Spatenstich für das Kinderhospiz Sonnenherz ist vertagt: Querelen um Finanzierung

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Es wird wieder nichts mit dem geplanten ersten Spatenstich für das Kinderhospiz Sonnenherz an der Stadtgrenze. Stolperstein sind jetzt die Pflegekosten. MdB Schwabe schaltet sich ein.

Westrich, Merklinde

, 07.02.2020, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wird wieder nichts mit dem anvisierten Datum für den ersten Spatenstich beim geplanten Kinderhospiz an der Stadtgrenze zwischen Castrop-Rauxel und Dortmund. Stiftungsgründerin Elisabeth Grümer aus Frohlinde hat jetzt den bereits eingeladenen Gästen mitgeteilt, dass der Wunschtermin am Donnerstag, 20. Februar, nicht zu halten sei. „Ich bin erschüttert und völlig fertig“, sagt die Frohlinderin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Und woran scheitert der Spatenstich für die seit drei Jahren zunächst angedachte und sukzessive mit großer Präzision weiterentwickelte Planung dieses Mal?

„Es geht um die Pflegekosten“, berichtet Grümer. Oder besser: deren Übernahme durch die Krankenkasse. Darüber verhandelt wird seit Monaten. Und ganz viel gesprochen. Jetzt erneut auch geschrieben.

Zweigleisiges Konzept

Aber der Reihe nach: Die neun Plätze müssen finanziert werden. Oder besser gesagt: die jungen Bewohnerinnen und Bewohner auf Zeit. Von den neun Plätzen sind drei für Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 14 Jahren vorgesehen, die möglichst in ihrer letzten Etappe auf dieser Welt in Frieden und Fröhlichkeit Abschied erfahren können. Die anderen sechs Plätze dienen jungen Menschen mit lebensverkürzenden Krankheiten für die Tages- und die Nachtpflege.

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Wie solche Plätze finanziert werden, das regele eine bundesweite Rahmenvereinbarung, so Elisabeth Grümer. Die sei, das weiß auch Bundestagsmitglied Frank Schwabe (SPD), 2017 zwischen dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen und verschiedenen Trägern zur Sicherung der Qualität der stationären Kinderhospizversorgung vereinbart worden.

Schwabe fungiert als Botschafter für das Kinderhospiz

Der hiesige SPD-Politiker fungiert seit 2019 als Botschafter für das Kinderhospiz Sonnenherz. „Weil die Hospizarbeit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene einen deutlich größeren Stellenwert als bisher erlangen muss“, sagt Schwabe.

Der Parlamentarier hat sich jetzt schriftlich an die Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (VdEK) in Düsseldorf gewandt - natürlich mit der Absicht zu helfen und der Bitte um erneute Überprüfung des Sachverhaltes.

Spatenstich für das Kinderhospiz Sonnenherz ist vertagt: Querelen um Finanzierung

Elisabeth Grümer und Architekt Klaus Winkelmann mit Plänen für das Kinderhospiz: Gemeinsam waren sie in anderen Einrichtungen und wollen ein Konzept aus Berlin adaptieren. © Abi Schlehenkamp

Anlass war eine Mitteilung der VdEK-Geschäftsstelle Westfalen-Lippe in Dortmund, dass eine Genehmigung des Kinderhospizes nicht möglich sei, weil die geplante Ausrichtung laut der Rahmenvereinbarung nicht vorgesehen sei. Die sieht eigentlich stationäre und teilstationäre Plätze mit Tages- und Nachtpflege vor.

Grümer sagt: Es ist die Zeit, die den Kindern fehlt

Das Kinderhospiz „Berliner Herz“ in Berlin-Friedrichshain diente aber als Vorbild für Grümer. Es bietet - bundesweit einmalig - genau jene teilstationäre und stationäre Pflege an, die auch für das Sonnenherz an der Stadtgrenze von Merklinde zu Westrich, vorgesehen sei. Auch das Berliner Kinderhospiz arbeite auf Grundlage dieser bundesweit gültigen Rahmenvereinbarung, so Schwabe.

„Wir haben das mehrmals bei unseren Gespächen mit dem VdEK in Dortmund zum Thema gemacht“, sagt Grümer. Wie das Kinderhospiz in Berlin arbeitet und funktioniert, davon machte sie sich selbst ein Bild vor Ort. Vor knapp anderthalb Jahren war sie mit Architekt Klaus Winkelmann zum Erfahrungsaustausch in Berlin und einem weiteren Kinderhospiz in Hamburg. „Winkelmann hat unser Kinderhospiz genau so geplant, wie es in der Rahmenvereinbarung steht“, sagt Elisabeth Grümer.

„Es macht mich abgrundtief traurig, dass wir hier wieder vor Mauern laufen.“
Elisabeth Grümer

Allmählich fühle sie sich zurückversetzt in jene turbulenten Zeiten, als das Erwachsenen-Hospiz vor fast 20 Jahren planerische Züge aufnahm und nach etlichen Querelen vor acht Jahren schließlich an der Bockenfelder Straße in Westrich eröffnet werden konnte. „Es macht mich abgrundtief traurig, dass wir hier wieder vor Mauern laufen“, sagt sie und fügt hinzu: „Es ist die Zeit, die den betroffenen Kindern fehlt.“

Die Politik in Dortmund hat dem Bau des insgesamt vier Millionen Euro teuren Projekts am 17. September 2019 zugestimmt. Der geplante erste Spatenstich am 9. September 2019 konnte angesichts des fehlenden grünen Lichts nicht vollzogen werden.

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