Stadt Dortmund will die Raserszene auflösen - Video zeigt Rennen

Illegale Rennen

Mehr Blitzer, intensivere Kontrollen am Wall und auf Phoenix-West: Der neue Rechtsdezernent will die Raserszene in der Stadt auflösen. Ein Video zeigt, wie ein illegales Rennen aussieht.

Dortmund

, 10.01.2019 / Lesedauer: 4 min
Stadt Dortmund will die Raserszene auflösen - Video zeigt Rennen

Ein Polizeibeamter untersucht bei einer Großkontrolle am Wall ein getuntes Auto. © Peter Bandermann (Archivbild)

62 Raser-Unfälle mit 13 Verletzten, darunter eine querschnittsgelähmte junge Frau, die bei einem Unfall im Mai 2018 verunglückt ist. Dazu 38 von der Polizei nachgewiesene illegale Rennen: Die Bilanz von Stadt Dortmund, Staatsanwaltschaft und Polizei über die Raserszene im Jahr 2018 ist für den Leitenden Polizeidirektor Ralf Ziegler von der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium zugleich ein Auftrag: „Nicht angepasstes Tempo ist hauptverantwortlich für schwere und tödliche Unfallfolgen. Wer bewusst die Verkehrsregeln nicht beachtet, zeigt einen Mangel an Respekt und gefährdet das Leben unbeteiligter Dritter.“

Von der Polizei bei bis zu 120 km/h verfolgte und dann aus dem Verkehr gezogene Teilnehmer eines Rennen zeigten häufig keine Einsicht. Die Sicherheitsbehörden erhöhen auch deshalb den Druck auf Rasser und illegale Rennfahrer.

Dieser von Polizisten aufgenommen Videofilm zeigt ein illegales Rennen und eine Verfolgungsfahrt der Polizei auf dem Wall in Dortmund:

Video
Polizei-Video zeigt Rennen auf dem Wall

Bei 76 Kontrollen 3000 Temposünder erwischt

Im Jahr 2019 soll es den Rasern an den Kragen gehen. Dortmunds neuer Rechtsdezernent Norbert Dahmen macht eine klare Ansage: „Wir wollen die Raserszene auflösen.“ Auch er nennt Zahlen, die das Vorgehen rechtfertigen sollen: Bei 76 Tempokontrollen mit Radarwagen konnte das Ordnungsamt 2018 in der Innenstadt rund 3000 Temposünder fotografieren. Darunter nicht nur Raser, die vorsätzlich das Maximum aus dem Motorraum herauskitzeln wollten, sondern auch Alltags-Bleifüße. Ein neuer Blitzer am Ostwall hat in seiner siebentägigen Dienstzeit seit dem 2. Januar 2019 schon 800 Temposünder erwischt. Der schnellste Fahrer hatte 96 km/h auf dem Tacho. Die Anlage fotografiert die drei Spuren in Richtung Ostentor. Weitere Blitzer sollen folgen.

140 von 1400 Autofahrern zu schnell

Überrascht war Norbert Dahmen von einem Kontrollergebnis im Oktober 2018: Stadt, Polizei und Bürger sowie die Einsatz- und Kontrollfahrzeuge standen gut sichtbar am Ostwall - und dennoch fuhren 140 von 1400 Autofahrer zu schnell. Diese Zahlen belegten „den Handlungsdruck, mit dem wir die Straßen sicherer machen müssen“, sagte der Jurist. Die Stadt Dortmund will ...

  • mehr mobile Tempokontrollen auf dem Wall und anderen Strecken
  • die Ampelphasen auf dem Wall neu schalten, um Raser zu stören
  • regelmäßig am Wall und auf Phoenix-West Streifenteams einsetzen
  • die „Boxengasse“ am Ostwall verändern (Halteverbote, Sperren)
  • einmal im Quartal am „Runden Tisch gegen Raser“ über Fortschritte beraten

Damit reagiert die Stadt Dortmund auch auf zahlreiche Beschwerden und Vorschläge von Bürgern, die am Ostwall und in den Seitenstraßen wohnen und den Verkehrslärm gerade nachts nicht mehr ertragen wollen. Polizei und Stadt haben 2017 und 2018 etliche Gespräche mit Anwohnern geführt und mussten auf zahlreiche Beschwerdebriefe reagieren. Bürger hätten auch ihre Angst darüber geäußert, als Fußgänger nicht mehr sicher die Straßen überqueren zu können.

70 illegale Rennen angezeigt

Staatsanwältin Jana Sosnovskaja erläuterte bei einem Pressegespräch im Polizeipräsidium die Konsequenzen, die der seit Oktober 2017 gültige Paragraf 315d des Strafgesetzbuches („Raser-Paragraf“) in Dortmund ausgelöst hat. Die Polizei habe fast 70 illegale Rennen angezeigt, aber nicht in allen Fällen sei eine Anklage erhoben worden. „Weil die Tat nicht bewiesen werden konnte“, sagte die Staatsanwältin. Dennoch habe es erste Urteile mit Geldstrafen und Fahrverboten gegeben. Auch nach beschleunigten Verfahren. Dies seien „einschneidende Maßnahmen“ gewesen.

Da der Paragraf 315d noch jung sei, würden sich die Verfahren in die Länge ziehen. Es sei noch keine einheitliche Rechtssprechung vorhanden über die Frage, wie im Gesetz gewählte Formulierungen wie „rücksichtloses und grob verkehrswidriges Fahren, um die größtmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“ in der Praxis anzuwenden seien.

Geldstrafen und Gefängnis

Der Paragraf 315d stellt ein Rennen auch dann unter Strafe, wenn keine konkrete Gefahr vorhanden ist. Dafür muss die Polizei aber das Rennen nachweisen. Videofilme bei rasanten Verfolgungsfahrten belasten die Rennfahrer. Bislang war ein Bußgeld in Höhe von 400 Euro fällig. Jetzt kann die Justiz deutlich höhere Geldstrafen und sogar Freiheitsstrafen (bis zu zwei Jahre) aussprechen. Verletzt oder tötet ein illegaler Raser einen Verkehrsteilnehmer, können die Gerichte bis zu zehn Jahre Haft verhängen. Der neue Paragraf lässt auch zu, dass die Tatfahrzeuge „eingezogen“ werden. „Auch dann, wenn sie dem Fahrer nicht gehören“, sagte die Staatsanwältin. Juristisch sei das aber kompliziert.

In diesem Video erklärt der Dortmunder Notarzt Dr. Hans Lemke die Unfallgefahren bei Autorennen:

Video
Notarzt erklärt die Risiken bei einem Rennen

Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Kampf gegen Raser

Neuer Ostwall-Blitzer der Stadt erwischt 800 Temposünder in 7 Tagen

Die neue Blitzer-Säule am Ostwall hat an sieben Arbeitstagen seit dem 1. Januar 2019 ganze 800 Temposünder geblitzt. Doch ein Spezial-Blitzer der Polizei hat noch viel mehr auf dem Kasten. Von Peter Bandermann

Lesen Sie jetzt