Spielstraßen auf Zeit sollen sich in Dortmund etablieren

rnInnenstadt-Aktionen

Fußball statt Autos: Zwei Innenstadt-Straßen wurden am Sonntag zu Spielstraßen auf Zeit – einmal als Wahlkampfaktion, einmal als wissenschaftliches Experiment. Beides soll Folgen haben.

Dortmund

, 01.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Katja Vanselow und ihr Sohn Henry waren begeistert. „Das ist eine tolle Idee, gerade für einen Sonntag“, sagt die Klinikviertel-Bewohnerin. Am Sonntagnachmittag (30.8.) nutzte sie mit ihrem achtjährigen Sohn die seltene Gelegenheit, mitten im dicht bebauten Klinikviertel auf der Straße zu spielen.

Denn ein Teil der Kleinen Beurhausstraße, sonst vielbefahrene Einfahrt ins Klinikviertel, war am Sonntagnachmittag für mehrere Stunden für Autos gesperrt.

„Straße frei für Kinder“ prangte in großen und bunten Lettern auf einem Plakat. Die grünen Fahnen am Rande der neu erklärten „Spielstraße“ zeigten, dass es sich um eine Wahlkampf-Aktion der Grünen handelte.

Sie hatten die Aktion als Demonstration angemeldet und damit die Straße vorübergehend für sich reserviert – beziehungsweise für die kleinen und großen Anwohner.

Katja Vanselow und ihr Sohn Henry hatten beim Frisbee-Spielen auf der autofreien Kleinen Beurhausstraße sichtlich Spaß.

Katja Vanselow und ihr Sohn Henry hatten beim Frisbee-Spielen auf der autofreien Kleinen Beurhausstraße sichtlich Spaß. © Oliver Volmerich

Die erste Aktion gab es am 23. August in der Braunschweiger Straße im Nordmarkt-Quartier. Jetzt war das Klinikviertel mit der Kleinen Beurhausstraße an der Reihe.

Und der Andrang war groß. Innerhalb kurzer Zeit füllte sich der Straßenabschnitt mit fröhlichen Kindern, die Roller fuhren, Fußball oder – wie Katja und Henry Vanselow – Frisbee spielten. Natürlich alles unter Maßgabe der Corona-Schutzmaßnahmen.

Studierende starteten Experiment

Ein ähnliches Bild gab es wenige hundert Meter weiter westlich. Auch ein Teilstück der Barmer Straße nahe des Westparks wurde am Sonntagnachmittag zur „Temporären Spiel- und Nachbarschaftsstraße“ – organisiert von vier Master-Studierenden der Fakultät Raumplanung an der TU Dortmund.

"Willkommen auf der Spielstraße" hieß es auf der Barmer Straße im Union-Viertel. Vier Raumplanungs-Studierende hatten die Aktion organisiert.

"Willkommen auf der Spielstraße" hieß es auf der Barmer Straße im Union-Viertel. Vier Raumplanungs-Studierende hatten die Aktion organisiert. © Anna Schröder

„In Berlin gibt es schon seit einiger Zeit temporäre Spielstraßen, die von Mai bis Oktober einmal die Woche gesperrt werden“, erklärt Anna-Maria Schröder als eine der Initiatorinnen. Die TU-Studierenden wagten jetzt das Experiment in Dortmund – und waren von der großen Resonanz selbst überrascht.

Treffen für die Nachbarschaft

Bis zu 50 kleine und große Besucher nutzten die Gelegenheit, die autofreie Straße zu bespielen. „Viele hatten Picknick-Stühle und Kaffee und Kuchen dabei“, berichtet Anna Schröder. Die Kinder kamen mit Sprungseilen, Inlinern und Straßenmalkreide.

Der improvisierte Zebrastreifen war eigentlich gar nicht nötig. Für einen Nachmittag war die Kleine Beurhausstraße für Autos tabu.

Der improvisierte Zebrastreifen war eigentlich gar nicht nötig. Für einen Nachmittag war die Kleine Beurhausstraße für Autos tabu. © Oliver Volmerich

„Es war richtig schön, dass anzusehen. Und uns haben ganz viele Leute gefragt, ob man das nächsten Sonntag nicht wieder machen kann“, freut sich die Studentin.

Antrag im Ausschuss

Tatsächlich gibt es am kommenden Sonntag (6.9.) eine weitere Spielstraßen-Aktion, dann allerdings wiederum als Wahlkampf-Aktion der Grünen in der Landgrafenstraße in der östlichen Innenstadt. Aber es soll nicht nur bei einer Wahlkampfaktion bleiben.

Für die nächste Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses am Mittwoch (2.9.) haben die Grünen einen Antrag vorgelegt, um Spielstraßen auf Zeit auch in Dortmund zu etablieren.

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Danach wird die Verwaltung gebeten, ein Konzept zur Einrichtung temporärer Spielstraßen in Dortmund zu erarbeiten und dem Ausschuss vorzulegen. Wunsch ist, dass möglichst in jedem der drei Innenstadtbezirke mindestens ein geeigneter Straßenabschnitt als temporäre Spielstraße ausgewiesen wird.

Sie sollen mindestens an jedem Sonntagnachmittag für den Verkehr gesperrt und für spielende Kinder und ihre Familien freigegeben werden.

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