Spenden-Betrug am Stadion? Das sagt Kinderwünsche

Borussia Dortmund

Der Vorwurf ist gravierend: Der Verein Kinderwünsche soll beim Spendensammeln vor dem Stadion betrügen. Es wird bezweifelt, dass das Geld wirklich an kranke Kinder geht. Die Fanabteilung von Borussia Dortmund hat rechtliche Schritte eingeleitet. Am Mittwoch nahm Kinderwünsche zu den Vorwürfen erstmals Stellung.

DORTMUND

, 06.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Spenden-Betrug am Stadion? Das sagt Kinderwünsche

Spendensammler von "Kinderwünsche e.V." sind seit Jahren bei Heimspielen des BVB rund ums Stadion unterwegs. Die Fanabteilung von Borussia Dortmund wirft dem Verein vor, nur Teile des gesammelten Geldes weiterzuleiten.

Wenn der BVB im Signal Iduna Park spielt, sind sie auch da: die Spendensammler des Vereins "Kinderwünsche e.V.". Seit Jahren stehen sie mit verplombten Sammelbüchsen vor dem Tennisclub Flora und dem Freibad Volkspark, vor dem Strobels und dem Stadion Rote Erde und sprechen vor dem Spiel die Fans an. Ob man denn etwas Geld für kranke Kinder übrig hätte, fragen sie dann, oft in gelben Poloshirts mit der Aufschrift "Dortmunder Fans schenken Kindern ein Lächeln!" Viele Fußball-Fans machen da gerne mit.

Doch kommt das gespendete Geld tatsächlich kranken Kindern zugute? Die Fanabteilung des BVB hat da erhebliche Zweifel. Die Fan-Vertreter haben nun rechtliche Schritte gegen den Gelsenkirchener Verein eingeleitet, wegen Betrugsverdachts. Eine Anwaltskanzlei habe der Staatsanwaltschaft ihre "gesammelten Erkenntnisse" über "Kinderwünsche" übergeben, heißt es in einer am Freitagabend veröffentlichten Mitteilung auf der Internetseite der Fanabteilung.

Mehrere Medien berichteten in den vergangenen Tagen über die Geschichte. Bislang schwieg Kinderwünsche zu den erhobenen Vorwürfen - bis jetzt.  Auf seiner Internetseite  veröffentlichte der Verein am Mittwoch eine Stellungnahme, die wir hier im Wortlaut wiedergeben:

"Zu den jüngsten Berichterstattungen über unser Vorstandsmitglied Cornelia Keisel und unseren Verein geben wir folgende Erklärung ab: Die Vorwürfe eines zweckfremden Umgangs mit Spendengeldern weisen wir entschieden zurück. Alle Sammeldosen sind mit einer Sicherheitsplombe versiegelt, so dass ein unberechtigter Zugriff nicht unentdeckt bleiben würde. Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung und Weiterleitung von Spendengeldern konnten hier nicht festgestellt werden. Der Verein wird sich an der Widerlegung der Vorwürfe aktiv beteiligen. Es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass die Berichterstattung ganz bewusst initiiert worden ist, um dem Verein und insbesondere unserem Vorstandsmitglied Cornelia Keisel persönlich schweren Schaden zuzufügen. Auch legt der Inhalt der Berichterstattung teilweise eine Verwechselung mit anderen Spendensammlern nahe, die rund um das BVB-Stadion ebenfalls aktiv sind. Wir werden uns gegen die Vorwürfe deshalb auch juristisch verteidigen."

"Hochgradig skeptisch"

Die BVB-Fanabteilung rät bis auf Weiteres allen Fans, "mindestens für die Dauer des laufenden Verfahrens dringend davon ab, an 'Kinderwünsche e.V.' zu spenden." Eine Einschätzung, der sich Burkhard Wilke, Leiter des Zentralinstituts für soziale Fragen in Berlin, in Teilen anschließt. Wilke, dessen Institut vor unseriösen Spendenvereinen warnt und ein Spendensiegel vergibt, hat sich die Internetseite des Vereins angesehen. Was er dort gefunden hat, macht ihn „hochgradig skeptisch“. Es gibt keinen Tätigkeitsbericht, Finanzdaten bleiben im Dunkeln, „zu viele Fragen bleiben offen und die Informationen, die man einsehen kann, sind unverbindlich“.

Und die Informationen sind – so weitere Recherchen unserer Redaktion – falsch: So wirbt der Verein damit, mithilfe eines „Wunschbaums“, der in einem Café steht, den Kindern der Kindertagesstätte Wünsche zu erfüllen. Richtig ist, dass diese Kindertagesstätte vor rund anderthalb Jahren angesprochen wurde, eine Zusammenarbeit aber ablehnte. Man habe seitdem von dem Verein nichts mehr gehört und auch keine Geschenke oder Spenden erhalten. „Von denen gab es noch nicht einmal einen Luftballon“, heißt es von der Kindertagesstätte. Sie ist nicht die einzige Organisation, für die sich Kinderwünsche engagieren will, und die davon wenig bis gar nichts bekommen hat.

Auch Kliniken prüfen rechtliche Schritte

Erkenntnisse der BVB-Fanabteilung über den Verein wurden durch einen Anwalt der Staatsanwaltschaft übergeben, um sie auf strafrechtliche Relevanz überprüfen zu lassen. Auch Kliniken - darunter das Klinikum Dortmund -, die bisher auf der Internetseite des Vereins als Partner aufgeführt wurden, überprüfen rechtliche Schritte gegen Kinderwünsche e.V.

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