Sommerferien am Dortmunder Flughafen: Corona hinterlässt Spuren

rnFlugreiseverkehr während Corona

Der Dortmunder Flughafen gibt derzeit ein ungewöhnliches Bild ab: Es herrscht Corona-Betrieb inmitten der Urlaubssaison. Ein Besuch vor Ort.

Dortmund

, 23.07.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Bitte halten Sie Abstand“, heißt es auf den gelben Schildern, die in 1,5 Metern Entfernung voneinander auf den Fliesenboden des Dortmunder Flughafens geklebt sind. Leichte Spuren von Kofferrollen weisen auf einen regen Betrieb vor Ort hin. Sommerferien, Urlaubszeit - eigentlich sollte Hochsaison herrschen. Doch von Hochbetrieb ist momentan nicht allzu viel zu spüren, finden Reisende.

„Solange es erlaubt ist, möchte man auf den Urlaub auch nicht verzichten“

„Es ist sehr, sehr wenig los, sonst ist hier schon mehr. Aber wir finden das ganz entspannt so“, berichtet eine Frau, die ihren Namen aus Medienberichten lieber raushalten möchte. Zusammen mit ihrer Familie verreist sie. Nach Danzig soll es gehen, dort werden sie Verwandtschaft besuchen - wie jedes Jahr.

Den Dortmunder Flughafen kennen sie gut. In diesem Jahr müssen sie sich der aktuellen Situation anpassen: „Es ist natürlich anders, aber wir machen das Beste draus“, so die zweifache Mutter. Sorgen um eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus mache sie sich nicht.

„Ich arbeite im Einzelhandel und habe täglich mit sehr vielen Menschen zu tun. Da schreckt mich das Fliegen nicht ab“, meint sie. Der Vater pflichtet ihr bei: „So lange es erlaubt ist, möchte man auf den Urlaub auch nicht verzichten.“

Am Flughafen gelten die üblichen Regeln zur Eindämmung der Infektionsgefahr.

Am Flughafen gelten die üblichen Regeln zur Eindämmung der Infektionsgefahr. © Tabea Prünte

Die zwei Söhne sind schon auf dem Weg zur Schlange, die in den Sicherheitsbereich hineinführt. Die Eltern eilen mit dem Gepäck hinterher und reihen sich ein. Elf Personen warten dort insgesamt.

Es ist die längste und momentan, an diesem Mittwochmorgen, auch die einzige Schlange im gesamten Terminalbereich. Schnell ist die junge Familie abgefertigt und hinter der Glasscheibe des Sicherheitsbereichs in Richtung Gate verschwunden.

Abstand halten leicht gemacht

Wozu sich auch länger in der Eingangshalle aufhalten? Die Cafés haben ohnehin geschlossen. „Wir hatten gehofft, dass wir noch etwas essen und trinken können“, erzählt eine Reisende. „Aber es hat leider alles zu.“

Nun sitzt sie zusammen mit ihrer Reisebegleitung auf dem Boden der Eingangshalle. Sie haben noch etwas Zeit. „Es ist schon sehr leer hier, aber da wir vorher noch nie in Dortmund am Flughafen waren, haben wir natürlich keinen Vergleich“, so die Reisende.

Auch am Flughafen gilt: Abstand halten.

Auch am Flughafen gilt: Abstand halten. © Tabea Prünte

Vereinzelt sind Familien, sonst auch viele Einzelpersonen unterwegs. Abstand halten gestaltet sich als recht unkompliziert, denn von großen Menschenmengen kann im Moment ohnehin kaum die Rede sein.

Ähnlich sieht es auch in der Ankunft-Halle aus. Einige Flüge sind am frühen Vormittag schon am Flughafen gelandet, darunter auch ein Flug aus Mallorca. Als nächstes wird nun der Flug aus der polnischen Stadt Szymany erwartet.

Flugreisen wieder möglich

Auf diesen Flug wartet Malgorzata Szalpuk, denn in der Maschine sitzt ihr Mann. Sie lebt in Deutschland, ihr Mann kommt jedoch aus Polen - aufgrund der Coronapandemie konnte sich das Paar in den letzten Wochen kaum sehen.

