Wer bei der Stadtverwaltung Dortmund mehr als 100 Stunden auf seinem Gleitzeitguthaben kann, kann sich in diesem Jahr ausnahmsweise die Stunden, die über die 100 hinausgehen, auszahlen lassen. © dpa
Stadtverwaltung

Stadt Dortmund zahlt Riesenberg von Überstunden an Mitarbeiter aus

Mehr als hundert Beschäftigte der Stadt Dortmund können sich über ein zusätzliches „Weihnachtsgeld“ freuen. Die Stadt zahlt hohe Gleitzeitguthaben auf Wunsch aus. Doch wer kontrolliert das?

Wiederholt hatte diese Redaktion über den Riesenberg von Resturlaub und nicht abgebauten Überstunden bei der Dortmunder Stadtverwaltung berichtet. So hatten sich Ende Dezember 2019 143.245 Überstunden bei der Stadt aufgehäuft, für die im Haushalt 3,81 Millionen Euro an Rückstellungen eingepreist werden mussten.

Ende 2020 waren die Überstunden noch weiter angewachsen und damit auch die Rückstellungen um 1,3 Millionen auf 5,1 Millionen Euro. Jetzt zieht die Stadt Dortmund die Reißleine und macht eine Ausnahme, die sie zuletzt ihren Mitarbeitern im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006 eingeräumt hatte.

Vor dem Hintergrund auch der Pandemie können Beschäftigte mit einem Gleitzeitguthaben von mehr als 100 Stunden sich in diesem Jahr alle Stunden, die über die 100 hinausgehen, auszahlen lassen. Das hat der Verwaltungsvorstand im Oktober beschlossen.

126 Beschäftigte nutzen die Ausnahme

Von dieser Möglichkeit machen laut Stadtsprecher Michael Meinders 126 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Gebrauch, davon 58 Führungskräfte wie Team-, Bereichs- und Amtsleitungen. Meinders: „Die Mitarbeitenden

konnten frei wählen, ob und in welchem Umfang sie sich Gleitzeitguthaben

ausnahmsweise auszahlen lassen möchten.“

Die Stadt Dortmund koste diese Auszahlung der Gleitzeitguthaben von Mitarbeitern der Kernverwaltung und der städtischen Eigenbetriebe rund 960.000 Euro, so Meinders, inklusive Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Summarisch sei das weniger als die Stadt im Rahmen der veranschlagten Personalaufwendungen für das Haushaltsjahr 2021 eingeplant habe, betont der Stadtsprecher.

Wie hoch die Auszahlung der Überstunden im Einzelfall sei, hänge von der Anzahl der ausgezahlten Gleitzeitstunden ab, erläuterte Meinders auf Nachfrage. Das könne dann auch mal ein Monatsgehalt überschreiten. Legt man aber 126 Antragsteller zugrunde, kommt man auf eine durchschnittliche Auszahlungshöhe von 7619,5 Euro.

Kontrolle laut Dienstvereinbarung

Die Kontrolle der Arbeitszeiterfassung regelt eine Dienstvereinbarung der Stadtverwaltung vom Jahr 2018. Danach sind Gleitzeitkarten vorzulegen, die von den jeweiligen Vorgesetzten monatlich kontrolliert werden.

Doch wie verläuft die Kontrolle der Führungskräfte? Auf Vertrauensbasis? Führungskräfte seien auch Beschäftigte, erklärte Meinders, der jeweilig hierarchisch übergeordneten Führungskraft obliege die Kontrolle ihrer Mitarbeitenden gleichermaßen: „Teamleitungen kontrollieren Mitarbeitende des jeweiligen Teams, Bereichsleitungen kontrollieren Teamleitungen, Amtsleitungen kontrollieren Bereichsleitungen, Dezernent und Dezernentinnen kontrollieren Amtsleitungen.“

Angeordnete Überstunden fallen übrigens nicht unter diese Regelung.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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