS-Kita "Krönchen". Das imposante Holz-Gebäude wurde im Januar 2020 inoffiziell für eröffnet erklärt.

In den ersten drei Monaten hatte sich zügig ein Kontingent von 60 zu betreuenden Kindern entwickelt. Dann - das war im März - musste die Kita wegen der Corona-Pandemie bis auf die übliche Ausnahme geschlossen werden:

"In der Zeit der Schließungen sämtlicher Einrichtungen haben wir natürlich eine Notfallbetreuung gewährleistet für Kinder von Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten", sagt Dydas.

Dieses Plakat zeigt den Holzbau der Kita Krönchen, die zum neuen SOS Kinderdorf Dortmund gehört. Im Juni sollte öffentlichkeitswirksam mit einer Feier eröffnet werden.

Dieses Plakat zeigt den Holzbau der Kita Krönchen, die zum neuen SOS Kinderdorf Dortmund gehört. Im Juni sollte öffentlichkeitswirksam mit einer Feier eröffnet werden. © Daniel Reiners

Diese Notbetreuung sei gut angenommen worden, auch wenn die neuen Abstands – und Hygienemaßnahmen für alle Beteiligten gewöhnungsbedürftig gewesen seien. Gerade die Kinder hätten Zeit gebraucht, um sich damit zu arrangieren.

In der Anfangszeit sei dann auch rege unter den Mitarbeiterinnen diskutiert worden, welche Berufe denn überhaupt Anrecht auf Notbetreuung hätten und welche nicht. Im Miteinander hätten Eltern und Kita die Situation aber immer ausklügeln können.

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Nachdem die Kita dann von behördlicher Seite wieder öffnen durfte, hätten sich diese Diskussionen zwar von selbst erledigt. Allerdings seien neue Herausforderungen dazugekommen. Fortan wurden die anwesenden Kinder in kleine Gruppen unterteilt. Oberstes Ziel: "Die Kinder trotz Hygiene-Maßnahmen den Stress nicht spüren lassen."

„Wir würden mit den Kindern in Quarantäne gehen."

Detlef Palme ist Bereichsleiter des stationären Bereiches des SOS Kinderdorfs Dortmund. Ein Wohnhaus neben dem Kita-Gebäude bietet Platz für 13 Kinder von 4-7 Jahren, denen ein elterliches Zuhause zuweilen nicht vergönnt ist.

„Die Kinder, die hier rund um die Uhr betreut werden, sind Stress gewohnt, kennen das teilweise gar nichts anderes in ihrem Leben", sagt Palme. Deshalb sei es in der aktuellen Situation das wichtigste, nicht auch noch vonseiten der Betreuer Stress auszustrahlen. Während in anderen Berufen etwa Homeoffice-Arbeit eine Alternative wäre, komme es in der Kinderbetreuung auf den zwischenmenschlichen Kontakt an. „Wir können die Kinder ja schlecht einfrieren, bis die Krise überstanden ist“, so Palme.

In diesem Gebäude des SOS Kinderdorfs Dortmund wohnen 13 Kinder Jahren. Hier werden sie so lange betreut, bis sich eine Alternative für ihren weiteren Weg ergeben hat.

In diesem Gebäude des SOS Kinderdorfs Dortmund wohnen 13 Kinder zwischen 4-7 Jahren. Hier werden sie so lange betreut, bis sich eine Alternative für ihren weiteren Weg ergeben hat. © Daniel Reiners

Wie sehr die Betreuer, die allesamt ausgebildete Pädagogen, Psychologen, Lehrer oder ähnliches sind, darum bemüht seien, den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln, sehe man laut Palme an dem Notfallplan, der im Team entwickelt wurde und im Falle einer positiven Coronainfektion innerhalb des stationären Bereich umgesetzt worden wäre:

„Hätte es hier einen positiven Fall gegeben, wären die Betreuer mit den Kindern zusammen in Quarantäne gegangen, damit das Vertrauensverhältnis nicht abreißt“, so Palme. Das sei ein Engagement, das über den beruflichen Bereich hinaus gehe.

Dieser Bericht wurde am 17.7 korrigiert. Die Zahl der betreuten Kinder beträgt nicht 80, sondern 60. Ein Zitat von Labieba Dydas wurde angepasst.

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