Alle wollen den „Spuckschutz“ - Dortmunder Firma fährt Zusatzschichten

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Apotheken haben sie, viele Supermarkt-Kassen haben sie und Einzelhandelsketten wollen sie – Plexiglasscheiben für den Infektionsschutz. Die Firma Kunststofftechnik Hecker tut, was sie kann.

Aplerbeck

, 04.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die großen Plexiglasscheiben, die auf dem Gelände der Firma Kunststofftechnik Hecker an der Schleefstraße in Aplerbeck von den Lkw geladen werden, kommen erst gar nicht mehr ins Lager. „Die Paletten werden angeliefert und gehen sofort auf die Maschine“, sagt Thomas Dörfer aus der Geschäftsleitung des Traditionsunternehmens.

Seit über 50 Jahren arbeiten sie bei Hecker mit Plexiglas und produzieren, wie sie es nennen, Maschinenschutzlösungen. Zu Jahresbeginn haben weder Thomas Dörfer noch die 50 Mitarbeiter gedacht, dass sie zusätzlich zu den Schutzhauben und Schutzverkleidungen für Maschinen oder Laborgeräte plötzlich auch „Spuckschutz“-Wände für Apotheken und Supermarktkassen bauen würden.

„In den vergangenen fünf Wochen haben wir 5000 solcher Scheiben produziert“, sagt Thomas Dörfer.

Kurzarbeit ist kein Thema

Mitte/Ende Februar ist es mit der Nachfrage nach „Thekenaufstellern aus Plexiglas mit und ohne Durchreiche“ ganz harmlos angefangen. „Da haben wir das im Tagesgeschäft mitlaufen lassen. Heute haben wir längst eine eigene Produktion in Spät- und Nachtschichten“, so der Chef für den technischen Betrieb.

Kurzarbeit ist hier kein Thema. Im Gegenteil: es gibt Zusatzschichten, jeder arbeitet mehr bei Hecker. „Die Nachfrage bricht über uns herein. Die Mitarbeiter kommen auch samstags zum Fräsen von Scheiben“, sagt Thomas Dörfer.

Thomas Dörfer leitet den technischen Betrieb bei der Firma Kunststofftechnik Hecker in Aplerbeck.

Thomas Dörfer leitet den technischen Betrieb bei der Firma Kunststofftechnik Hecker in Aplerbeck. © Hecker

Beliefert werden in der Corona-Krise Bäcker, Apotheken und große Supermarktketten. Die acht computergesteuerten Werkzeugmaschinen (CNC-Maschinen) und die Telefone stehen nicht still. Immer größer wird gerade die Nachfrage aus dem Einzelhandel.

„Irgendwann wollen ja unter anderem die Bekleidungsgeschäfte wieder öffnen. Sie fragen jetzt bereits Infektionsschutzwände für ihre Kassen nach“, sagt Thomas Dörfer.

Er und seine Belegschaft sind bereit, so viele durchsichtige Thekenaufsätze aus Acrylglas zu produzieren wie möglich: „Wir haben ein eigenes Standardprogramm erstellt, das wir zügig anfertigen können. Das Problem ist aber die Materialbeschaffung. Mittlerweile ist jedes Werk in Europa ausverkauft. Statt innerhalb einer Woche bekommen wir jetzt das Material erst in acht bis zehn Wochen. Die Zulieferer kommen mit der Produktion nicht nach.“

Thekenaufsteller als Spuckschutz sind nicht das Kerngeschäft

So schön der Boom für das mittelständische Unternehmen derzeit auch ist, blenden lassen will man sich davon nicht. „Die Infektionsschutzscheiben sind neu in den Fokus gekommen, aber unser Alltagsgeschäft ist das nicht. Unser Kerngeschäft ist die Schutzverglasung von Maschinen und Medizingeräten nach den individuellen Wünschen unserer Kunden“, sagt Thomas Dörfer. Daran hat sich nichts geändert und soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

Die Apotheken waren mit die ersten, die Plexiglasscheiben einrichten ließen, um ihr Personal vor der Ansteckungsgefahr zu schützen.

Die Apotheken waren mit die ersten, die Plexiglasscheiben einrichten ließen, um ihr Personal vor der Ansteckungsgefahr zu schützen. © dpa/Peter Klaunzer

Thomas Dörfer geht davon aus, dass der „Spuckschutz“ noch einige Zeit und von einigen Branchen nachgefragt wird – für Flughafen-Terminals etwa oder für Taxis. Das Unternehmen werde man dafür aber nicht neu ausrichten. „Wir betrachten die aktuelle Situation, aber wir planen damit nicht die Zukunft“, sagt er.

Manfred Primke, der in der Geschäftsleitung für das Kaufmännische zuständig ist, betont die gesellschaftliche Verantwortung, in der sein Unternehmen derzeit stehe: „Wir haben ein Gewissen und nutzen die Krise nicht aus. Wir brauchen ja die Leute in der Apotheke oder an der Supermarkt-Kasse.“

Solange also große, mit riesigen Plexiglasscheiben beladene Lkw der Lieferanten aus ganz Deutschland an der Schleefstraße in Aplerbeck ankommen, wird es für die „Heckeraner“ bei den Zusatzschichten bleiben.

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