Sparkasse erhöht Preise für Schließfächer deutlich

Kunde ist sauer

Erst die Entscheidung, 16 Filialen zu schließen. Dann der Entschluss, Kunden fürs Münzwechseln zur Kasse zu bitten. Im nächsten Schritt schraubt die Sparkasse jetzt die Preise für die Nutzung ihrer Schließfächer nach oben - und das teilweise drastisch.

DORTMUND

, 21.10.2016, 02:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sparkasse erhöht Preise für Schließfächer deutlich

Henry Schröder zahlte für sein Schließfach bisher 34 Euro im Jahr, künftig soll er 90 Euro bezahlen. Diese Erhöhung hält er für "schlicht unverschämt".

Henry Schröder (71) aus Benninghofen mochte nicht glauben, was er im Schreiben der Sparkasse las. Sie teilte ihm mit, dass der Preis für das in den 80er Jahren gemietete Schließfach ab 2017 von derzeit 34 Euro/Jahr auf 90 Euro steigen werde. „Deutlich gestiegene Kosten“ erforderten „erstmals seit über zehn Jahren eine Anpassung der Preise.“

Er hätte ja noch Verständnis für eine maßvolle Anhebung, sagt Henry Schröder. „Aber das ist schlicht unverschämt.“ Schröder hat Pech. Er unterhält bei der Sparkasse lediglich ein Schließfach. Ein Konto hat er nicht bei dem Kreditinstitut. Das macht die Sache für ihn doppelt teuer. Denn: Die Dortmunder Sparkasse erhöht die Preise für alle 35.000 Schließfach-Kunden quer Beet im Schnitt um rund 19 Prozent.

Einige von ihnen zahlen aber künftig deutlich mehr: Wer sein Konto bei einer anderen Bank hat und nur sein Schließfach bei der Sparkasse, muss ab Januar zusätzlich zur Erhöhung einen satten Extra-Aufschlag von 40 Euro hinnehmen. Und zu diesen acht Prozent Kunden gehört Schröder.

40 Euro Aufschlag

Würde er sein Bankkonto zur Sparkasse verlegen, stiege sein Preis von derzeit 34 auf künftig 50 Euro/Jahr. Ohne Sparkassenkonto aber kommen 40 Euro Aufschlag drauf - macht 90 Euro. „Ich frage mich, ob so etwas überhaupt rechtens ist“, schimpft Schröder. Insgesamt bietet die Sparkasse 45.000 Schließfächer in elf unterschiedlichen Varianten. Das kleinste Fach kostet für Sparkassenkunden 26 Euro - ab Januar 2017 sollen es 35 Euro sein. Für das größte „Fach“ einen knapp 17 Quadratmeter großen Tresorraum, nimmt das Geldinstitut seinen Kunden zurzeit 2000 Euro/Jahr ab – ab Januar 2200 Euro.

Sparkassen-Sprecher Markus Pinnau begründet die Erhöhung mit „gestiegenen Kosten, etwa für Wartung und Instandhaltung.“ Und warum der Aufschlag für Nichtkunden? Man sei bestrebt, die Schließfächer zuallererst Sparkassenkunden anzubieten, sagt Pinnau. Das sei schwierig. Während es in einigen Filialen noch freie Kapazitäten gebe, habe man in anderen Filialen bereits Wartelisten erstellt.

Deshalb werde die Sparkasse ab 2017 auch keine weiteren Schließfächer mehr an zusätzliche, neue „Fremdnutzer“ vermieten. Henry Schröder ist das egal, er hat die Nase voll. Nicht nur wegen des deftigen Preissprunges. Zu allem Überfluss gehört „seine“ Filiale in Benninghofen zu jenen stadtweit 16 Filialen, die geschlossen werden. „Meine Frau und ich müssten künftig zum Höchsten fahren“, winkt Schröder ab.  Zu umständlich, findet er. „Wir werden das Fach kündigen, Schluss. Da liegen sowie nur Versicherungspolicen drin.“

Andere Banken ziehen nach

Dabei steht die Sparkasse nicht allein da: Auch die Dortmunder Commerzbank hat ihre Kunden bereits wissen lassen, dass sie die Preise für die Vermietung ihrer Schließfächer 2017 anhebt. Für das kleinste Fach steigen sie von 75 Euro auf 89 Euro/Jahr. 

Einen Extra-Aufschlag gibt es nicht: Das Bankhaus vermietet ohnehin nur an Kunden, die dort auch ein Konto haben. Die Dortmunder Volksbank spielt ebenfalls mit dem Gedanken, ihre Schließfach-Kunden stärker zur Kasse zu bitten. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, sagt Ann-Christin Lange aus dem Vorstandsstab der Bank. 

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