Stadt sichert Anwohnern verstärktes Engagement gegen Ostwallraser zu

Verkehr

Bisherige Maßnahmen haben in den Augen und Ohren der Ostwall-Anwohner nicht viel Erfolg gezeigt. Noch immer klagen sie über die Lärmbelästigung durch Raser. Die Stadt geht in die Offensive.

Dortmund

, 27.10.2018 / Lesedauer: 4 min
Stadt sichert Anwohnern verstärktes Engagement gegen Ostwallraser zu

Polizeipräsident Gregor Lange (3.v.l.) und Oberbürgermeister Ullrich Sierau (Mitte)stellen sich den Ostwallanwohnern im Gespräch. © Schaper

„Seit sieben Jahren machen wir das jetzt mit“, ärgert sich Ligia Viegas, die am Ostwall 23 wohnt und dort ein Wellness-Studio betreibt. „Zunächst dachten wir, durch die Baustelle am Ostwall wird es weniger mit den Rasern. Für manche ist es aber vielleicht jetzt eine noch größere Herausforderung. Einer wäre fast in unsere Schaufensterscheibe gekracht.“

Patrick Tauberhorn wohnt am Ostwall 15 und bestätigt die Einschätzung: „Sagen wir mal so: Die Baustelle ist schon ein Hindernis. Ab 19 Uhr geht es aber trotzdem los, dann lassen sie die Motoren aufheulen.“ Ligia Viegas ergänzt: „Straßenecken werden zu Toiletten, gegrillt wurde hier auch schon. Da kann man sich vorstellen, wie angenehm das hier im Sommer war.

Zwei Dutzend Beamte unterwegs

Trotz Blitzeranlagen und Poller an der „Boxengasse“ gehe es immer wieder um den Wall. An diesem Punkt hat die Stadt beschlossen, deutlich in die Offensive zu gehen. Am vergangenen Freitagabend luden hochrangige Vertreter von Verwaltung, Polizei und Staatsanwaltschaft zu einem Bürgerdialog am Ostwall ein, um zuzuhören und nächste Schritte zu besprechen. Gleichzeitig starteten die Beamten eine groß angelegte Aktion gegen die Raser. „An die zwei Dutzend Beamte sind heute unterwegs“, so Kim Ben Freigang, Sprecher der Polizei. „Natürlich nicht direkt hier am Ostwall, dass würde jetzt nicht viel bringen.“ Stattdessen sei man im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Szene schnell ausgewichen sei, zum Beispiel auf die Brackeler Straße oder Phoenix-West. „Es sind aber auch Aufklärer unterwegs, die uns informieren, wo sich die Szene aufhält.“

Sylvya Uhlendahl, Leiterin des Tiefbauamtes, stellte zu Beginn des Dialogs klar: „Diese Veranstaltung ist nicht für die Presse, sondern für die Bürger.“ Sie sollen sehen, dass das Thema nun ganz offensiv publik gemacht werde. „Es soll ja hier nicht irgendwann doch noch etwas passieren.“ Eine ihrer Überlegungen: „Man könnte nachts die Lichtsignale anders schalten, also das Ende des Prinzips ‚Grüne Welle‘“. Das müsse aber sehr genau durchdacht sein, „sonst denken sich die Raser: ‚Dann fahre ich halt doppelt so schnell.‘“

Raser-Szene reagiert schnell

Und Uehlendahl weiß, wie schnell die Szene auf Verschärfungen reagiert: „Die sind so gut vernetzt, dass sie sich sofort verständigen und andere Plätze finden.“ Andererseits sei die Stadt inzwischen auch mit Gutachtern unterwegs, die schnell illegales Tuning erkennen. „Ich habe schon mal bei einer Kontrollschicht mitgemacht. Und einige der Beamten sehen schon, wenn sich ein Wagen nähert, ob es sich lohnt, ihn rauszuwinken.“ Die Gesetzesverschärfungen seien auch wichtig gewesen, „jetzt warten wir darauf, dass sich die Gerichte auf die neue Situation einstellen.“

Svenja Hanneforth von der Staatsanwaltschaft ergänzt: „Es ist auch für uns wichtig, dabei zu sein, auch wenn man hier repressiv tätig wird und wir in die Kontrollen nicht eingebunden sind. Dafür können später Fahrerlaubnisse eingezogen werden. Das kann nachhaltig vom Rasen abhalten, weil der Verlust weitreichende Konsequenzen haben kann – zum Beispiel für den Job.“

„Eskalierende Situation“

Auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau sicherte für die Zukunft verstärktes Engagement zu. Einen schnellen Erfolg an diesem Abend könne man zwar nicht garantieren, „wir weisen aber heute darauf hin, dass wir nicht bereit sind, die eskalierende Situation zu dulden. Dass Straßen als Rennstrecke genutzt werden, ist inakzeptabel – für uns und für die Anwohner. Dabei handelt es sich um eine absolute Beeinträchtigung für die Wohn- und Lebensqualität. Und auch die Verkehrssicherheit darf nicht unter dem privaten Vergnügen am Rasen leiden.“

Bisher sei die Intensität der Kontrollen nicht ausreichend gewesen. „Wir sind aber dankbar für die Informationen von den Anwohnern.“ Zudem befinde sich die Szene in einem Wandel, so Sierau: „Es gibt dort viel Imponiergehabe, noch schnellere Fahrzeuge. Das sind Dinge, die wir aufgreifen werden. Auch mittels drastischerer Strafen. Wir werden das durchsetzen, was für alle Verkehrsteilnehmer gilt.“

Tuning nicht automatisch strafbar

Polizeipräsident Gregor Lange nahm sich auch die Zeit für Gespräche und erklärte einer Anwohnerin, dass Tuning nicht automatisch strafbar sei. Daher habe man auch die entsprechenden Fachleute dabei, die die Lage richtig einschätzen können. „Alle Teile der Polizei müssen sich mit der derzeitigen Situation auseinandersetzen.“

Auch ein Anhänger aus der Tuning-Szene war vor Ort und beklagte, dass man kaum mehr die Möglichkeit habe, sich mit Gleichgesinnten im Stadtgebiet zu treffen. Simon Herder (31) meint, wenn es einen freien Platz gäbe, würde man auch Eintritt zahlen. „Fünf Euro, und ich kenne viele, die das zahlen würden.“ Und schon ein Beamter vor Ort würde vor Lärm schützen. „Präsenz schüchtert ein.“ Herder legte aber auch Wert darauf, dass er aus einer Szene stamme, deren Wagen nicht mit laufendem Motor am Straßenrand stünden oder permanent im Kreis führen. „Das sind Poser, Selbstdarsteller. ‚Schaut alle her, was für ein toller Typ ich bin.‘“ Er selbst habe solche Leute schon mal angesprochen, „da wurde gleich mit Schlägen gedroht“.

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