Sohn getötet: "Den Schmerz nimmt uns niemand"

Mutter verzweifelt

Steven wurde nur 28 Jahre alt. Der junger Dortmunder wurde am Wochenende in der Nordstadt getötet. Seine Mutter Steffi Gerlach erfuhr erst am Montagnachmittag vom Tod ihres Sohnes. In ihrer Trauer und Verzweiflung rief sie bei uns an - mit einer Bitte.

LICHTENDORF/NORDSTADT

, 04.08.2016, 03:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sohn getötet: "Den Schmerz nimmt uns niemand"

Dies ist eins der letzten Fotos, die Steven zeigen: Der 28-Jährige sitzt hier hinter dem Haus seiner Mutter in Lichtendorf, wo er zwei Tage vor seinem Tod noch bei der Gartenarbeit geholfen hatte.

2008 verlor Steven seinen Vater, an dem er so sehr hing. An den Tod ihres Mannes denkt auch Stevens Mutter Steffi Gerlach aus Lichtendorf heute noch. Seit Montag muss sie einen weiteren Tod verkraften – den ihres Sohnes. Den Tod von Steven, der nur 28 Jahre alt wurde.

Der junge Mann aus der Nordstadt ist der Mann, der am Freitag oder Samstag (29., 30. 7.) in einer Wohnung in der Kielstraße mit massiver Gewalt getötet worden ist. Die Polizei konnte einen 42-Jährigen als Verdächtigen festnehmen. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.

Am Mittwoch hatte Steven noch im Garten geholfen

„Hast du was von Steven gehört?“ – ein Anruf von Stevens Freundin hatte bei Steffi Gerlach (50) erste Sorgen ausgelöst. Ihr Sohn, der zuletzt am Mittwoch bei der Gartenarbeit geholfen hatte, reagierte nicht auf Anrufe. Die Mutter schrieb Steven auch mehrfach über den Kurznachrichtendienst „WhatsApp“ an. Doch der Dienst meldete am vergangenen Samstag nicht einmal, wie sonst üblich, die Lesebestätigungen. Eigentlich reagierte Steven immer schnell auf WhatsApp-Nachrichten.

Einen Tag später, am Sonntag, öffnete die besorgte Familie mit einem Zweitschlüssel die Wohnung Stevens‘ in der Nordstadt. Sie fanden den Personalausweis, die Scheckkarte und die Krankenkassenkarte und fütterten die hungrige Katze. Doch einen Hinweis auf Stevens Aufenthaltsort entdeckten sie nicht. Was sie nicht wussten: Steven war zu diesem Zeitpunkt längst tot und in der Gerichtsmedizin obduziert worden.

"Nichts bringt uns meinen Sohn zurück"

Von dem gewaltsamem Tod erfuhr Steffi Gerlach erst am Montagnachmittag (1. 8.), nachdem die Freundin, ihr zweiter Sohn Andy und ihr Lebensgefährte mehrere Kontakte zur Mordkommission hatten. Zustande kamen die Kontakte über Stevens Freundin: Sie hatte den 28-Jährigen als vermisst gemeldet und der Polizei mehrere Fotos übergeben. Damit sie die Bilder mit dem anfangs unbekannten Toten aus der Nordstadt abgleicht.

Steffi Gerlach sagt nicht nur „mein Sohn“ oder „Steven“, wenn sie über ihren Jungen spricht. Sie sagt auch „mein Kind“. Das Leid, das sie ertragen muss, ist unendlich groß. Ihre Gefühle kann sie kaum in Worte fassen. „Nichts bringt uns meinen Sohn zurück. Diesen großen Schmerz nimmt uns niemand“, sagte sie am Dienstag. Der Zusammenhalt in der Familie ist dabei deutlich spürbar.

Geld für Stevens Beerdigung fehlt

Am Dienstag hatte sie in unserer Redaktion angerufen und um Hilfe gebeten. Denn ihr fehlt das Geld für Stevens Beerdigung. Weil sie in diesem Jahr bereits eine Bestattung eines weiteren Familienmitglieds bezahlen musste. Steven soll in einer Familiengruft in Berghofen beigesetzt werden. Dort liegen bereits seine Großeltern.

Vor einem Gespräch am Dienstag in Lichtendorf bat unsere Redaktion die Opferhilfe „Der Weiße Ring“ um Rat. Rolf Wagemann von der Außenstelle Dortmund konnte schon oft helfen – und stellt das auch in diesem Fall in Aussicht: „Ganz klar: Wir können helfen. Die Familie hat Ansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz, so dass wir die Bestattungskosten decken können. Darüber hinaus prüfen wir weitere Hilfsangebote, die den Angehörigen weiterhelfen können.“

Lesen Sie jetzt