Stadt sagt Auftritt von Islamkritiker kurzfristig ab

Dietrich-Keuning-Haus

"Talk im DKH" heißt die Veranstaltungsreihe, sie soll aktuelle Entwicklungen in Deutschland aufgreifen und einen "gesellschaftspolitischen Auftrag“ erfüllen. Die kommende Veranstaltung mit Hamed Abdel-Samad, Publizist und Islamkritiker, ist abgesagt. Offiziell liegt das an "organisatorischen Gründen". Das dürfte nicht die ganze Wahrheit sein.

DORTMUND

, 15.09.2016, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stadt sagt Auftritt von Islamkritiker kurzfristig ab

Der deutsch-ägyptische Politologe und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad kommt doch nicht nach Dortmund. Sein Auftritt im Dietrich-Keuning-Haus wurde kurzfristig abgesagt.

Der Termin am 23. September im Dietrich-Keuning-Haus stand schon lange fest, auch, worüber der deutsch-ägyptischen Politologe und Publizist Hamed Abdel-Samad sprechen wollte, war kein Geheimnis: „Im Fokus seiner Arbeit steht die Islamkritik, in der er unter anderem untersucht, in welchen Zusammenhängen die Ursprünge des Islams und islamistische Terrororganisationen stehen. Der aktuelle Bestseller "Mohamed - Eine Abrechnung" widmet sich diesem Thema.“ So steht es auf der Homepage der Stadt Dortmund.

In diesem Buch, erschienen im Herbst 2015, stellt Abdel-Samat den Propheten Mohammed unter anderem als einen gekränkten Außenseiter, Paranoiker und Massenmörder dar, der "für seine Ziele über Leichen ging". Weiter existieren gegen Abdel-Samad  seit spätestens 2013 Mordaufrufe im Internet. Er hatte damals in Kairo der Muslimbruderschaft "islamischen Faschismus" vorgeworfen

Auch Sicherheitsbedenken dürften eine Rolle gespielt haben

Man kann also nicht sagen, dass die Ansichten Abdel-Samads komplett neu und überraschend sind, auch war von vornherein klar, dass sein Auftritt eines anderen Sicherheitsaufwandes bedurfte als zum Beispiel die Diskussion mit dem Armutsforscher Christoph Butterwegge am 1. Juli.  Dass jetzt, acht Tage vor ihrem Termin, die Veranstaltung abgesagt wird, liegt laut der Stadt an "organisatorischen Gründen". Der Blog Ruhrbarone.de zitiert Abdel Samad mit den Worten: "Mir wurde mitgeteilt, dass die Veranstaltung nicht stattfindet. Ich habe schon Flug und Hotel storniert." Ein Grund für die Absage sei ihm nicht mitgeteilt worden. 

Sicherheitsbedenken dürften bei dieser Entscheidung indes keine unwichtige Rolle gespielt haben. Aber auch nicht die alles entscheidende, so war Ende Mai 2016 der Psychologe und Bestsellerautor Ahmad Mansour zu Gast im Keuning-Haus, auch gegen ihn existieren konkrete Drohungen.

AfD nutzt mittlerweile Abdel-Samads Thesen

Was die Sache bei Abdel-Samat anders macht, ist, dass seine Thesen inzwischen auch von der AfD genutzt werden und der Politikwissenschaftler auch auf AfD-Veranstaltungen spricht. So kam es Ende Oktober 2015 zu Tumulten, als der Autor beim AfD-Kreisverband  Dachau-Fürstenfeldbruck sprechen wollte und Parteianhänger und Teilnehmer einer Mahnwache aneinander gerieten.

Rechte, Linke, dazu Islamisten - dieses Szenario vermeiden zu wollen, lassen eine Absage  aus organisatorischen Gründen dann doch nachvollziehbar erscheinen. Es wäre in der Tat eine Menge Organisation nötig gewesen.  

war laut der Stadt bisher gut bis sehr gut besucht. Regelmäßiger Moderator der Reihe ist Dr. Aladin El-Mafaalani, er ist Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Münster und Mitglied im Rat für Migration.

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