Sozial abgerutscht - so sollen Bövinghausen und Westrich aus der Misere geholt werden

rnHartz IV und Arbeitslosigkeit

Mehr Hartz -IV-Empfänger und eine Arbeitlosenquote, die langsamer sinkt als anderswo in der Stadt: Bövinghausen und Westrich sind ins soziale Hintertreffen geraten.

Westrich, Bövinghausen

, 30.05.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lütgendortmunder Bezirksvertreter hatten es schon länger befürchtet: Im Stadtteil Bövinghausen hat sich die soziale Situation verschlechtert. „Deshalb haben wir uns ja auch dafür eingesetzt, dass Bövinghausen in die Nordwärts-Kulisse aufgenommen wurde“, so Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp (SPD) in der Mai-Sitzung. „Nordwärts“ ist ein Zehn-Jahres-Projekt zur Stärkung der nördlichen Stadtbezirke Dortmunds.

Anlass der Diskussion war der „Bericht zur sozialen Lage in Dortmund 2018“. Hier taucht Bövinghausen zusammen mit Westrich als „auffälliger Sozialraum“ auf. Es handelt sich dabei also um eine gemeinsame Sozialstatistik für Bövinghausen und Westrich - obwohl die Stadtteile sehr unterschiedlich sind, was auch der große Stadtteilcheck dieser Redaktion ergab.

Der Grund dafür liegt schon eine Weile zurück: Ende der 1990er Jahre wurde das Stadtgebiet in 39 Sozialräume unterteilt. Diese Einteilung ist Grundlage für sozialpolitische Planungs- und Gestaltungsprozesse.

Die soziale Lage hat sich tendenziell negativ entwickelt

In Bövinghausen/Westrich also entwickelt sich die soziale Lage tendenziell negativ, heißt es in dem Bericht. Deshalb wird empfohlen, den Sozialraum in den Aktionsplan Soziale Stadt, der 2008 aufgestellt wurde, aufzunehmen. Bislang sind dort 13 Sozialräume „Mitglied“, weil bei ihnen die sozialen Problemlagen größer sind als im städtischen Schnitt.

Der Aktionsplan hat drei Hauptziele: Arbeit und Beschäftigung im Quartier fördern, Eltern und Kinder stärken und Kinderarmut bekämpfen sowie den sozialen Zusammenhalt im Quartier verbessern. Das soll mit verschiedenen Projekten gelingen. Fast 200 Projektideen wurden laut Sozialdezernentin Birgit Zoerner in den vergangenen Jahren in den verschiedenen Aktionsräumen umgesetzt.

In Westerfilde wurde zum Beispiel eine Bürgerwohnung eingerichtet, in der Schüler kostenlose Nachhilfe bekommen, und an der Friedensschule in Marten gibt es seit Jahren ein tägliches gesundes Frühstück für die Grundschüler.

Immer mehr Empfänger von Transferleistungen

Von ähnlichen Projekten sollen nun auch Bövinghausen und Westrich profitieren. Denn die Sozialstatistik macht hier Sorgen - insbesondere im Vergleich zu den Durchschnittswerten auf Aktionsraum- und städtischer Ebene:

1. Der Anteil an Empfängern von Transferleistungen (staatliche Unterstützung) lag 2017 bei 20,5 Prozent, das ist gegenüber 2007 eine Steigerung um 4,3 Prozentpunkte. Zum Vergleich: alle Aktionsräume 28,7 Prozent (+ 1,9) und städtischer Durchschnitt 16,9 Prozent (+ 0,8).

2. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist mit einem Plus von 4,1 Prozentpunkten weniger stark gestiegen als im Schnitt der Aktionsräume (+6,3) und stadtweit (+7,1).

3. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, im Vergleich allerdings weniger stark. 2017 lag der Anteil in Bövinghausen/Westrich mit 9,9 Prozent zwar unterhalb der Durchschnittswerte in den Aktionsräumen (12,3), aber über dem städtischen Vergleichswert (8,1). Der Rückgang liegt in Bövinghausen/Westrich im Vergleich zu 2007 bei nur -1,0 Prozentpunkten (Aktionsräume -3,9, Dortmund -2,5).

Auch viele Kinder sind betroffen

4. Der Anteil der SGB II-Empfänger (Hartz IV) ist überdurchschnittlich angestiegen. Die Zunahme von 3,3 Prozentpunkten ist deutlich höher als in den Aktionsräumen (+0,4) und stadtweit (-0,2). Insgesamt liegt der Wert in Bövinghausen/Westrich bei 21,7 Prozent, in den Aktionsräumen bei 29,2 und in Dortmund bei 17,8.

5. Auch der Anteil der Kinder unter 15 Jahren ist im SGB II-Leistungsbezug gestiegen: Bövinghausen/Westrich 36,5 Prozent (+6,3 Prozentpunkte), Aktionsräume 46,8 (+3,2) und Dortmund 30,2 (+1,4).

Ob und wann die Empfehlung des Sozialberichts umgesetzt wird, steht noch nicht fest. „In der zweiten Jahreshälfte 2019 wird ein ausführliches Beteiligungsverfahren gestartet, das die Grundlage für eine konkrete Entscheidung ist“, so Stadtsprecherin Anke Widow. Möglich seien beispielsweise Projekte, die auf die Bildung aller Kinder und Jugendlichen zielen. „In anderen Aktionsräumen wurden in diesem Bereich gute Erfolge unter anderem mit Mentoringprojekten erzielt.“ Die Politiker setzen auf eine schnelle Umsetzung. Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, haben sie einen entsprechenden Antrag gestellt.

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