Songs, die man falsch versteht – oder: Wer ist Agathe Bauer?

rnGlosse: Unter Uns Dortmundern

Sie hören einen Hit im Radio und verstehen nur Bahnhof? Serien sollen im Original besser sein als synchronisiert? Stimmt sicher, aber: Wer ist eigentlich Agathe Bauer?

Dortmund

, 25.07.2019, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kennen Sie Agathe Bauer? Ich kannte sie nur vom Namen her, dachte mir aber, sie müsse wichtig sein. Damals, ich war, glaube ich, zehn Jahre alt, hat ihr die Band SNAP! einen Song gewidmet. Zu heftigen Eurodance-Beats rief immer wieder eine kräftige Frauenstimme: Agathe Bauer! Wer mag das sein, fragte ich mich und viele andere fragten sich das auch.

Ein paar Englisch-Stunden später wurde mir dann klar: Die Band singt eigentlich „I‘ve got the Power!“ – Ich habe die Kraft. Mein Kinder-Englisch-Hörverstehen hörte eben das Bekannte.

Radio-Rubriken beschäftigen sich damit

Übrigens bin ich nicht allein: Viele Menschen hören in dem Song den Namen Agathe Bauer. So soll seinerzeit eine Zuhörerin bei RTL Radio angerufen haben, um eben den Song Agathe Bauer zu bestellen. Daraus entstand eine Rubrik, bei der der Sender regelmäßig seine Zuhörer dazu aufrief, Songverhörer zu nennen.

Radiosender in der ganzen Republik haben dann eine Masche draus gemacht – und bitten ihre Hörer nun, die besten Agathe-Bauer-Songs vorzustellen, also fremdsprachige Songs, bei denen wir eine ganz andere deutsche Bedeutung heraushören.

Schaut man auf der Internetvideo-Plattform Youtube nach Agathe-Bauer-Songs, findet man viele Beispiele. Viele bekannte Künstler sind darunter, die vermeintlich deutsche Begriffe in ihr Lied geschmuggelt haben. Prince etwa singt in seinem Klassiker Kiss bei Minute 1:20 „Blöde Mama“. Die Beach Boys singen „Wo unsere Fahrräder stehen“ bei Surfin USA im Refrain.

Man spricht dabei von Mondegreens

Es gibt sogar einen Begriff für diese typischen Verhörer. Man nennt sie Mondegreens. Die amerikanische Autorin Sylvia Wright hatte dieses Phänomen beschrieben. Bei ihr ging es um einen schottischen Song, bei dem sie „Lady Mondegreen“ verstanden hatte, dabei heißt es an der Stelle „And laid him on the green“. Da das Schottische anders klingt als das Amerikanische, war der Verhörer vorprogrammiert.

Übrigens gibt es ein ähnliches Phänomen auch in schriftlicher Form. Liest man Schulzentrum ohne einen gedanklichen Bindestrich und der Betonung auf die erste Silbe, braucht man lange, um die Wortbedeutung zu erfassen. Vielleicht kommt man ja auf Schul-Zentrum.

Noch besser gefällt mir das Wort Urinstinkt. Das spricht meine niederen Instinkte an, wenn – mit falscher Betonung gelesen – Urin stinkt dabei herauskommt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Serie: Legendäre Dortmunder Bands
Too Strong und die „Silo Nation“: Wie Dortmund den deutschen Hip-Hop nach vorne brachte