Stadt distanziert sich von Dialog mit Neonazis

Modellprojekt

Dialogversuch gescheitert? Ein vom Bund gefördertes Seminar für Neonazis und Jugendliche schlägt hohe Wellen. In diesem sollte mit Neonazis diskutiert werden. Die Stadt Dortmund hat sich jetzt vom umstrittenen Seminar distanziert.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann und Oliver Koch

, 26.01.2012, 19:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

  Über mehrere Wochen warb die gemeinnützige Gesellschaft mit Büro an der Weißenburger Straße in der Innenstadt auf ihrer Internetseite mit einem Logo der Stadt Dortmund, des Bundesfamilienministeriums und anderen namhaften Förderern für ihre Jugendarbeit. Das Logo der Stadt ist nun nach einem schriftlich übermittelten Verbot verschwunden. Denn die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie sowie das Jugendamt sind davon überzeugt, dass das im Internet veröffentlichte Konzept nicht in der Lage ist, menschenverachtende, rassistische und diskriminierende Ideologien der rechtsextremistischen Szene zu entlarven, um so „auf lange Sicht“ die Neonazis zu einem Ausstieg zu motivieren. Mit der „Grundidee des Projekts, auch in die Auseinandersetzung mit dem harten Kern der rechtsextremen Szene zu kommen, sei aber richtig.“

  Am Donnerstag untersagte die Stadt der „multilateral academy“ schriftlich, Dienststellen der Verwaltung weiter als Kooperationspartner zu nennen. Zudem „erwartet die Stadt eine öffentliche Richtigstellung“, so Pressesprecher Udo Bullerdieck, der das Vorgehen der Akademie als „befremdlich“ bezeichnete.Bereits am 22. November hatte die Stadt dem Familienministerium in Berlin „eindeutig“ mitgeteilt, dass sie nach ersten Kooperationsgesprächen von den Seminar-Inhalten abrückt. Laut Bullerdieck sei der Internet-Auftritt der „multilateral academy“ aber nicht aktualisiert worden.

  Das Dortmunder antifaschistische Bündnis bezeichnete die Inhalte des Seminars als „pädagogische Fehleinschätzung“ und „politisches Desaster“. Es sei ein Paradoxon, mit Nazis gegen Nazis vorgehen zu wollen. Jugendliche würden mit Nazis konfrontiert, die einen rassistischen Führerstaat forderten und Andersdenkende mit Gewalt drangsalieren würden.

Das Bundesfamilienministerium hat sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert. Man werde allen Hinweisen nachgehen, sagte ein Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Ohne eine genaue Prüfung werde man an der Förderung aber nichts ändern. Das Ministerium unterstützt das Projekt mit 300.000 Euro, verteilt über drei Jahre.

Projektleiter Benedikt Stumpf von der „multilateral academy“ an der Weißenburger Straße äußerte sich am Donnerstagabend: „Wir hätten die Isolation der Extremisten aufgebrochen. Das ist das Schlimmste, was ihnen passieren kann.“   Man hätte die nicht dumm agierende Szene über Monate inhaltlich herausfordern müssen – statt immer nur zu demonstrieren, so Stumpf in einer Reaktion auf die Kritik, die zunächst von der Antifa-Seite kam („Mit Nazis spielen“) und der sich Donnerstag auch die Stadt angeschlossen hat.  

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