Spielsucht grassiert in Dortmund

Beratungsstelle der Caritas

160 Spielhallen-Standorte in Dortmund fordern ihren Tribut. Die Suchtberatungsstelle der Caritas hilft Spielsüchtigen und Computer-Abhängigen. Mit steigender Tendenz.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 10.03.2011, 05:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der erste Schritt in die mögliche Abhängigkeit: Dortmund ist mit 160 Spielhallen-Standorten überversorgt.

Der erste Schritt in die mögliche Abhängigkeit: Dortmund ist mit 160 Spielhallen-Standorten überversorgt.

Norbert Quinting, Leiter der Suchtberatungsstelle der Caritas, kennt viele Opfer aus Dortmunds dichter Zocker-Landschaft. Opfer wie dieses: Ende 2010 begann ein junger Ausländer seine Therapie über die Caritas. Er ist Anfang 20, arbeitslos, statt in der Schule hing er in den Spielhallen der Nordstadt rum, schaffte nie einen Abschluss. Seit dem 14. Lebensjahr ging das so. Den Einstieg ins Dauer-Spiel fand er am Computer, dann nahmen ihn ältere Freunde mit zu den Automaten. 20 000 Euro Schulden hat er bis heute angehäuft, beglichen von seinen Eltern. Eine Ausnahme. Von der Kommune fließen 75.000 Euro in die Spielsuchtberatung der Caritas, vom Land 12.500 Euro . „10 000 Euro geben wir ab an unsere Schuldnerberatung, die unsere Klienten ebenfalls betreut“, bilanziert Quinting. Und die Zahlen steigen. Fast 200 Kontakte Betroffener zählte die Spielsuchtberatung im letzten Jahr, darunter rund 160 Männer. 

146 kamen in die offene Sprechstunde, 14 mehr als 2009, und 94 Angehörige. Manche tauchen nur einmal auf. Die meisten Klienten sind zwischen 30 und 39 Jahre alt, sieben waren nicht einmal 19. Die Zahl der unter 30-Jährigen stieg kräftig. Von 39 auf 56. 95 Prozent aller Ratsuchenden sind Automatenspieler, und der überwiegende Teil der Süchtigen ist deutsch: 142. 2009 waren es 116. Sorgen bereiten auch die Internet-Wetter. Sie pokern oder setzten international auf Fußball-Spiele.

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