Soll Straßenmusik stärker kontrolliert werden?

Pro & Contra

Wer öfter auf dem Westen- und Ostenhellweg flaniert, sieht und hört immer wieder dieselben Straßenmusiker: Mit Panflöte, Akkordeon oder der klassischen Gitarre. Anwohner des Westenhellwegs haben jetzt eine Online-Petition gegen die Dauerbeschallung durch Straßenmusik gestartet. Nervig oder eine Bereicherung? Was meinen Sie?

DORTMUND

, 28.01.2017, 02:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Soll Straßenmusik stärker kontrolliert werden?

Auf dem Westen- und Ostenhellweg spielen viele Straßenmusiker - kombiniert klingt die Musik dann aber oft nicht mehr harmonisch.

Auch wenn die Petition so laut überschrieben ist, wie die Straßenmusik zuweilen schallt – „Schluss mit Musikterror der Straßenmusiker in Dortmund“' type='' href='https://www.change.org/p/dortmund-oberb%C3%BCrgermeister-schluss-mit-dem-musikterror-der-stra%C3%9Fenmusiker-in-dortmund – sind Michael und Harald Weiss nicht gegen Straßenmusik an sich, wie sie betonen. Nein, es ist der oftmals eintönige Lärm, der ihnen täglich zwischen 10 und 22 Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen, unter ihrem Fenster im dritten Stock zu schaffen macht. Außerdem werde die Musik zwischen Karstadt und der Krügerpassage wie in einer Konzertmuschel verstärkt, so Michael Weiss. Manchmal vermische sich sogar das Gedudel von zwei unterschiedlichen Musikanten. „Das kommt dann bei uns oben als Kakofonie an.“

Das "Münchner Modell" als Lösung?

Von 2006 bis 2013 haben die Initiatoren in München gelebt. Dort müssen Straßenmusikanten erst drei verschiedene Stücke bei der Münchner Stadtinformation vorspielen, wie eine Sprecherin der bayerischen Landeshauptstadt auf Anfrage bestätigte. Der Mitarbeiter, der dort Frühdienst habe, entscheide dann „nach gesundem Menschenverstand“, ob die Musik anderen auf Dauer zuzumuten ist. Außerdem werden nur zehn Lizenzen pro Tag verteilt, für morgens fünf und nachmittags fünf. Das laufe gut dort, bestätigt Michael Weiss.

Auch in Dortmund gibt es seit Mai 2015 verschärfte „Spielregeln“ für Straßenmusikanten. Wer sich nicht dran hält, dem drohen Verwarn- oder Bußgelder. Trotzdem, so Michael Weiss, halten sich viele Straßenmusikanten weder an die maximale Spieldauer von einer halben Stunde, noch an die vorgeschriebenen Ruhezeiten in den zweiten 30 Minuten einer vollen Stunde und auch nicht an den 150-Meter-Abstand zum neuen Standort.

Das Ordnungsamt kontrolliere, versichert Stadtsprecher Michael Meinders, doch könne es nicht drei bis vier Leute dafür abstellen. Für Mai sei eine Auswertung der bisherigen Regeln geplant. Bei weitergehenden Maßnahmen könne auch das Münchener Modell eine Option sein, sagt Meinders.

Was denken Sie?

Dass Anwohner von einer Dauerbeschallung genervt sind, ist verständlich. Aber soll die Straßenmusik deshalb eingeschränkt und überwacht werden? Immerhin bleiben auch viele Menschen gerne stehen und hören den Musikern zu. Was denken Sie?

Das sagen unsere Autoren zu der Diskussion:

Peter Bandermann: Keine Musiküberwachungsbehörde!

Ja, Musik kann nervig sein. Aber wer soll beurteilen, wann Musik gut oder schlecht ist und wann sie nervt? Das Ordnungsamt? Büroangestellte? Passanten?

Klar, für das Großstadt-Leben muss es Regeln geben. Aber wenn wir jetzt anfangen, auch die Straßenmusik noch stärker regulieren zu wollen, muss auch die Frage nach mehr Kontrollen gestellt werden.

Was zu mehr Aufgaben im Ordnungsamt führen würde. Sollten wir keine anderen Probleme in Dortmund haben: Okay, dann befördern wir das Amt zur Musiküberwachungsbehörde. Statt nach dem Staat zu rufen, könnten Trommler und Panflötenspieler zunächst einfach persönlich angesprochen werden: „Sorry, ist zu laut, könnten Sie bitte weiterziehen?“

Gaby Kolle: Mehr Kontrollen gegen Zwangsbeschallung

Es geht nicht in erster Linie um die Qualität der Musik, sondern um die Dauerbeschallung. Weniger die Passanten, aber die Anwohner, Geschäftsleute und ihre Angestellten leiden unter der Zwangsbeschallung, wenn sich Straßenmusiker nicht an die Regeln halten und obendrein über ein sehr eingeschränktes Repertoire verfügen.

Eine Meldekarte, sozusagen eine Lizenz zum Flöten, könnte hilfreich sein; denn damit würden die Straßenmusiker dokumentieren, dass sie die Vorschriften zur Kenntnis genommen haben. Ein bürokratisches Instrument zwar, das aber – verbunden mit einer Qualitätskontrolle –  den Musikern der Straße zu höherer Wertschätzung verhelfen könnte. Geld käme dann möglicherweise von Herzen und nicht dafür, dass man aufhört zu spielen.

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