Stadt lässt Analyseergebnisse der Kunstrasen-Hersteller prüfen

Krebsverdacht

Der Krebsverdacht ist nicht neu, aber im Nachbarland Holland wurden jetzt Konsequenzen gezogen und am letzten Wochenende rund 30 Fußballspiele im Amateurbereich abgesagt. Es geht um Gummi-Granulat auf Kunstrasenplätzen, hergestellt aus Altreifen. Das Granulat liegt auch auf Dortmunder Kunstrasenplätzen. Die Stadt will die Analyseergebnisse der Kunstrasen-Hersteller nun doch überprüfen.

DORTMUND

14.10.2016, 01:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stadt lässt Analyseergebnisse der Kunstrasen-Hersteller prüfen

Einer von rund 50 Kunstrasen-Plätzen im Stadtgebiet: Der DJK Eintracht Dortmund trainiert auf dem Kunstrasen der Sportanlage "Am Wasserfall".

Erster Bericht:

Nach Auskunft von Stadtsprecherin Anke Widow gibt es an die 50 Kunstrasenplätze im Stadtgebiet, weitere 10 bis 15 sollen noch gebaut werden. Auf den Plätzen liegen, so ist ihrer schriftlichen Mitteilung zu entnehmen, Neu-Gummi-Granulate, das ist Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM), aber auch das umstrittene Recycling-Granulat, Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR). Dieser Stoff wird hergestellt aus alten Autoreifen, die Weichmacher-Öle enthalten. Die Öle wiederum beinhalten sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige im hohen Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Stadtsprecher Maximilian Löchter spricht von 26 der 50 Plätze, die von der Stadt gebaut wurden. Diese seien nicht mit dem strittigen SBR-Granulat verfüllt worden. Zu den anderen Plätzen sagt er: „Beim Bau eines Kunstrasenspielfeldes durch Vereine wird diesen auferlegt, einen von der Stadt vorgegebenen Qualitätsstandard einzuhalten.“ Angaben, auf wie vielen Plätzen nun das recycelte Material liegt, liefern weder Widow noch Löchter. Eine Mischung des Materials sei nicht bekannt, sagte Löchter.

30 Spiele von Amateurfußballern abgesagt

Nach dem Fernsehbeitrag des holländischen Journalisten Roelof Bosma in der vergangenen Woche brach in den Niederlanden ein Sturm der Entrüstung los, vor allem von Eltern – mit der Konsequenz, dass 30 Spiele von Amateurfußballern abgesagt wurden. Holländische Regierung und der nationale Fußball-Verband beauftragten das Gesundheitsministerium mit Untersuchungen.

Die Stadt, auf deren Sportplatzanlagen unter anderem 117 Fußballvereine trainieren, beauftragt niemanden mit Analysen. „Eine durch uns veranlasste Materialprüfung ist nicht vorgesehen“, sagte Anke Widow. „Die Kunstrasenbauer, die im Stadtgebiet tätig sind, verwenden RAL-gütegesicherte und nach DIN zertifizierte SBR-Granulate.“ Auch der Stadtsportbund sieht bisher keinen Grund nachzuhaken. Geschäftsführer Mathias Grasediek sagte auf Anfrage: „Das sind alles zertifizierte Materialien. Wir haben Vertrauen in das richtige Material und gehen davon aus, dass es geprüft wurde. Auch aus den Vereinen ist das Thema an den Sportbund noch nicht herangetragen worden.“

Recyceltes Gummiprodukt

Diese Redaktion berichtete schon vor einem Jahr überregional über die Gummi-Problematik. In dem Bericht wurde auf eine Liste mit in den USA erkrankten Fußballerinnen verwiesen, geführt von der Trainerin Amy Griffin. Sie ist überzeugt, dass das recycelte Gummiprodukt in Zusammenhang mit Krebserkrankungen von Spielerinnen steht. Betroffen sollen – durch die häufigen Bodenkontakte – besonders Torhüter und Torhüterinnen sein. In Griffins Datenbank sind inzwischen 200 erkrankte Fußballer gelistet, die regelmäßig auf Kunstrasen gespielt haben. Über 100 von ihnen standen im Tor.

Auch in den privat geführten Soccer-Hallen in Dortmund liegt Kunstrasen. Übereinstimmend erklärten aber Markus Beiner von Soccerworld an der Bunsen-Kirchhoff-Straße und Michael Lusch vom Soccer City Center am Zinkhüttenweg, bei ihnen in den Hallen liege kein Boden aus geschreddertem Autoreifen-Granulat, sondern nur aus Neugummi hergestellten, als unbedenklich eingestuften, zertifizierten Granulaten. Anderes ist auch im La-Ola-Fußballcenter an der Hellerstraße nicht bekannt.

Markus Beiner von Soccerworld mit insgesamt elf Anlagen in Deutschland sagt, bei Platzerneuerungen werde man nun zu Granulat aus Kork greifen. Dies gelte als unbedenklichste Alternative und nach dem Training habe man ja auch das Granulat in den Schuhen der Spieler.

Aktualisierung, Freitag, 12.08 Uhr: Umdenken bei der Stadt

Kehrtwende bei der Stadt: Wie die Verwaltung in einer Pressemitteilung schreibt, werden die Kunstrasenplätze nun doch überprüft. "Um möglichen Sorgen der Dortmunder vorzubeugen, wird die Stadt von den Kunstrasenherstellern deren Analyseergebnisse einfordern und durch das Gesundheitsamt prüfen lassen. Das betrifft sowohl die Firmen der in Eigenregie erstellten Plätze, als auch jene, die im Auftrag der Vereine tätig waren", heißt es in der Pressemitteilung. Die Prüfungsergebnisse werden anschließend veröffentlicht, so die Stadt.

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