Spur des Turku-Attentäters führt nach Dortmund

Flüchtlingsunterkunft in Kley

Der mutmaßliche Attentäter von Turku hielt sich zeitweise unter einem Alias-Namen auch in Dortmund auf. So war der 18-jährige Marokkaner offensichtlich von Februar bis Juni 2016 in der städtischen Asylbewerberunterkunft am Kleyer Weg in Kley untergebracht. Merkwürdig ist allerdings, dass er nach Auskunft der Stadt Dortmund von der kommunalen Ausländerbehörde nicht registriert wurde.

DORTMUND

, 23.08.2017, 13:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Spur des Turku-Attentäters führt nach Dortmund

Rettungskräfte verhüllen den Tatort auf dem Marktplatz in Turku. Foto: Roni Lehti

Nach Angaben aus Finnland soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Asylbewerber mit dem Namen Abderrahman Mechkah handeln. Wie die Ermittlungsbehörden in Deutschland feststellten, war er unter einem anderen Namen im November 2015 in Niedersachsen als Asylbewerber registriert worden - wobei auch seine Fingerabdrücke erfasst wurden. Sein weiterer Weg gibt dann allerdings Rätsel auf und spricht nicht gerade für eine gute Zusammenarbeit der Behörden.

Unter seinem Alias-Namen sei der Mann am 30. November 2015 von der Landesaufnahmebehörde Braunschweig mit der Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender an die Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber (EAE) in Dortmund verwiesen worden, teilte die Stadt Dortmund auf Anfrage mit.

Von dort sei nach kurzem Aufenthalt am 9. Dezember 2015 in die Landesunterkunft in Neuss und am 27. Januar 2016 in eine Notunterkunft in Kerpen geschickt worden. An beiden Orten wurde er wegen Körperverletzungsdelikten polizeilich aktenkundig, wie ein Sprecher des Landes-Innenministeriums auf Anfrage bestätigte - am 16. Januar in Neuss und am 31. Januar in Kerpen.

Trotz der gegen ihn eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurde er drei Tage nach dem letzten Zwischenfall, genau am 3. Februar 2016, nach Angaben der Stadt Dortmund durch die Bezirksregierung Arnsberg als kommunal unterzubringender Flüchtling der Stadt Dortmund zugeteilt. Hier sei er bei der kommunalen Ausländerbehörde vorgemerkt worden, habe sich dort aber nicht gemeldet. Deshalb sei er hier "nicht melde- und ausländerrechtlich erfasst worden", teilte die Stadt mit.

Gemeldet hat er sich allerdings beim städtischen Sozialamt, das ihn in die Unterkunft am Kleyer Weg einwies. Den letzten direkten Kontakt mit dem Amt  - oder, wie es im Behördendeutsch heißt,  "die letzte Vorsprache" - habe es im Juni 2016 gegeben. Warum es keine Rückkopplung zwischen Sozialamt und städtischer Ausländerbehörde gab, konnte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch nicht beantworten. Nur soviel: "Kontakt mit der Ausländerbehörde hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben."

Die Zentrale Ausländerbehörde des Landes habe ihn, wie die Deutsche Nachrichtenagentur berichtet, als "unbekannt verzogen" verzeichnet. Weil er sich bei der kommunalen Ausländerbehörde nicht gemeldet habe, weise die Meldung im Ausländerzentralregister noch die Erstaufnahmeeinrichtung Dortmund als ursprünglich meldende Behörde aus, teilte die Stadtverwaltung mit. Später fiel der 18-Jährige in Hamburg den Behörden auf, weil er sich illegal dort aufhielt. 

Bei dem Angriff in der finnischen Stadt Turku hatte der Mann am Freitag zwei Finninnen erstochen sowie sechs Frauen und zwei Männer verletzt. Neben dem mutmaßlichen Haupttäter wurden in Finnland vier weitere Marokkaner festgenommen, weil sie mit ihm in Kontakt standen. Zumindest zwei von ihnen sollen sich zuvor auch in Deutschland aufgehalten haben und polizeilich auffällig geworden sein. 

 

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