St. Petri bekommt eine Schlamm-Kur

Kirchensanierung in der City

St. Petri am Westenhellweg ist eine der ältesten Kirchen Dortmunds und ein Wahrzeichen der Stadt. Doch die Jahrhunderte haben dem Gotteshaus zugesetzt: Wind und Wetter haben Rillen und Risse in seine Außenhaut hinein gefräst. Nun läuft die Sanierung der Kirche an. Unter anderem soll ihr eine Schlamm-Kur helfen.

DORTMUND

, 31.07.2017, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die St.-Petri-Kirche ist derzeit eingerüstet.

Die St.-Petri-Kirche ist derzeit eingerüstet.

„Verputzen“ ist ein Wort, das Susanne Kideys für die Sanierung des Petri-Kirchturms unbedingt vermeidet. Der Kirchturm werde nicht verputzt, sagt die Architektin und Projektleiterin. Die Außenhaut des Kirchturms werde mit Kalkschlamm versehen. Sie werde also „eingeschlämmt.“

Susanne Kideys wählt die Worte mit Bedacht. Schließlich sollen bei den Mitgliedern des Gestaltungsbeirates, die Ende August zur Besichtigung von St. Petri geladen werden, keine Irritationen aufkommen. Dass der Turm nach der Sanierung ein anderes Erscheinungsbild haben werde, darauf hatte Ulf Schlüter, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises, im Vorfeld hingewiesen.

Ein sandfarbener Kalkschlamm soll es werden, mit dem sich der Turm nach abgeschlossener Sanierung präsentiert. Es werde keine vollkommen glatte Fassade, betont Projektleiterin und Architektin Kideys. Die neue Außenhaut solle eine Struktur erhalten – auch wenn die deutlich weniger prägnant ausfallen wird als die jetzige Gesteinsform. „Zudem werden hier und da eine Ecke oder ein Sims herausgucken“, sagt die Architektin.

Steinstücke und Fugenmaterial haben sich gelöst

Mit einiger Verzögerung haben die vorbereitenden Arbeiten nun begonnen. Wie bei anderen Kirchen, haben die Witterungseinflüsse auch der Bausubstanz der historischen Petrikirche zugesetzt. Steinstücke und Fugenmaterial haben sich gelöst. Einige der Sandsteine sind so porös, dass sich ihre Oberfläche mit dem Finger abkratzen lässt. Andere haben sich im Laufe der Jahre verformt, Wind und Wetter haben Rillen und Risse hinein gefräst, einige Steine bildeten sich sogar zurück.

Hoch oben im Turm fährt Architektin Kideys mit ihrer Hand übers lädierte Gestein, während Steinmetz Michael Bayer von der Firma Bauer-Bornemann aus Bamberg daneben steht und zuschaut.

Eine Turmsanierung wie ein Puzzle

Er kann noch nicht sagen, wie viele der Sandsteine tatsächlich ersetzt und wie viele bearbeitet werden müssen. Sie stehen ja erst am Anfang: Da sind beispielsweise die vielen Fugen, die ausgeräumt und erneuert werden müssen. Da sind die vielen Steine, auf deren Oberfläche sich schalenförmige Ausbuchtungen gebildet haben, die nun lose sind und die mit einem Keil herausgenommen werden.

Am Ende ist es wie ein Puzzle, dessen Einzelteile wieder zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Erst dann wird der Turm mit dem sandfarbenen Kalkschlamm versehen.

Sanierung könnte im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein

Es gibt Fragen, bei denen die Architektin gequält lächelt. Sicher, das erste Gerüst steht seit 2015. Und ja, ursprünglich hätte die Sanierung 2016 starten und im Herbst 2017 abgeschlossen werden sollen. Das wird natürlich nicht mehr funktionieren, und so kann Projektleiterin Kideys nur „aufs Frühjahr 2018“ als möglichen Schlusspunkt verweisen.

„Es hängt“, sagt sie, „wie immer von der Witterung ab.“ Rund 900.000 Euro Kosten, daran hat sich bislang nichts geändert, kalkuliert die Kirche für die Sanierung.

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