SPD in Brackel stemmt sich gegen mögliche Flughafen-Erweiterung

rnFlughafen Dortmund

Der Flughafen möchte seine Start- und Landebahn verlängern. Nach Protesten der Schutzgemeinschaft Fluglärm und des Klimabündnisses Dortmund kritisiert auch die SPD in Brackel das Vorhaben.

Wickede

, 24.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Brackel will zur Sitzung am 10. September den Antrag an den Rat stellen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um eine Verlegung der Schwelle der Start- und Landebahn am Flughafen zu verhindern.

Verlegung der östlichen Schwelle beantragt

Der Flughafen hat die Verlegung der östlichen Schwelle beantragt, damit Hauptkunde Wizz-Air größere Flugzeuge einsetzen kann. Faktisch komme dieser Schritt einer Verlängerung der Startbahn in Richtung Unna um 300 Meter gleich und soll nach dem Willen des Flughafens dazu führen, dass größere Flugzeuge weiter entferntere Ziele erreichen können, so die SPD.

Hartmut Monecke, Kandidat für das Amt des Brackeler Bezirksbürgermeisters: „Damit werden Touristikflüge noch weiter zunehmen und Wickede wird endgültig ein Tourismusflughafen. Dagegen haben wir uns immer ausgesprochen.“

Hartmut Monecke will nach der Kommunalwahl 2020 Brackeler Bezirksbürgermeister werden.

Hartmut Monecke will nach der Kommunalwahl 2020 Brackeler Bezirksbürgermeister werden. © Andreas Schröter

Wer alte Zeitungsberichte und Presseerklärungen aus Politik und Verwaltung sowie die Verlautbarungen des Flughafens aus früheren Zeiten lese, so Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka (SPD), reibe sich die Augen.

Czierpka sagt: „Damals wurde Dortmund als Startbahn für Geschäftsflüge gefeiert, von der Wirtschaft und der IHK als unabdingbar für das Funktionieren der Dortmunder Betriebe gefordert. Es gab sogar Abwanderungsdrohungen. Schaut man sich den aktuellen Flugplan an, stellt sich schon die Frage, ob tatsächlich mehrfach wöchentlich 100 Manager nach Olsztyn, Temeswar oder Chissinau jetten müssen, damit Dortmunds Wirtschaft läuft.“

Das Planfeststellungsverfahren für die 2000-Meter-Bahn habe damals unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit stattgefunden. Als die Sorgen der Anwohner wegen befürchteter Touristikflüge mit großen Maschinen erörtert worden seien, sei vonseiten des Flughafens und der Genehmigungsbehörde immer wieder erläutert worden, dass der Tourismus in Wickede allenfalls eine Nische besetzen könne. Dafür sollten drei wichtige Festsetzungen im Planfeststellungsbeschluss sorgen:

  • die Betriebszeit von 6 bis 22 Uhr
  • die Begrenzung auf 75 Tonnen
  • die nutzbare Startbahnlänge

Die Tonnagebegrenzung seien kurz darauf auf 100 Tonnen hochgesetzt und damit wirkungslos gemacht worden. Die Betriebszeiten seien inzwischen wiederholt durch Änderungsverfahren ausgeweitet worden. In Wickede dürfe aktuell bis 23 Uhr gelandet werden, das zähle als Nachtflug. Bei Verspätungen auch bis 23.30 Uhr.

Die Nachtruhe könne so auf 6 ½ Stunden beschränkt sein. Monecke: „Der Mehrverkehr, der ja vom Flughafen gewünscht ist, wird die Menschen erheblich belasten, in Dortmund und vor allem in Unna. Über Massen werden dann bis 23.30 Uhr die landenden Düsenflugzeuge einschweben. Und dabei tiefer fliegen als heute. Bei Ostwind kommen sie dann über den Phoenix-See.“

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Und nun soll auch die letzte Schranke fallen. Czierpka war damals bei den Erörterungsterminen dabei und sieht genau hier den Knackpunkt: „Es ist ein Skandal, wenn wichtige Festsetzungen zum Schutz der Menschen, die in einem Planfeststellungsbeschluss festgeschrieben sind, im Nachhinein durch einfache Änderungsverfahren wieder zurückgenommen werden können. Damit werden die aufwändigen Verfahren zur Farce. Nachtflug wurde immer ausgeschlossen, Touristik sollte immer nur am Rande stattfinden. Das krasse Gegenteil ist heute der Fall.“

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In einer Online-Sitzung des SPD-Stadtbezirksvorstandes wurde der folgende Text beschlossen: „Die Bezirksvertretung Brackel fordert den Rat der Stadt auf, alle Beteiligungsmöglichkeiten zu nutzen, um den Antrag des Flughafens auf Verlegung der östlichen Bahnschwelle abzuwehren.“

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Diesen Antrag wird die SPD-Fraktion der Bezirksvertretung Brackel zur letzten Sitzung dieser Wahlperiode am 10. September, 16 Uhr, im Immanuel-Kant-Gymnasium vorlegen.

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