„Im Juni war ich zuletzt bei ihm in Polen, aber da bin ich 16 Stunden mit dem Auto gefahren“, erzählt sie. Vor einiger Zeit gingen gar keine Flüge, später dann waren sie noch deutlich zu teuer. „Dass das Fliegen generell wieder erlaubt ist, erleichtert aber natürlich vieles“, so Szalpuk.

Margorzata Szalpuk wartet in der Ankunftshalle des Flughafens auf ihren Mann.

Margorzata Szalpuk wartet in der Ankunftshalle des Flughafens auf ihren Mann. © Tabea Prünte

Nach und nach kommen die Ankommenden aus dem Sicherheitsbereich. Auch Szalpuk steht nun auf und begrüßt ihren Mann. Eine gemeinsame Woche liegt vor ihnen, bevor ihr Mann erneut den Rückflug vom Dortmunder Flughafen aus antreten wird.

„In Polen wurde unsere Körpertemperatur gemessen und wir haben Zettel ausgefüllt, aber sonst war eigentlich alles normal“, berichten andere Reiserückkehrer. „Nur saßen wir natürlich mit Maske im Flugzeug, sonst war nichts außergewöhnlich.“

Taxifahrer leiden vermehrt unter der Krise

Eine kleine Menschenansammlung bildet sich nun doch: Sie stehen vor dem Kassenautomaten der Parkplätze. Zum Leidwesen von Taner Tan und seinen Kollegen. Sie sind Taxifahrer und warten am Ausgang des Flughafens auf Kundschaft.

Der verminderte Betrieb in Zeiten der Coronapandemie setzt ihnen zu. „Seit fünf Uhr heute früh sind wir schon hier und hatten bisher erst eine Fahrt“, so Tan. „In den Sommerferien ist sowieso immer weniger los als sonst, da die Pendler und Berufsreisenden wegfallen“, sagt er. „Durch Corona ist die Situation aber noch schlimmer geworden.“

Den Taxifahrern Tolga Gezer und Taner Tan fehlt aufgrund des verminderten Reisebetriebs die Kundschaft.

Den Taxifahrern Tolga Gezer und Taner Tan fehlt aufgrund des verminderten Reisebetriebs die Kundschaft. © Tabea Prünte

Normalerweise liege die durchschnittliche Wartezeit bis zur nächsten Fahrt bei zwei bis drei Stunden - momentan seien es bis zu sechs. „Das nimmt man nur in Kauf in der Hoffnung auf eine dicke Fahrt.“

Sieben Fahrzeuge stehen am Rand des Parkbereichs, doch potenzielle Mitfahrer sind nicht in Sicht. Die Taxifahrer blicken dem Tag trotzdem weiterhin positiv entgegen: „Vielleicht kommt ja noch eine weite Fahrt, durch die der Tag gerettet wird.“

Kein „Rambazamba“ wie auf Mallorca

Nikole Ziebes nimmt statt einem Taxi den Bus. Sie ist mit dem Flug aus Polen gekommen und macht zwei Wochen Urlaub in Deutschland. „Ich hätte gedacht, dass jeweils ein Platz frei bleibt zwischen den Passagieren, das war aber nicht so“, erzählt sie. „Dafür ging aber dann alles schneller als gedacht. Vielleicht auch, weil insgesamt weniger los war“, überlegt sie.

Die Coronapandemie wirkt sich auch auf den Sommerferien-Betrieb am Dortmunder Flughafen aus.

Die Coronapandemie wirkt sich auch auf den Sommerferien-Betrieb am Dortmunder Flughafen aus. © Tabea Prünte

Im Laufe des Vormittags wird es doch etwas voller in der Eingangshalle. Der Check-In für den Flug nach Danzig wird bald geschlossen. „Man hat natürlich davon gehört, was zum Beispiel auf Mallorca für ein Rambazamba stattgefunden hat“, sagt ein älterer Herr. Er ist auf dem Weg zu seiner Nichte. „Aber ich mache natürlich kein Heidewitzka. Ich werde mich einfach erholen.“

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt