Soziologe untersucht Loveparade

DORTMUND Der Dortmunder Soziologe Prof. Ronald Hitzler erforscht Jugendszenen. An der Loveparade nimmt der 58-Jährige als Forscher und bekennender Raver teil. Im Interview erläutert Hitzler, warum so viele junge Leute zur Loveparade kommen.

von Von Helge Toben (dpa)

, 16.07.2008, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Soziologe Prof. Ronald Hitzler ist bekennender Raver.

Der Soziologe Prof. Ronald Hitzler ist bekennender Raver.

Wie hat sich die Techno-Szene in den letzten Jahren gewandelt? Spielt dabei die Loveparade eine Rolle? Hitzler: Die deutsche Techno-Szene hatte ihren Boom (...) in den 1990er Jahren. Diese “Goldgräber-Stimmung“ ist derzeit vorbei: Das Durchschnittsalter der “Technoiden“ steigt, die Faszination des Neuen und ganz Anderen hat sich aufgebraucht, das Interesse der breiteren Öffentlichkeit ist deutlich gesunken ­ und damit auch der finanzielle Mittelzufluss und die Chance, schnell viel Geld zu verdienen. Das heißt aber keineswegs, dass die Szene “tot“ wäre. Im Gegenteil: Die organisatorischen Netzwerke der Szene sind nach wie vor intakt, der spezifische Lifestyle wird weiter gepflegt, und vor allem musikalisch tut sich vieles. Die Loveparade nun war in den frühen 1990er Jahren tatsächlich das “Main Event“ der Techno-Szene im eigentlichen Sinne. Aber mit ihren riesigen quantitativen Zuwächsen hat sie sich mehr und mehr zu einem sommerlichen Tanz- und Vorzeige-Vergnügen für alle und jeden entwickelt, der sich gern von Beats und Bässen bewegen lässt.“ Wie werden Sie an der Loveparade teilnehmen - als Raver oder als Forscher? Haben Sie einen Platz auf einem der „Floats“ genannten Musikwagen? Hitzler: „Wir pflegen eine Technik, die wir als “beobachtende Teilnahme“ bezeichnen. Das heißt: Ich forsche als Raver, und ich rave als Forscher. Ich werde am Loveparade-Wochenende mit meinen Freunden viel Spaß haben ­ vom Barbecue am Freitagabend bis zur Open-Air-Party am Sonntag. Und die “Partysanen“ haben mich und meine zwei Mit- Forscherinnen auf ihren Float eingeladen. Von all dem werde ich, wie immer, ganz sicher einige neue Einsichten und Erkenntnisse in die Wissenschaft mit zurückbringen.“

Wie hat sich die Techno-Szene in den letzten Jahren gewandelt? Spielt dabei die Loveparade eine Rolle? Hitzler: Die deutsche Techno-Szene hatte ihren Boom (...) in den 1990er Jahren. Diese “Goldgräber-Stimmung“ ist derzeit vorbei: Das Durchschnittsalter der “Technoiden“ steigt, die Faszination des Neuen und ganz Anderen hat sich aufgebraucht, das Interesse der breiteren Öffentlichkeit ist deutlich gesunken ­ und damit auch der finanzielle Mittelzufluss und die Chance, schnell viel Geld zu verdienen. Das heißt aber keineswegs, dass die Szene “tot“ wäre. Im Gegenteil: Die organisatorischen Netzwerke der Szene sind nach wie vor intakt, der spezifische Lifestyle wird weiter gepflegt, und vor allem musikalisch tut sich vieles. Die Loveparade nun war in den frühen 1990er Jahren tatsächlich das “Main Event“ der Techno-Szene im eigentlichen Sinne. Aber mit ihren riesigen quantitativen Zuwächsen hat sie sich mehr und mehr zu einem sommerlichen Tanz- und Vorzeige-Vergnügen für alle und jeden entwickelt, der sich gern von Beats und Bässen bewegen lässt.“ Wie werden Sie an der Loveparade teilnehmen - als Raver oder als Forscher? Haben Sie einen Platz auf einem der „Floats“ genannten Musikwagen? Hitzler: „Wir pflegen eine Technik, die wir als “beobachtende Teilnahme“ bezeichnen. Das heißt: Ich forsche als Raver, und ich rave als Forscher. Ich werde am Loveparade-Wochenende mit meinen Freunden viel Spaß haben ­ vom Barbecue am Freitagabend bis zur Open-Air-Party am Sonntag. Und die “Partysanen“ haben mich und meine zwei Mit- Forscherinnen auf ihren Float eingeladen. Von all dem werde ich, wie immer, ganz sicher einige neue Einsichten und Erkenntnisse in die Wissenschaft mit zurückbringen.“

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