In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

Sorry, not sorry – Ich will nicht jeden daher gelaufenen Typen!

Häufig nennen Singles Ausreden, um eine Anmache schnellstmöglich zu beenden. Das ist ein großer Fehler, findet unsere Autorin. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Am Samstag war ich gemeinsam mit meiner besten Freundin in einem Restaurant in der Dortmunder Innenstadt Cocktails trinken. Über den Abend betraten immer mehr Gäste das Lokal, darunter eine Gruppe von vier Männern. Sie waren ungefähr in unserem Alter und haben sich an den Tisch direkt gegenüber von uns gesetzt. Bereits nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass einer von ihnen ständig zu mir rüber sah.

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Eine Ausrede hat mehr Wirkung als ein „Nein“

Ehrlich gesagt habe ich den Blickkontakt jedoch nicht mit ihm gesucht. Erstens wollte ich einen schönen und ungestörten Abend mit meiner Freundin verbringen. Zweitens war er nicht mein Typ. Er sah aus wie Justin Bieber in seiner Jugend: Ein schmächtiger Mann mit einem Milchbubi-Gesicht, dessen brauner Pony seine gesamte Stirn verdeckte.

Einige Zeit und mindestens zwei Cocktails später stand er auf und kam direkt auf unseren Tisch zu. Der Doppelgänger von Justin Bieber, wie ich ihn liebevoll nenne, fragte mich und meine Freundin, ob wir uns zu ihm und seinen Jungs setzen möchten. Wir verdeutlichten ihm freundlich, dass wir den Abend zu zweit genießen wollen. Doch er ließ nicht locker: „Unter euch könnt ihr immer sein und mit uns ist es sowieso viel lustiger“.

Erneut mussten wir ihm klarmachen, dass es für uns nicht infrage kommt, den Tisch zu wechseln. Als wäre die Situation nicht ohnehin schon maximal unangenehm, hat er mich dann noch um meine Handynummer gebeten, damit wir „den Abend zu einem anderen Zeitpunkt nachholen“ können. Da er mein „Nein“ nicht akzeptieren wollte, habe ich die Ausrede erfunden, in einer festen Beziehung zu sein. Daraufhin entschuldigte er sich und kehrte uns zügig den Rücken zu.

„Mein Single-Dasein bedeutet nicht, dass ich jeden kennenlernen möchte, der nicht bei drei auf dem Baum sitzt“

Am Ende helfen Ausreden niemanden weiter

Seither bereue ich meine Ausrede – nicht, weil ich den Typen aus der Bar wiedersehen möchte, sondern weil ich nicht ehrlich war. Statt zu sagen, dass ich in einer Beziehung bin, hätte ich mich schlagfertig wehren sollen. „Nein, ich möchte mich weder zu dir setzen noch möchte ich dir meine Nummer geben. Eine Begründung muss ich dir dafür nicht liefern“, wäre eindeutig eine bessere Antwort gewesen.

Ich muss schließlich nicht in einer Beziehung sein, um einen Mann abzuweisen. Denn mein Single-Dasein bedeutet nicht, dass ich jeden kennenlernen möchte, der nicht bei drei auf dem Baum sitzt. Die Wahrheit ist nur leider, dass die Ausrede „Tut mir leid, ich habe einen Freund“ mehr wirkt als ein klares und verständliches „Nein“.

Das habe ich auch wieder deutlich von dem Doppelgänger von Justin Bieber zu spüren bekommen. Die gesamte Zeit wollte er nicht akzeptieren, dass ich keinen weiteren Kontakt zu ihm wollte. Als ich jedoch die Ausrede nannte, in einer Beziehung zu sein, hat er sich direkt respektvoll gezeigt – leider nur nicht mir, sondern seinem eigenen Geschlecht gegenüber, nämlich meinem vermeintlichen Freund.

Wir Singles sollten keine Ausreden mehr nutzen, um jemanden abblitzen zu lassen. Eine solche Lüge kann einen einseitigen Flirt zwar leichter und schneller beenden, jedoch hilft sie für die Zukunft niemandem weiter. Zum Beispiel hat der Doppelgänger von Justin Bieber durch mich bestimmt nicht gelernt, dass er ein einfaches „Nein“ akzeptieren muss. Er denkt weiterhin, dass eine Frau nur das Recht hat, ihn zurückzuweisen, wenn sie in einer Beziehung ist. Bei der nächsten Gelegenheit möchte ich mehr Verantwortung zeigen und mir keine sinnlosen Ausreden mehr ausdenken.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster